Sehr einseitige Studie

01.01.20

Systematische Vertreibungen bestimmter Volksgruppen aus ihren angestammten Siedlungsgebieten habe es nicht nur zum Ende des Zweiten Weltkrieges oder später auf dem Balkan gegeben, sondern auch im „Heili-gen Land“ vor und nach der Gründung des Staates Israel. Diese These vertritt der israelische Historiker Ilan Pappe in seiner Studie „Die ethnische Säuberung Palästinas“.
Allerdings tut er dies auf einseitige Weise, indem er das angeblich planvolle Vorgehen der jüdischen Seite in den schwärzesten Farben zeichnet und die parallelen Gewalttaten der oftmals freiwillig in die Länder ihrer arabisch-muslimischen Gesinnungsgenossen übergewechselten und eben nicht „vertriebenen“ Palästinenser verharmlost. Darüber hinaus stützt Pappe seine Vorwürfe auf Quellen, die er keineswegs so exakt angibt, wie es angesichts des hochbrisanten Themas angebracht wäre – manche Kritiker wie sein Landsmann Benny Morris bezeichnen ihn deshalb als Lügner. Aufgrund dieser inhaltlichen „Schlagseite“ des Buches in Verbindung mit methodischen Mängeln verwundert es wenig, dass das für antiisraelische Propaganda bekannte Palästinakomitee Stuttgart Mitinhaber der Rechte an der deutschen Ausgabe ist. W. K.

Ilan Pappe: „Die ethnische Säuberung Palästinas“, Westend 2019, broschiert,
416 Seiten, 20 Euro


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Kommentare

Ansgar Grauwind:
4.01.2020, 17:24 Uhr

Herr Pappe verschweigt zwei für den Nachvollzug des historischen Gesamtgeschehens relevante Tatsachen: 1. die bereits im Jahre 1923 vorgenommene Teilung des britischen Mandatsgebiet Palästina in eine nationale Heimstätte für das jüdische Volk (Cisjordanien) und eine solche für das arabische Volk (Transjordanien) und 2. die Erfindung eines palästinensischen Volkes durch primär religiös-traditionell und/oder panarabisch gesinnte und eine jüdische Eigenstaatlichkeit vehement verweigernde Machthaber und Diktatoren in den arabischen Ländern. Die jüdischen Nationalisten (Zionisten) wandten brutale Gewalt an, weil sie unter dem Eindruck des Holocausts und der damit einhergegangenen Bestätigung der Interpretation der Judenfrage als nationale Frage (die Juden als Volk ohne einen eigenen Staat) in der Gründung eines jüdischen Staates die einzige Garantie für das physische und kulturelle Überleben ihres Volkes sahen und ein Leben als (diskriminierte) Minderheit in einem mehrheitlich von Muslimen bewohnten Staat strikt ablehnten.


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