Prüffall Gloria

Was in Stuttgart schiefgelaufen ist, wie uns Ralf Stegner die Wahrheit verriet, und warum uns eine Fürstin Sorgen bereitet / Der satirische Wochenrückblick mit Hans Heckel

26.01.19

Wo waren in Stuttgart eigentlich die „Gegendemonstranten“, um diese beunruhigende Gelbwesten-Demo im Keim zu ersticken? An die 1000 Leute konnten da ungestört demonstrieren. Offenbar hat die schwäbische Antifa gepennt. Was für Luschen!
So geht das aber nicht, denn wie es aussieht, werden wir auf eine funktionierende Antifa künftig immer häufiger angewiesen sein, um das Volk unter Kontrolle zu halten. Den Deutschen scheint nämlich langsam der Geduldsfaden zu reißen.
Besonders irritierend ist die Zusammenrottung von Jung und Alt, die man auf den Bildern der Gelbwesten-Demo von Stuttgart beobachten kann. Das bringt eine bislang gut funktionierende Strategie ins Wanken, die so aussah: Die Jungen halten wir mit „Klimaprotest“, „Willkommenskultur“, dem „Kampf gegen Rechts“ und viel guter Unterhaltung bei Laune. So sind sie beschäftigt und kümmern sich nicht um das, was immer mehr Alte längst ahnen oder schon handfest zu spüren bekommen: Nämlich, dass sie unter die Räuber geraten sind und die Früchte ihrer Lebensleistung dreist geplündert wurden.
Wenn die Menschen das aber erst merken, wenn sie zu alt, zu krank und zu resigniert sind, um den Verantwortlichen auf die Pelle zu rücken, während die dynamischeren Jungen mit Tinnef abgelenkt werden, kann nichts passieren − so die geniale Idee.
Doch wenn Alte und Junge sich in irgendwelchen Demonstrationen und Protestbewegungen treffen, könnten sie ins Gespräch kommen. Dabei dürfte den Jungen dämmern, was man auch für sie plant. Und dann ... das wollen wir uns gar nicht vorstellen.
Gut, wir möchten hier auch nicht allzu schwarz malen. Immerhin sind bei der Niederwerfung der Protestbewegung beachtliche Fortschritte zu verzeichnen. Die AfD leidet unter spürbaren Verlusten bei den Umfragen. Das ist doch schon was. Niemand soll meinen, dass das einfach war. Dahinter steckt harte Arbeit, die wir nur deshalb nicht richtig zu würdigen wissen, weil die Träger dieser Leistung leider nicht ganz so öffentlich über die Wurzeln ihres Erfolgs sprechen können.
Das liegt daran, dass die Leute ja nicht den völlig falschen Eindruck gewinnen dürfen, dass die etablierten „Parteien sich den Staat zur Beute gemacht haben“, wie es der damalige Bundespräsident Richard von Weizsäcker unverantwortlicherweise behauptet hat, und nun den Verfassungsschutz als parteipolitische Waffe missbrauchen.
Um diese maßlose Unterstellung abzuräumen, haben wir alle Mutmaßungen, dass Hans-Georg Maaßen den Chefsessel beim Inlandsgeheimdienst nur räumen musste, damit wir freies Schussfeld auf die AfD bekommen, als Verschwörungstheorie vom Tisch gewischt: Hat nichts miteinander zu tun! Nichts!
Dabei hätten wir bleiben können, wenn Ralf Stegner die Klappe gehalten hätte. Aber nein, am 16. Januar twitterte der SPD-Bundesvize: „Die Rechts­populisten von der AfD kommen endlich in den Fokus des Verfassungsschutzes. Dazu musste der unselige Herr Maaßen gehen, damit das passieren kann, was längst überfällig war.“ Oh Ralle! Warum kannst du nur den Rand nicht halten. Jetzt wissen es alle.
Nun ja, passiert ist passiert. Der ganze Zinnober mit den erfundenen Hetzjagden von Chemnitz und der anschließende Medientornado der regierungsnahen Presse und der Staatssender hatte also bloß den Zweck, den Maaßen abzuschießen, um danach die AfD in die Zange nehmen zu können.
Da rede noch einer von „Staatsversagen“! Lächerlich: Unser Staat funktioniert glänzend, jedenfalls, wenn’s drauf ankommt. Im Nachhinein wird erst verständlich, warum die sich alle so eisern an dem Mumpitz mit der „Hetzjagd“ festgekrallt haben, wo doch jeder in dem 19-Sekunden-Video („Hase, du bleibst hier!“) mit eigenen Augen sehen konnte, dass es die „Jagd“ nicht gegeben hat.
Es ging um viel höhere Ziele, für die der Maaßen aus dem Weg geboxt werden musste, „damit das passieren kann, was längst überfällig war“. Überfällig, weil Maaßen sich der Wahrheit und nicht dem Willen der politischen Führung verpflichtet fühlte. Sein früherer Kollege, der ehemalige Verfassungsschutz-Chef von Thüringen, Helmut Roewer, tickt ähnlich.
Er kommt mit der Beurteilung der AfD durch das Bundesamt für Verfassungsschutz (BfV) nicht zurecht (siehe Zitat). Als ein Grund, die AfD zum „Prüffall“ zu erklären, wurde eine Aussage von Parteichef Alexander Gauland aufgeführt. Der hatte gesagt, dass wir Deutsche bleiben wollten und nicht Menschheit werden und dass es Personen innerhalb der Staatsorgane gäbe, die den deutschen Staat auflösen wollten.
Was daran verfassungsfeindlich sein soll, versteht Roewer nicht. Sind nicht das deutsche Volk und sein Staat sowie dessen freiheitlich-demokratische Gestalt das Grundansinnen des Grundgesetzes? Mag sein, aber wenn Sie das auch so sehen, sagen Sie das besser nicht mehr so laut, sonst kommt Sie noch einer „prüfen“. Irgendwann wird uns Ralf Stegner den höheren Sinn dieser neuen Wahrheitsverkündung sicherlich enthüllen.
Zunächst schreiben wir uns  mal ins Stammbuch, dass wir uns in Sachen Verfassungstreue verdächtig machen, wenn wir Leute kritisieren, die Staat und Volk auflösen wollen. So weit, so klar. Allerdings: Was bleibt denn von der Verfassung, wenn Volk und Staat, auf denen sie fußt, aufgelöst werden?
Schwer zu beantworten. Man ist verunsichert. Aber vielleicht liegt ja genau darin der Clou des Ganzen! Für George Orwell war gerade diese Verunsicherung hinsichtlich einfachster Dinge der Dreh- und Angelpunkt einer ausgefeilten Herrschaftsstrategie: Frieden ist Krieg, Freiheit ist Sklaverei und so weiter. Je weniger die Leute wissen, was welche Bedeutung hat, desto mehr verlieren sie Orientierung und desto weniger können sie sich selbstständig auf irgendwas berufen. Und umso besser sind sie deshalb am Nasenring zu führen.
Um Kritik zu brechen, muss überdies dafür gesorgt werden, dass sich kritische Geister weder zu Demos auf die Straße trauen noch anders miteinander in Kontakt zu treten wagen. In Wiesbaden hat die Antifa eine kleinere Gelbwesten-Kundgebung mit dem feinen Argument blockiert, dass da „auch Rechte dabei“ gewesen seien. Das zieht immer.
Was das Kontaktverbot angeht, hat Fürstin Gloria von Thurn und Taxis selbst im fernen New York eine interessante Erfahrung machen dürfen. Sie hatte in Rom den früheren Trump-Berater Steve Bannon mit ein paar Kirchenleuten zusammengebracht, die diesen schillernden Mann einfach mal kennenlernen wollten.
Das war schon zu viel: Als ein New Yorker Museum von dem Treffen Wind bekam, hat es die engagierte Kennerin und Förderin der Kunst von einer Gala wieder ausgeladen. Fürstin Gloria befinde sich nicht in Übereinstimmung mit den „Prinzipien von Inklusion, Bürgerrechten und Vielfalt“, denen sich das Museum verpflichtet fühle, so die Begründung der Ausladung infolge des Bannon-Treffens.
Tief Luft holen: Weil man für „Inklusion“ ist, schließt man jemanden aus, weil er mit dem falschen Menschen gesprochen hat. Weil man die Bürgerrechte hochhält, verwirft man das Recht, sich zu treffen, mit wem man will. Und weil man „Vielfalt“ fördern möchte, reicht schon der bloße Verdacht auf eine abweichende Gesinnung, um die „Exklusion“, den Ausschluss, zu verhängen.
Gloria von Thurn und Taxis zeigt sich vollkommen uneinsichtig. An dem Vorgang könne man erkennen, dass „die Gesinnungsdiktatur den Bogen überspannt hat und dass die Spießer das Kommando übernommen haben“, so die 58-Jährige gegenüber der katholischen „Tagespost“.  Wie bitte? „Gesinnungsdiktatur? „Spießer“? Was sind denn das für hetzerische Vokabeln? Es erscheint „überfällig“, dass sich das BfV für seinen nächsten Prüffall wappnet.


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Kommentare

Chris Benthe:
30.01.2019, 09:20 Uhr

Bravo, Herr Heckel ! Das Licht in der Finsternis leuchtet hier ! Bitte weiter so!


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