Salvini fühlt sich bestätigt

Asylsucher der »U. Diciotti« zu großen Teilen untergetaucht

25.09.18

Das Mehrzweckschiff der italienischen Küstenwache „U. Diciotti“ (CP 941)  war am 20. August mit 177 aus dem Mittelmeer vor der Küste Libyens geborgenen Immigranten in den Hafen von Catania auf Sizilien gelangt. Italiens Innenminister Matteo Salvini weigerte sich anfänglich, neben Minderjährigen und medizinischen Notfällen auch die übrigen Passagiere von Bord zu lassen. Erst nach zehn Tagen stimmte er Angeboten der katholischen Kirche sowie Albaniens und Irlands zu, die verbliebenen Immigranten aufzunehmen. Nach nur wenigen Tagen waren die meisten der 100 in Italien untergekommenen zumeist aus Eritrea stammenden Asylsucher bereits aus ihren Betreuungseinrichtungen verschwunden.
Die Italienische Bischofskonferenz (CEI) bezeichnete das Untertauchen der Immigranten als „Unklugheit“. Der Vorsitzende der CEI, Kardinal Gualtiero Bassetti, erklärte, dass er die Entscheidung der Immigranten weiterzuwandern respektiere, auch wenn er sie „in Teilen für absurd“ halte.
Die katholische Kirche in Italien hatte sich bei der Regierung dafür eingesetzt, die Menschen von der „U. Diciotti“ an Land zu lassen, und auch 100 der ursprünglich 177 Personen in kirchlichen Einrichtungen aufgenommen. Für die Kirche handelte es sich bei den Immigranten um freie Personen. Sie polizeilich bewachen zu lassen, hätte bedeutet, sie unter den gleichen Bedingungen zu halten wie auf der „U. Diciotti“, sagte der Kardinal.
Hinsichtlich der Entscheidung, sie vom Schiff zu holen, habe die Kirche sich „nichts vorzuwerfen“, fügte der Kardinal hinzu. Er fürchte nur, dass die Untergetauchten Augenwischereien zum Opfer fielen oder in der kirchlichen Einrichtung unter kriminellen Einfluss geraten seien. „Sie sind nicht gekommen, um in Italien zu bleiben“, sagte Kardinal Bassetti. Die Menschen wollten ihren Träumen folgen. Wohin diese Träume führen, sagte der Kardinal nicht.
Erst einen Tag vor dem Verschwinden der Gruppe hatte der persönliche Beauftragte des Papstes für Sozialhilfe, Kardinal Konrad Krajewski, das kirchliche Aufnahmezentrum in Rocco di Papa besucht, wo sich die letzten verbliebenen Immigranten der „U. Diciotti“ befinden. Es ist damit zu rechnen, dass diese auch bald verschwinden werden. Bei der Kirche können sie keinen Asylantrag stellen.
Was aus den Immigranten geworden ist, die angeblich in Albanien Unterkunft gefunden haben, ist nicht bekannt. Sie werden sich wohl ebenfalls so schnell wie möglich dem Heer der Asylsuchenden anschließen, die aus diesem Land immer noch „verschwinden“.
Die italienische Regierung sieht in dem Verwinden der angeblich Schutzbedürftigen den klaren Beweis, dass diese gar nicht schutzbedürftig gewesen seien, und fühlt sich somit in ihrer Politik der verschlossenen Häfen bestärkt. Nach Angaben des italienischen Innenministers ist das Untertauchen der Asylsucher von der „U. Diciotti“ der Beweis, dass „diejenigen, die in Italien ankommen, keine Skelette sind, die vor Krieg und Hunger fliehen“. Die Asylsucher hätten „so sehr Bedarf an Schutz, einem Dach über dem Kopf und einer Decke gehabt, dass sie beim erstbesten Moment entschieden, zu gehen und zu verschwinden“, schrieb Innenminister Salvini über Twitter.    B.B.


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