Seine Friedenspläne kosteten ihn das Leben

Vor 70 Jahren ermordeten jüdische Terroristen den UN-Vermittler für Palästina, Folke Bernadotte

24.09.18
Eine gute Woche vor seiner Ermordung bei einem Besuch des israelischen Außenministers Mosche Scharet (r.) in Tel Aviv: Folke Bernadotte Bild: National Photo Collection of Israel

Mit der Ermordung des UN-Vermittlers in Palästina, Folke Bernadotte, versuchten jüdische Terroristen, eine Friedensregelung zu verhindern, die den Interessen nicht nur Israels, sondern auch der Araber entsprach. Die Auswirkungen dieser Tat sind bis heute zu spüren.

Als Enkel des damaligen schwedischen und norwegischen Königs, Oskar II., standen dem am 2. Januar 1895 in Stockholm geborenen Folke Bernadotte Graf von Wisborg viele Karrierewege offen. Er entschied sich zunächst für eine Laufbahn als Kavallerieoffizier. Anschließend wirkte der Major a. D. als schwedischer Generalkommissar auf der New Yorker Weltausstellung und Direktor der Pfadfinder-Organisation Sveriges Scoutförbund. Am 1. September 1943 wurde Bernadotte zudem Vizepräsident des Schwedischen Roten Kreuzes (Svenska Röda Korset, SRK). In dieser Eigenschaft kümmerte er sich zunächst um den Austausch von Kriegsgefangenen und reiste dann trotz des alliierten Bombenterrors im Frühjahr 1945 nach Deutschland. Dort führte er persönliche Verhandlungen mit dem Reichsführer SS, Heinrich Himmler. Diese führten zur Freilassung von insgesamt 21000 KZ-Insassen, die in weißen Bussen mit Rotkreuz-Emblem nach Schweden gebracht wurden – 8000 der Geretteten waren skandinavischer Herkunft, der Rest kam aus anderen europäischen Ländern, wobei etwa 5000 der Häftlinge Juden gewesen sein sollen.
Nach Kriegsende übernahm der Graf die Leitung der Hilfsmissionen des Schwedischen Roten Kreuzes in Deutschland, Österreich und einigen osteuropäischen Staaten und avancierte schließlich verdientermaßen zum Präsidenten des SRK sowie zum Vorsitzenden der Ständigen Kommission der Internationalen Rotkreuz- und Rot­halbmondbewegung. Aufgrund seiner inzwischen weltweiten Reputation wurde Bernadotte am 20. Mai 1948 zum ersten Vermittler der Vereinten Nationen gewählt und nach Palästina entsandt. Dort sollte er in Umsetzung der UN-Resolution 186 vom 14. Mai für die Sicherheit der Zivilbevölkerung sowie der heiligen Stätten sorgen und eine Friedenslösung herbeiführen. Die Notwendigkeit dieses Einsatzes ergab sich aus dem Ausbruch eines Bürgerkrieges nach der Bekanntgabe des UN-Teilungsplanes für Palästina vom 29. November 1947 sowie dem Beginn des ersten arabisch-israelischen Krieges infolge der israelischen Unabhängigkeitserklärung vom 14. Mai 1948.
Zur Beendigung des Konfliktes, in dessen Verlauf rund 750000 palästinensische Araber flüchteten oder vertrieben wurden, während etwa ebenso viele Juden die umliegenden arabischen Staaten verlassen mussten und nach Israel strömten, legte Bernadotte am 28. Juni und 16. September 1948 zwei Vermittlungsvorschläge vor, die im Übrigen auch die Handschrift seines Stellvertreters, des schwarzen US-Diplomaten und Ex-Geheimdienstlers Ralph Bunche, trugen. Sie beinhalteten im Wesentlichen, die Existenz des jüdischen Staates Israel auf dem Boden des einstigen britischen Mandatsgebietes Palästina als Tatsache hinzunehmen, wohingegen dessen endgültige Grenzen und der Status von Jerusalem noch von den UN festgelegt werden müsste. Darüber hinaus stehe den palästinensischen Arabern das Recht auf Rückkehr in ihre Heimat sowie auf eine angemessene Entschädigung für etwaige Eigentumsverluste zu. Dazu schrieb der Graf wörtlich in seinem Bericht an die UN-Vollversammlung: „Es wäre ein Verstoß gegen die Prinzipien der elementaren Gerechtigkeit, wenn diesen unschuldigen Opfern des Konflikts das Recht verweigert würde, in ihre Heimat zurückzukehren, während jüdische Einwanderer nach Palästina fließen und zumindest die Gefahr einer dauerhaften Ersetzung der arabischen Flüchtlinge droht, die seit Jahrhunderten im Land verwurzelt sind.“ Die israelischen Verhandlungspartner Bernadottes zeigten allerdings keinerlei Bereitschaft, auf diese Vorschläge einzugehen – eine Haltung, die Israel bis heute nicht geändert hat.
Obwohl die israelische Regierung also hart blieb, fürchteten radikale Zionisten, Bernadotte werde sich am Ende durchsetzen. Deshalb beschloss die jüdische Terrorgruppe Lochamei Cherut Jisrael (Lechi) seine umgehende Liquidierung. Die konkrete Entscheidung hierzu trafen Icchak Jaziernicki alias Jitzchak Schamir, Israels Premierminister 1983, 1984 und 1986 bis 1992, Nathan Yellin-Mor alias Nathan Friedman und Israel Scheib alias Israel Eldad. Geleitet wurde das Attentat von Yehoshua Cohen, Yitzhak Ben-Moshe, Avraham Steinberg und Meshulam Makover.
Die Vierergruppe agierte am 17. September 1948 in israelischen Militäruniformen und errichtete im Jerusalemer Stadtviertel Katamon einen scheinbaren Kontrollposten, an dem die ungeschützte Wagenkolonne mit Bernadotte und dem Kommandeur des französischen Kontingents der UN-Friedensmission zur Überwachung des Waffenstillstands im Nahen Osten (UNTSO), Colonel André Serot, zum Halten gebracht wurde. Dann feuerte Cohen mit seiner vollautomatischen Hand­feu­erwaffe MP 40 durch ein Fenster der Chrysler-Limousine, in welcher der Graf und Serot saßen, und ermordete beide mit insgesamt 24 Schüssen, auch wenn der Fahrer des Wagens, US-Colonel Frank Begley, den Schützen unter Lebensgefahr zu entwaffnen versuchte. Danach entkamen die Attentäter, während man den UN-Vermittler eiligst in das Hadassah Mount Scopus Hospital brachte, wo er für tot erklärt wurde.
Die israelischen Behörden unternahmen keine sonderlichen Anstrengungen, um die Mörder von Bernadotte zu fassen oder wenigstens zu identifizieren. Daher konnte Cohen später zum Leibwächter und engstem Vertrauten von Ministerpräsident David Ben-Gurion aufsteigen. Seine Beteiligung an der Tat wurde erst 1977 publik, während die Mordwaffe sogar noch bis zum Februar 2018 unbeachtet in einer Asservatenkammer der israelischen Polizei schmorte.    Wolfgang Kaufmann


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Kommentare

Marcus Junge:
25.09.2018, 16:34 Uhr

Der Artikel ist aus mehreren Gründen sehr interessant:

"während etwa ebenso viele Juden die umliegenden arabischen Staaten verlassen mussten und nach Israel strömten"

Ansonsten liest man ja nur das Gejammer der Moslemfreunde, wegen der "Flüchtlinge", heute als "Palästinenser" verbrämt. Die sollen ja unbedingt zurückkehren dürfen, aber was ist dann mit den Juden und deren Nachkommen? Dürfen die auch in ihre "Heimat" zurück und wie lange würden die dann da wohl überleben?
Nicht das man auch einfach das anwenden könnte, was diese Araber-Freunde so gerne bei den deutschen Vertriebenen machen "Die mußten weg, um Platz für die Polen aus "Ost-Polen" zu schaffen. Ohne diese vielfach Lüge jetzt zu beleuchten, 750.000 Moslems sind raus aus Israel und dafür 750.000 Juden raus aus den Nachbarstaaten Israels, man hätte also die Araber einfach aufnehmen können.

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"Die israelischen Behörden unternahmen keine sonderlichen Anstrengungen, um die Mörder von Bernadotte zu fassen oder wenigstens zu identifizieren. Daher konnte Cohen später zum Leibwächter und engstem Vertrauten von Ministerpräsident David Ben-Gurion aufsteigen."

Die "einzige Demokratie" im Nahen Osten, wie man sie kennt und "liebt". In bekannter Tradition, wird folgenlos ermordet, wer den Zionisten nicht paßt und alle Welt schaut zu und klatscht Beifall.

Frage wen du nicht kritisieren kannst, derjenige herrscht über dich.


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