Sägen am eigenen Ast

Dramatische Folge der US-Haushaltslage: Schulen entlassen massenhaft Lehrer und streichen wichtige Fächer

04.12.12
250000 Lehrer in drei Jahren entlassen: Als Folge werden Klassen zusammengelegt .Bild: imago

Schulen und andere Bildungseinrichtungen in den USA haben als Folge der Wirtschaftskrise und der damit verbundenen miserablen Haushaltslage der meisten Bundesstaaten und Kommunen mit die folgenschwersten und schmerzhaftesten finanziellen Einschnitte durchleben müssen. Als Folge dürften den USA in den nächsten Jahren die qualifizierten Fachkräfte ausgehen.

„In diesem Jahr werden in ganz Amerika zehntausende Lehrer weniger ihre Klassen betreten“, warnte Präsident Barack Obama im August vor Beginn des neuen Schuljahres. „Allein in Pennsylvania haben wir 9000 Lehrer weniger in den Schulen als vor einem Jahr. In Ohio sind es fast 7000. Und landesweit haben die Schuldistrikte in den letzten drei Jahren über 250000 Lehrer entlassen müssen. Man muss darüber nachdenken, was das für unser Land bedeutet“, so der Präsident weiter. Zu einer Zeit, in welcher der Rest der Welt versuche, die Vereinigten Staaten in Erziehung und Bildung zu übertrumpfen, würden die USA ihre Kinder in überfüllte Klassen stecken, wichtige Fächer wie  Kunst und Musik sowie sogar Physik und Mathematik reduzieren oder ganz vom Stundenplan streichen. Zudem würden Vorschulen und Kindergärten geschlossen und das Schuljahr würde verkürzt. „Das ist das Gegenteil von dem, was wir als Nation tun sollten“, meinte Obama.
Der Präsident, der am eigenen Beispiel den Wert einer exzellenten Ausbildung für Erfolg im Leben erfahren hat, legte im Frühjahr dem Kongress einen Plan vor, der Mittel für eine weitgehende Reform des Schulsystems vorsieht. Nach dem Plan würde Washington den klammen Bundesstaaten 25 Milliarden US-Dollar bereitstellen, um vor allem die Entlassung von Lehrern  und anderem Schulpersonal landesweit zu stoppen, entlassenen Lehrern die Chance einer Wiedereinstellung zu geben und die Reduzierung wichtigster Lehrfächer zu verhindern. Der Kongress  lehnte mit republikanischer Mehrheit ab und nahm stattdessen einen eigenen Budget-Plan an, in dem sogar weitgehende Kürzungen bei der Ausbildung enthalten sind. „Das ist falsch“, so der Präsident. „Das ist ein Rückschritt. Das investiert nicht in unsere Zukunft, das untergräbt sie.“ Jetzt, nach seiner Wiederwahl, hat Obama die Möglichkeit, seinen Worten Taten folgen zu lassen.
In Kalifornien, das heute 31000 Lehrer weniger beschäftigt als vor drei Jahren, hat Obamas Wiederwahl den Schulen und Universitäten Hoffnung gegeben. Im März hatten die Schuldistrikte noch 20000 „Pink Slips“ verschickt: Ankündigungen einer möglichen Entlassung, um die betroffenen Lehrer vorzubereiten. 9500 davon allein in Los Angeles. Mike Newman, 54 Jahre, ist einer von ihnen. „Aha, da ist es wieder“, hatte er geseufzt, als er zum dritten Mal die rosa Notiz in seinem Briefkasten fand. Er legte wie zuvor Widerspruch ein und behielt seinen Job. Denn über die endgültige Zahl der Entlassungen entscheidet das jährliche Haushalts-Budget. Kalifornien entlässt nach Dienstalter zuerst die jungen Lehrer. Dramatische Situationen erleben auch die Studenten der Community Colleges (zweijährige statt der staatlichen vierjährigen Unis). Nach Millionen-Kürzungen wurden ganze Studienfächer wie Mathematik gestrichen. Viele Studenten müssen mit Bussen oder Autos täglich bis zu 70 Kilometer in verschiedene Colleges fahren, um ihre Fächer zu studieren. 
Um die katastrophale Situation in seinem Staat zu beenden, hatte der kalifornische Gouverneur Jerry Brown seine Initiative „Proposition 30“ den Wählern zur Entscheidung vorgelegt. Danach sollen geringe Erhöhungen der Verkaufssteuer (ein Viertel Cent je Dollar) sowie der Einkommensteuer von Einzelpersonen mit über 250000 US-Dollar Einkommen im Jahr und Familien mit über 500000 US-Dollar dem Staat Kalifornien pro Jahr sechs Milliarden einbringen. Diese sollen zum größten Teil in die Schulen und Universitäten fließen. Die „Prop 30“ wurde angenommen – mit entscheidender Hilfe der jungen Wähler! Daraufhin zogen die Universitäten jetzt die erneut geplante Erhöhung der Studiengebühren zurück, gegen die die Studenten leidenschaftlich protestiert hatten (um 20 Prozent im Jahr, im Durchschnitt 2400 US-Dollar). Die Schließung einiger Schulen wurde erst einmal ebenso gestoppt wie die geplanten Zusammenlegungen von Klassen auf bis zu 60 Schüler. Entlassene Lehrer hoffen auf Wiedereinstellung. Jeder wartet ab und hofft. „Es ist für die Lehrer unglaublich schwer, in dieser Zeit der Unsicherheit noch die Energie aufzubringen, die wir in den Klassen brauchen“, sagt Veronica Melvin, Direktorin von „LA’s Promise“, dem drei Schulen unterstehen. „Und dabei ist es, wie der Präsident sagt: Wenn wir wollen, dass die USA die Führungsmacht im 21. Jahrhundert bleibt, dann ist nichts wichtiger als jedem Bürger die bestmögliche Erziehung und Ausbildung zu geben – vom ersten Tag in der Vorschule bis zum Start seiner Karriere.“  Liselotte Millauer


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Kommentare

sitra achra:
10.12.2012, 23:18 Uhr

Die Linken sind politische Geisterfahrer.
Sie wollen die gesamte Gesellschaft in ihren Untergang mitnehmen.


Gernot Schmidt:
6.12.2012, 11:08 Uhr

Warum in die Ferne schweifen? Derzeit "saniert" die rot/grüne Landesregierung in Nordrhein-Westfalen ihren Haushalt auf dem Rücken unserer Kinder und damit unser aller Zukunft. Nicht nur, dass durch - sicherlich in einigen Fällen notwendige - Grundschulschließungen Klassenstärken und Lehrer/Schüler Verhältnisse wie zu besten Babyboomerzeiten erreicht werden. Nein, auch die gesetzlichen Vorgaben bezüglich zusätzlicher Lehrer für das "inklusive Schulsystem" werden nicht eingehalten. Gravierend werden die Folgen der Abschaffung der Vorschulen sein, die für gleiche Startchancen behinderter, migranischer und Kinder aus bildungsfernen Schichten gesorgt hat. Die Forderung an die Politiker müsste sein: Lest das Buch von Buschkowsky; denn bald ist Neukölln auch in Köln, Dortmund, Münster...


Lib Ertär:
5.12.2012, 07:48 Uhr

Immer höhere Kosten, immer geringere Qualität. Das sind eben die Folgen, die jedes planwirtschaftliche System ereilen, ob nun Gesundheitsversorgung, Bildungssystem oder ganze Volkswirtschaften. Gäbe es einen freien Markt (der die USA ja erst groß gemacht hat), dem der Staat mit seinen "kostenlosen" überteuerten Zwangs-Bildungseinrichtungen nicht sämtlichen Umsatz abzieht, wäre das Bildungssystem günstiger und besser, weil im Wettbewerb stehend, keine staatl. Misswirtschaft und Vielfalt.
Es ist schon lustig. Wo China aufgrund seiner Liberalisierung seinen Wohlstand und seine Macht immer mehr steigert, gehen wir im Westen den umgekehrten Weg und suchen unser Heil im Sozialismus, den wir ja während des kalten Krieges noch wie den Teufel bekämpft haben.
In Deutschland (und der EU) sind wir jedenfalls dem Sozialismus mittlerweile näher, als der Marktwirtschaft bzw. dem Kapitalismus. Letzteres bedeutet nämlich vor allem konsequentes Eigentumsrecht, sprich: Ich darf selbst über mein Gehalt verfügen. Und in Deutschland dürfen wir eben nur zu ca. 30% über unser Gehalt verfügen, den Rest bekommt der Staat, wie hier sehr anschaulich gezeigt wird: http://sachsen-anhalt.parteidervernunft.de/ihre-skandal-se-abgabenlast


Klaus Marx:
4.12.2012, 22:53 Uhr

J. K.:
4.12.2012, 15:58 Uhr

Man soll sich fragen, wieviel Geld pro Schüler gab der Staat aus noch während der Fünfziger und Sechziger Jahren - Zeiten als noch die Jugend Amerikas wirklich eine gute Schülung bekamen und gute akademische Leistungen vorweisen konnten. Seitdem schossen die Ausgaben in die Höhe, jedoch wurde der Bildungsstand immer schlechter. Noch heute wird sehr hohe Summen ausgegeben, das Geld hilft nichts. Dabei sind einiges zu merken: die Verwaltung ist sehr groß geworden und frisst den großen Teil des Budgets auf - immer weniger Geld für die direkte Anwendung bei den Studenten, immer von der Verwaltung verschlungen.

Man soll sich auch vergewissern, und besonders im Falle Kaliforniens, die Herkunft der Schüler heute ganz anders sind als vor einige Jahrzenten. In Kalifornien sind weiße, also Kinder europäischer Herkunft, in der Minderheit, und besonders in den Schulbezirken wo es am Schlimmsten geht, sind die Schüler fast ausschließlich "mit Migrationshintergrund." Die haben im Durchschnitt IQ um 15 Punkte weniger, und viele können kaum Englisch sprechen.

Politik hat also Konsequenzen. Jahrzente Gutmenschenpolitik hat Amerika, und insbesondere Kalifornien, am Rande des Abgrundes gebracht. Dieses Märchen vom Herrn Obama ist zum lachen - Geld wird dieses Problem nicht lösen, mehr Geld für das marode Schulwesen heißt nur dem Mittelstand weiter belasten nur um seine politische Verbündeten noch mehr zu bereichern. Die Demokraten (und viele Republikaner auch) wollten die Bevölkerung der USA für Drittweltmenschen austauschen, nun haben sie den Tat vollbracht und in diesem Beispiel sehen wir lediglich Drittweltbildungsniveau.


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