Sem Simkin ist tot

LO-Kulturpreisträger in Cranz beigesetzt

21.12.10

Er verstand sich als Brückenbauer zwischen den ehemaligen Bewohnern des Königsberger Gebietes und der heute dort ansässigen Bevölkerung. Zumindest in kultureller Hinsicht ist ihm dies gelungen. Sem Simkin, der für seine Verdienste um die Übertragung ostpreußischer Dichtung ins Russische auf dem Deutschlandtreffen der Landsmannschaft Ostpreußen 2005 den LO-Preis für Kultur erhielt, erlag in der Nacht zum 14. Dezember in Königsberg nach tapfer erduldetem Kampf einem Krebsleiden. Nur vier Tage zuvor, am 9. Dezember, war er 73 Jahre alt geworden. „Ich werde gesund“, sagte er jedes Mal, wenn ihn ein Mitarbeiter der „Komsomolskaja Prawda“ anrief. Freundlich und humorvoll beantwortete er die Fragen des Journalisten.
Simkin erblickte 1937 in Orenburg im Süd-Ural-Gebiet als Sohn einer Lehrerin und eines Arztes das Licht der Welt. In seiner Familie wurde viel gelesen. Die Welt der Literatur war ihm schon früh vertraut. Als 23-Jähriger trat er in Königsberg in die Hochschule der Fischindustrie ein. Als Seemann bereiste er die Weltmeere. Das Meer wurde ihm zum Symbol der Freiheit. Sem Simkin gelang es, den Beruf des Seemanns mit seiner Gabe zum Dichten zu verbinden. Sein erster Gedichtband erschien 1966. 1988 erhielt er die höchste Auszeichnung für angewandte Kunst im Königsberger Gebiet.
Neben seiner eigenen Dichtung hatte Simkin es sich zur Aufgabe gemacht, die Lyrik der in Ostpreußen beheimateten Dichter ins Russische zu übertragen, damit sie nicht in Vergessenheit gerieten und auch seine Landsleute davon erfahren konnten, wer einmal in ihrer Heimat zu Hause gewesen war. Obwohl Simkin selbst nicht Deutsch sprach, gelang es ihm, Gedichte von E.T.A. Hoffmann, Johann Gottfried Herder, Agnes Miegel, Ernst Wiechert, Johannes Bobrowski und anderen in erstaunlich guter Qualität nachzudichten. Zu den bedeutendsten Sammlungen von Gedichten deutscher Dichter gehören „Du mein einzig Licht ...« (1994) und acht Bände der Reihe „Ostpreußens Poesie“, in der auch zwei Gedichte Immanuel Kants zu finden sind.    

MRK


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Horst Dietrich:
25.12.2010, 04:49 Uhr

Schade, die aufrichtigen guten Freunde aus der Zeit kurz nach der Wende werden immer weniger, zu denen Sem Simkin genau so gehörte, wie Juri Ivanow und dessen übel umgebrachte liebe Frau. Vergessen wir das Vermächtnis dieser 3 Königsberger nicht, die mit ganzem Herzen eine Identifikation ihrer neuen Heimat in der Vergangenheit der geschundenen Stadt suchten. Pflegen wir Ostpreußen weiter die Kontakte zum Freundeskreis um die drei. Ich bin sicher, dort ist die Erinnerung an unsere Heimat besser bewahrt, als bei unseren eigenen Enkeln.


Harro Dr. Bebert:
22.12.2010, 11:52 Uhr

Die Würdigung gefällt mir! Mich verband seit einigen Jahren eine produktive Freundschaft zu Sem Simkin. Ich übersetzte Gedichte von ihm; er von mir...


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.