Sofas aus dem Zentrum

Möbelmärkte verlagern sich von grünen Wiesen in die Innenstädte

20.05.19

Der Chef des Online-Möbelhändlers „Home24“, Marc Appelhoff, sieht die Möbelbranche vor starken Veränderungen. Er erwarte ein „ausgeprägtes Möbelhaussterben“ auf der grünen Wiese, sagte Appelhoff in der „Welt am Sonntag“. Allen voran in Deutschland dünne die Branche aus, so der Manager. Als einen der Gründe führte der Onlinehändler an: „In den großen Städten haben viele Verbraucher ja nicht mal mehr ein Auto“.
Appelhoff wies ebenfalls auf die schwedische Möbelhauskette Ikea hin, die diesen Trend erkannt habe. Ikea gehe in die Innenstädte, wo auch „Home24“ einige „Show­rooms“ und „Outlets“ betreibt. Der Manager warnte zudem, dass viele Möbelhändler diesem Weg zurück in die Innenstädte gar nicht folgen könnten, weil sie beispielsweise „in teure Immobilien investiert haben, die noch nicht abgeschrieben sind“.
Auch Dennis Balslev, der Deutschlandchef von Ikea, hat sehr deutlich Zweifel am etablierten Konzept der Möbelhäuser auf der grünen Wiese geäußert. Gegenüber der „Welt“ sagte Balslev: „Die Zeit der großen Möbel-Paläste am Stadtrand ist vorbei.“
Hierzulande betreibt Ikea 53 Möbelhäuser. In Karlsruhe entsteht gerade Nummer 54. Ursprünglich angepeilt hatte der Möbelhauskonzern einmal 70 große Möbelhäuser. Ob diese Zahl tatsächlich erreicht wird, ist fraglich. Der Marktführer in Deutschland hat Pläne für mehrere Einrichtungshäuser wieder auf den Prüfstand gestellt. Statt der bisherigen Standardmärkte in dezentraler Lage will Ikea künftig individueller auf Standorte eingehen und auch verschiedene Formate entwickeln.
Johannes Ferber, bei Ikea Deutschland zuständig für Expansion und Immobilienentwicklung, kündigte an, dass neue Märkte des Möbelhändlers zukünftig vor allem in den Innenstädten und in Metropolregionen entstehen sollen. Ähnlich wie Appelhoff meint Ferber, dass die neuen Möbelmärkte auch für Kunden ohne eigenes Auto gut erreichbar sein müssen. Dabei sollen die neuen Märkte in Innenstadtlagen kleiner als die bisherigen ausfallen.
In Hamburg-Altona sammelt Ikea bereits seit dem Jahr 2014 Erfahrungen mit einer innerstädtischen Verkaufsrepräsentanz. Sogenannte Ikea-Stores ohne ein komplettes Warenlager, könnte es künftig auch in Fußgängerzonen, Warenhäusern oder in Einkaufszentren geben.
Der Umsatz der schwedischen Möbelhauskette lag im vergangenen Jahr bei 4,9 Milliarden Euro. Gut 30 Prozent vom Umsatz will Ikea über den Online-Möbelverkauf erzielen. Allerdings nimmt der Möbelverkauf über das Internet bei Ikea nur langsam Fahrt auf. Das Online-Geschäft hat bislang nur einen Umsatzanteil von etwa sechs Prozent. Das liegt zum einen an der Konkurrenz wie „Home24“. Auch die große Handelsplattform Amazon ist mittlerweile in den Onlinehandel mit Möbeln eingestiegen. Notwendig ist aber auch der Aufbau einer entsprechenden Logistik, um die über das Internet bestellten Möbel schnell an die Kunden ausliefern zu können.
Im neuen Ikea-Konzept werden daher zentrale Logistikzentren eine wichtige Rolle spielen. Diese Verteilzentren sollen eine direkte Belieferung der Kunden ermöglichen und kurze Lieferzeiten sicherstellen. Die Möbelhauskette will bereits mittelfristig sechs bis neun neue Verteilzentren in ganz Deutschland eröffnen.    N.H.


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