Rund 20 Demokraten gegen Trump

Noch ist völlig unklar, wer den aktuellen US-Präsidenten 2020 herausfordern wird

04.03.19
Der eine zieht bei den Demokraten die Strippen, und der andere ist deren populärster potenzieller Präsidentschaftskandidat – aber bereits 76 Jahre alt: Der ehemalige US-Präsident Barack Obama und sein damaliger Vize Joe Biden (v.l.) Bild: Imago

Vorwahlen sind in den Vereinigten Staaten traditionell langwierig und spannend. Bei den Demokraten gibt es bereits jetzt ein Hauen und Stechen darum, wer im kommenden Jahr gegen den republikanischen US-Präsident Donald Trump antreten wird.

Dass sich der Amtsinhaber der Wiederwahl stellen wird, gilt als sicher. Ernsthafte Konkurrenz aus den eigenen Reihen droht ihm offenkundig keine. Und so konzentrieren sich die Blicke der Weltöffentlichkeit auf die oppositionellen Demokraten, bei denen Trumps Vorgänger Barack Obama nach wie vor die Strippen zieht. Obama, in Europa weitaus beliebter als in seiner Heimat, ist aus der Tradition ausgeschert, die besagt, dass ein Vorgänger sich niemals über seinen Nachfolger äußert. Der Ex-Präsident gehört zu den schärfsten Kritikern Trumps.
„Barack Obama soll den möglichen Herausforderern von Donald Trump Rat und Richtung geben. Manch einer hofft auch, dass der ehemalige Präsident früh einen Favoriten benennt“, schrieb die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ unlängst. Doch ob der Demokrat diesen Wunsch erfüllen wird, ist unklar. Obama habe aber John Philips und David Jacobsen, beide waren unter ihm Botschafter in Kanada beziehungsweise Italien, ausgesandt, um das Terrain zu sondieren. Beide seien dabei, Treffen von ehemaligen Spendern Obamas mit ausgewählten Bewerbern zu organisieren. Denn der Vorwahlkampf ist lang und kostenintensiv. Und Obama kennt die Spielregeln wie kein anderer. Die „New York Times“ berichtete kürzlich, der Ex-Präsident werde sein Votum dann abgeben, wenn absehbar sei, wer die größte Zahl an Unterstützern hinter sich versammeln dürfte.
Neben bereits feststehenden, aber eher unbekannten Bewerbern wie dem ehemaligen IBM-Manager Cory Booker, die Indo-Afroamerikanerin Kamala Harris oder der Senatorin Amy Klobuchar aus Minnesota wurde zuletzt auch der Name von Senator Sherrod Brown aus Ohio genannt.
Der populärste potenzielle Kandidat der Demokraten hat sich bisher nicht geäußert. Der ehemalige Vizepräsident Joe Biden sieht sein Alter von 76 Jahren als größte Hürde für eine Präsidentschaftskandidatur. In den vergangenen Wochen und Monaten habe er mit Freunden und Anhängern intensiv über die Frage gesprochen, ob er zu alt sei, um noch einmal anzutreten, berichten US-Medien. Einige rieten ihm, sich einen jungen Vizepräsidentschaftskandidaten zu suchen. Als ein möglicher Anwärter gilt demnach der Abgeordnete Beto O’Rourke.
Biden hat bereits zweimal an den Vorwahlkämpfen teilgenommen, einmal gegen Obama verloren, der ihn dann zu seinem Vizepräsidenten machten. 2016 überließ er Hillary Clinton den Vortritt, die Ehefrau von Ex-Präsident Bill hatte die größeren Sponsoren in der Hinterhand. Verloren hat sie gegen Trump trotzdem. Es gibt viele in der Demokratischen Partei, die sicher sind, dass Biden gewonnen hätte. Der Altstar ist beliebt, sogar bei den Republikanern. Viele von ihnen, die mit Trumps ruppiger Art fremdeln, könnten sich mit einem Präsidenten Biden anfreunden.
In seiner eigenen Partei sieht es anders aus. Der Stachel, dass mit Hillary Clinton eine Vertreterin des Establishments gegen Trump verlor, sitzt tief. Zudem ist die Partei in der Opposition nach links gerückt. „Jeder Kandidat wird nach seiner Vergangenheit bewertet. Entscheidend aber ist, wofür man in der Zukunft stehen will“, sagt Mary Anne Marsh, Wahlkampfstrategin für die Demokraten, vielsagend.
Aber wer könnte die Zukunft vertreten? Die „No Names“, mit denen sich Obamas Spender getroffen haben? Oder doch die linke Juristin Elizabeth Warren, die gemäßigte Kirsten Gillibrand, der jugendliche Latino Julian Castro oder die Außenseiterin Tulsi Gabbard, die ebenfalls Ambitionen angemeldet haben. „Die Energie der Partei fließt in Frauen mit diversem Hintergrund, die schon bei den Midterms für eine blaue Welle sorgten. Dieses Potenzial will man auch für 2020 nutzen“, sagte Strategin Marsh gegenüber dem „Handelsblatt“.
Und was will Obama? Einiges deutet darauf hin, dass Senkrechtstarter Castro sein Mann werden könnte. Der 44-Jährige ist studierter Jurist und war von 2014 bis 2017 Wohnungsbau- und Stadtentwicklungsminister im Kabinett Obamas.
Ebenfalls Chancen könnte der 55-jährige John Delaney haben. Er vertrat von 2013 bis 2019 den US-Bundesstaat Maryland im US-Repräsentantenhaus und galt mit einem geschätzten Vermögen von 92 Millionen US-Dollar als der reichste demokratische Kongressabgeordnete, ein nicht unerheblicher Faktor im US-Wahlkampf. Auch Eric Garcetti, Bürgermeister von Los Angeles, wird genannt.
Am Ende könnten es knapp 20 Bewerber werden, schätzen US-Medien. 2016 waren es nur fünf. Damals hatte Obama Clintons Kandidatur unterstützt. Hillary und ihr Mann Bill spielen bei der Auswahl keine Rolle mehr. Auch wenn sie neulich mit einer Kandidatur kokettierte und erklärte, sie „wäre gerne Präsidentin“. Ihr schwacher Wahlkampf habe Trumps Sieg erst ermöglicht, sagen dagegen führende Demokraten. Und so warten alle auf einen Hinweis von Obama.
Doch zusätzliche Gefahr droht möglicherweise noch von anderer Seite. Der Linksradikale Bernie Sanders will es offenbar noch einmal wissen. Der parteilose Senator hatte sich bereits um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten für die Wahl 2016 beworben und dabei Hillary Clinton das Leben schwer gemacht.    
    Peter Entinger


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.