Schnell das Volk entmachten

Die Wahl in Italien dürfte Folgen für die Demokratie in Europa haben

27.02.13
Sein Albtraum ist wahr geworden: Mit Entsetzen reagierte EU-Kommissions-Präsident Barroso auf das Wahlergebnis in Italien

Nicht nur aus Sicht der deutschen Medien haben die Italiener falsch gewählt. Doch irren die Südländer wirklich vollkommen?

Das Entsetzen sitzt tief: Mit Beppe Grillo und Silvio Berlusconi hätten die Italiener den „Populismus, das Geschrei und die Lüge gewählt“, schimpft die „Süddeutsche Zeitung“. Die Nachbarn hätten die „Realität geleugnet“. Die „FAZ“ nimmt erschüttert zur Kenntnis, dass sich die Römer „voller Verachtung von der gesamten politischen Klasse des Landes abgewandt haben“.
Und warum? Weil, wie der „Spiegel“ ungläubig und voller Herablassung über die Anhänger von Beppe Grillo schreibt, „die glauben, dass Politik und Banken, Justiz und Unternehmen, die Bürgermeister und die Presse, kurz das gesamte Establishment, sich gemeinsam verschworen hat: gegen das Volk, die Kleinen, die Jungen“.
Indes, für diesen Verdacht gibt es, auch in Deutschland, zumindest Anhaltspunkte. Während im Volk von Anfang an größte Vorbehalte gegen das Euro-Projekt herrschten, fanden diese Bedenken weder in der Politik noch in den großen Leitmedien jemals angemessenen Widerhall. Deutsche Verfassungsrichter haben bislang alle Rechtsbrüche letztlich durchgewinkt. Die Sparer und Steuerzahler sollen bluten, um die Finanzindustrie vor den Folgen ihrer selbstgemachten Fehler zu retten, ja, um sicherzustellen, dass der Milliardenzirkus unvermindert weitergehen kann. Dass ein Volk, vielleicht nicht zuerst die gutgläubigen Deutschen, eher schon die traditionell staatskritischen Italiener, angesichts dessen auf die Idee kommen könnte, einem Komplott ausgeliefert zu sein, darf eigentlich nicht überraschen.
Die Regierung von Mario Monti, dem ehemaligen Goldman-Sachs-Banker, war der Versuch, einer Nation ein Technokratenkabinett vorzusetzen, das tut, was Finanzindustrie und EU-Führung verlangen. Es hätte ein Modell werden können. Eines, das jedem Angst machen muss, dem an der Demokratie gelegen ist. Dieses Modell wurde von den Italienern gestürzt.
Wer jedoch jetzt bereits erleichtert davon spricht, dass der Marsch in den scheindemokratischen Euro-Zentralismus, in die Herrschaft der Brüsseler Lobbyisten, Banker und Technokraten gestoppt sei, der dürfte sich zu früh freuen. „Nun erst recht!“ war bislang stets die Antwort des Euro-Establishments auf Widerspruch aus einem Volk. Für gewöhnlich ließ man solange abstimmen, bis das Volk parierte.
Die Lehre des Euro-Establishments aus dem römischen Desaster wird sein, die nationalen Parlamente nur um so schneller und gründlicher zu entmachten, damit „Fehlentscheidungen“ von Nationen, welche „Populisten“ wählen, möglichst kaum noch Einfluss auf den Gang der Dinge haben. Die Frage wird sein, ob Politik und Finanzindustrie damit durchkommen. Das hängt davon ab, ob sich die Völker ihre Entmachtung gefallen lassen. Hans Heckel


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Kommentare

Johanna Nahrun:
3.03.2013, 21:57 Uhr

ENDLICH mal eine Zeitung, die nicht dem mainstream folgt und Klartext redet. Chapeau! Auf sowas wartet der politisch Denkende und frustrierte Bürger schon lange.
macht weiter so!!
Danke !!!


Melanie Gatzke:
3.03.2013, 08:01 Uhr

@Peter Schuhmacher
Warum sehen das nur sowenige so klar, wie sie es sehr treffend in ihrem Beirag beschrieben haben.

Wir werden tatsächlich wie eine Schafherde durch die Zeit getrieben, die Politiker machen alles mit, das Volk duckt und wählt weiter die eigenen Vernichter..
Was immer man vor hat, so werden wir nicht mehr
lange weiter als freie Nation existieren. Die Schlinge zieht sich weiter zu, die EU Seilschaften übernehmen das Kommando überall. Man fragt sich, warum die deutsche Regierung das alles so mitmacht, Deutschland in den Ruin treibt. Können sie nicht, oder wollen sie nicht ?
Bald könnte es heissen:
Es war einmal........


bernd steinert:
2.03.2013, 19:59 Uhr

Pof.Hankel, Dr.Henkel, Prof. Schachtschneider und viele andere namhafte Leute, die Deutschlands souveränität retten wollen sind dabei eine Partei zu gründen, die politik für die deutschen Bürger macht!! Unbedingt weitersagen und bei nächster Wahl wählen!! http://www.wa2013.de/index.php?id=198


der jürgen:
2.03.2013, 17:14 Uhr

Zitat

und hier einer Alternativen Partei gleich mindestens 35 % verschaffen

Zitat Ende

Die Frage ist nur welche Partei das hier in Deutschland ist die man wählen kann um was zu ändern??


Horst Breuling:
1.03.2013, 16:42 Uhr

So, alles schön und gut! Und was wählen wir Deutsche im Herbst?
Wo ist unsere Opposition?
Wer ist auf der Seite der Mehrheit?


steuerzahlender Bürger:
28.02.2013, 21:37 Uhr

"Die „FAZ“ nimmt erschüttert zur Kenntnis, dass sich die Römer „voller Verachtung von der gesamten politischen Klasse des Landes abgewandt haben“."

Das es einem gleichgeschaltetem Medium wie der FAZ nicht gefällt,das der Bürger offen seine Abscheu gegenüber der politischen Zwangs-EU zeigt,ist klar.Der Bürger steuert nämlich nicht die Meinungsbildenden Aussagen dieser Presseorgane,sondern die "Eliten",die uns das alles aufbürden.Und dass sich die Römer „voller Verachtung" von der gesamten politischen Klasse des Landes abgewandt haben,ist ja wohl mehr als Verständlich.Nur das BungaBunga als in Italien Mitverantwortlicher für dieses Debakel auch nur eine Stimme erhalten hat,ist völlig unverständlich.

http://brdakut.wordpress.com/


Jürgen Justavitz:
28.02.2013, 15:26 Uhr

Das Volk entmachten, das würde den Faschisten so passen...
Diese Arschlcher!
Wegen denen haben wir doch erst diese scheiß Krise, warum wir nicht vereinzelnt Banken kaputt gehen lassen, verstehe ich nicht!
Dann würden die auch mal merken, wie es ist Arbeitslos zu sein!

Es kann nicht angehen, das die Bürger entmachtet werden sollen! Leben wir hier auf ein Scheißhaufen oder in einem Staat!
Sowas wie die BRD kann niemand wollen, dann würden wir ja all unsere rechte aufgeben, was den vielen noch gar nicht bewußt ist!
Ein Leben ohne Rechte und ohne Staatsbürgerschaft ist doch scheiße! Wenn keine Rahmenbedingungen da sind, wird doch gemacht was die Wirtschaft will, und dann gnade dem Bürger Gott! Dann sind wir wirklich nur noch Sklaven!

Es Grüßt


W. Oeconomicus:
28.02.2013, 06:13 Uhr

“Ha, ha said the Clown!”

Was soll man davon halten, wenn ein überheblicher Polit-Schnurgel nach eigenem Bekunden “Klartext” redet und dabei wüste Beleidigungen gegenüber den Wahlgewinnern in Italien von sich gibt?

[...]

http://oconomicus.wordpress.com/2013/02/27/ha-ha-said-the-clown/


egon sunsamu:
27.02.2013, 21:09 Uhr

Den Gesichtsausdruck wie auf dem Foto will ich von Genosse Barroso täglich sehen, bis er abtritt. Und mit ihm der gesamte Zentralrat der EUdSSR....


Maria-Anna Konietzko:
27.02.2013, 18:26 Uhr

Und leider glaube ich, daß sich das deutsche Volk seine Entmachtung gefallen lassen wird. Seit Jahrzehnten schon werden unsere Kinder in Schulen, in Jugendorganisationen der Parteien, von Medien und leider auch von den eigenen Eltern dahingehend indoktriniert, daß der "Vaterunserstaat" alles gut und besser regelt, für soziale Gerechtigkeit sorgt, für Solidarität, Gleichstellung, Umwelt- und Klimaschutz und ohne sein gütiges regelndes Eingreifen Chaos, Krieg, Hunger und Elend ausbrechen würde. Dieser Gedankenkäfig ist so gefestigt, daß es für die wenigsten möglich ist, ihn zu sprengen und eigenständig darüber hinaus zu denken. Der deutsche Michel nimmt es als selbstverständlich hin, vom Staat und seinen Bediensteten durchs Leben gegängelt zu werden, er stellt staatliche Institutionen nicht in Frage und glaubt, der Staat schütze (und müsse dies auch tun) den schwachen Bürger vor fast aller Unbill des Lebens, man müsse nur auf ihn hören (und natürlich richtig wählen)!

So hoffe ich auf die Aufmüpfigkeit von Ländern wie Italien und England um wenigstens der EU-Diktatur zu entkommen (wenn schon nicht der staatlichen Rundumgängelung)!


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