Sie verkörperte Deutschlands Tragödie

08.01.14

Jörg Kirschstein hat in „Kronprinzessin Cecilie. Die Bildbiografie der letzten deutschen Kronprinzessin“ deren Leben in beeindruckenden und zum Teil bisher unveröffentlichten Bildern dokumentiert. Betrachtet man ihr Geburtsjahr, 1886, so wünscht der Leser, man hätte die junge Cecilie zu Mecklenburg-Schwerin, die den Betrachter der Bilder so hoffnungsfroh entgegenlächelt, vor den bevorstehenden Ereignissen der kommenden Jahrzehnte warnen können.
Im Juni 1905 heiratete sie im großen Stil den preußischen Thronfolger Wilhelm. Dieser hatte zuvor ein Auge auf die großgewachsene schlanke Cecilie geworfen, als er ihrem Bruder im Juni 1904 im Namen seines Vaters Wilhelm II. ein Hochzeitsgeschenk überreicht hatte. Bereits im September 1904 folgte die Verlobung des Paares und sorgte für ein bis dahin ungekanntes Medieninteresse. Da zahlreiche Hoffotografen das junge Paar von nun an auf Schritt und Tritt begleiteten, darf der Leser in diesem Bildband viele schöne Fotos der jungen Adligen bewundern. Jung und vital lächeln beide in die Kamera, ein verliebtes, glück-liches Paar.
Die beliebte Kronprinzessin unternahm nach der Hochzeit viele Reisen und galt schon bald durch ihre aufwendigen Frisuren und die exquisiten Kleider als Modeikone, was sich anhand der Fotografien gut nachvollziehen lässt. Fließende Seide, durchscheinender Gazestoff, wertvolle Broschen und Colliers zieren die schlanke Gestalt der jungen Ehefrau. Schon ein Jahr nach der Hochzeit bekam Cecilie den erhofften Thronfolger, und wäre die Liebe des Kronprinzen und der Kronprinzessin ein Märchen gewesen, so hätte sich an dieser Stelle der Geschichte der Satz „und sie lebten glücklich bis an das Ende ihrer Tage“ befinden müssen.
Doch das Ende des Ersten Weltkrieges setzte dem Glück der Eheleute und der Monarchie im Deutschen Reich ein jähes Ende. Der Verlust an Prestige und Reichtum zog schwerwiegende Änderungen im Leben der jungen Kronprinzessin mit sich. Da Wilhelm mit seinem Vater ins niederländische Exil musste, Cecilie sich aber weigerte, Berlin zu verlassen, war sie mit ihren sechs Kindern – eines davon mit Down-Syndrom – auf sich allein gestellt. Die Bilder, welche Pressefotografen nach der Heimkehr des Kronprinzen 1923 von dem Paar machten, zeigen deutlich, dass die Eheleute sich entfremdet hatten. Während Wilhelm schlank, stolz und aufrecht wie eine junge Eiche posiert, wirkt die rundlich gewordene und recht altdamenhaft gekleidete Cecilie irgendwie fehl an seiner Seite. Die jugendliche Schönheit der Kronprinzessin war durch Sorgen und Ängste augenscheinlich verblüht.
Kirschstein berichtet in der Bildbiografie neutral über das Leben der letzten Kronprinzessin. Er selbst maßt sich keine Interpretationen an, überlässt dies dem Leser anhand der geschichtlichen Informationen und Eckdaten sowie der aussagekräftigen Fotografien. Der Leser kommt nicht umhin, Cecilie als tragische Figur zu betrachten, deren Schönheit und Glück viel zu schnell dahinschwanden. Doch hebt Kirschstein auch hervor, wie engagiert und couragiert sie stets handelte.
Betrachtet man das gesamte Leben der Kronprinzessin, so fällt auf, dass, obwohl der Kronprinz Cecilie über viele Jahre hinweg betrogen und mit anderen Frauen zusammengelebt hatte, sie erst kurz nach seinem Tod einen Schlaganfall erlitt und bald darauf 1954 verstarb, so, als wäre ihr Lebensmut, die Hoffnung und Sehnsucht nach Liebe, welche noch auf den Verlobungs- und Hochzeitsfotos aus ihren Augen strahlteb, erst mit dem Tod ihres Ehemannes endgültig erloschen.  
 Vanessa Ney

Jörg Kirschstein: „Kronprinzessin Cecilie. Die Bildbiografie der letzten deutschen Kronprinzessin“, be.bra Verlag, Berlin-Brandenburg, geb., 160 Seiten, 19,95 Euro

Jörg Kirschstein


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Kommentare

Hans-Jachim Nehring:
14.01.2014, 15:09 Uhr

Kronprinzessin Cecilie war Schirmherrin des 1923 gegründeten Bundes Königin Luise. Mit 200000 Mitgliedern war es eines der größten Frauenzusammenschlüsse der Weimarer Republik. Die dazu gehörende Kinderorganisation trug den Namen Kornblümchen. Gemeinsam trugen sie hellblaue Kleider mit weißem Kragen. Soviel Zeit muss sein, um darauf hinzuweisen.


Hans-Jachim Nehring:
8.01.2014, 19:23 Uhr

Einer Kronprinzessin wurde die Krone versagt. Kein Wunder, dass da selbst die schönste Blume zu welken beginnt. Heute fragt sich, ob denn der nachfolgende Nationalsozialismus und Realsozialismus tatsächlich besser, als die so schlecht gemachte Adelssippe waren.
Es will mir scheinen, wer den Adel aus der Welt schaffen will, schafft den letzten Rest von Poesie gleich mit ab.
Cecilie ist mir deshalb lieber als die vorgenannten Sozialisten, welche viel Leid über unser Land gebracht haben.


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