Später Gram der Ertappten

Das im Widerspruch zum Katholizismus stehende Verlagsgeschäft deutscher Bischöfe offenbart Dubioses

04.12.11
Ein guter Investor streut das Risiko: Wohl auch weil das „Kerngeschäft“ der katholischen Kirche ein wenig schwächelt, engagieren sich die Bischöfe auch im größten deutschen Buddhismus-Verlag. Bild: V. Hartmann/dapd

Nach wochenlangen skandalösen Schlagzeilen um das Erotik-Geschäft des „Weltbild“-Konzerns wollen sich die katholischen Bischöfe von Deutschlands größtem Buchhändler trennen. Zuletzt hatte sich sogar Papst Benedikt XVI. direkt in die Auseinandersetzung eingeschaltet. Doch noch ist das Problem nicht gelöst.

Wie ertappte Sünder gaben sich die katholischen Bischöfe nach ihrem Beschluss für den Ausstieg aus dem anstößigen Geschäft. Es seien ja nur „einige erotische Titel im Sortiment“  bei Weltbild und der Umsatz nur gering gewesen, hieß es beschönigend. Dabei fanden sich 2506 Artikel dieser Art – teilweise pornografischen Inhalts (FSK 18) – im Sortiment. Der „verzerrenden und unangemessenen Weise der publizistischen Auseinandersetzung namentlich in Medien, die der Kirche nahestehen“, gaben die Oberhirten die Schuld für den nun anstehenden Verkauf. Dem im Aufsichtsrat von „Weltbild“ sitzenden Eigentümervertreter, Pater Hans Langendörfer, zugleich Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz, sprachen die Bischöfe indes „mit Mehrheit“ das „uneingeschränkte Vertrauen“ aus. Dabei dürfte der Jesuit die Hauptverantwortung für das De-saster in dem Verlag tragen, der zu 100 Prozent zwölf katholischen Diözesen gehört.
Der Skandal kam nicht überraschend. Seit etwa zehn Jahren warnten engagierte Katholiken vor dem Geschäft mit Erotik und Gewaltverherrlichung. Im Jahr 2008 stellte Bernhard Müller, Inhaber und Chef des katholischen FE-Verlages, eine 70-seitige Dokumentation über das skandalöse Angebot bei „Weltbild“ zusammen und versandte sie allen bei „Weltbild“ beteiligten Bischöfen. Meist erhielt der Verlagschef keine und wenn überhaupt beschwichtigende Antworten. Von unvermeidlichem „Unkraut unter dem Weizen“ hieß es noch vor wenigen Tagen noch aus höchsten Kirchenkreisen in Deutschland. Der Konzern mit 6400 Mitarbeitern und 1,6 Milliarden Euro Jahresumsatz, in dem mehrere hundert Millionen Euro Kirchengeld stecken, sollte nicht gefährdet werden.
Den Stein ins Rollen brachte Papst Benedikt XVI. In seiner letzten Rede bei seinem Deutschland-Besuch im September kritisierte er im Freiburger Konzerthaus vor den versammelten Bischöfen mit ungewohnter Deutlichkeit die „Verweltlichung der Kirche“. Vor drei Wochen legte der Pontifex nach und sprach direkt das Erotik-Geschäft der Kirche an. Er forderte die Bischöfe auf, die „Verbreitung von Material erotischen oder pornografischen Inhalts, gerade auch über das Internet, energisch einzuschränken“. Der Kölner Erzbischof Joachim Kardinal Meisner forderte daraufhin als erster den Verkauf von „Weltbild“. Die Kirche dürfe nicht damit im Alltag Geld verdienen, wogegen sie am Sonntag predige.
Der Skandal bei „Weltbild“ ist für die Bischöfe aus mehreren Gründen besonders peinlich. Handelte es sich bei dem Missbrauchsskandal des Jahres 2010 um einige wenige Priester, deren Untaten zum Teil Jahrzehnte zurücklagen, geht es hier um die Bischöfe selbst und um ein aktuelles Problem. Medien kommentieren die „Causa Weltbild“ als Falle, in der die Bischöfe sitzen. Ob ein Verkauf tatsächlich möglich ist, gilt als offen. Den Bischöfen wird immerhin zugutegehalten, dass offenbar Kirchenfunktionäre und weltliche Manager ein für sie undurchsichtiges Spiel getrieben haben. Dass „Weltbild“ mit der „Verbreitung von Sexbüchern, Gewaltverherrlichung, Esoterik, Magie und Satanismus eine Menge Geld verdient“, wie in der Müller-Dokumentation steht, mochte zunächst keiner so recht glauben. Der „Weltbild“-Konzern argumentierte immer wieder, dass man „mit dem Markt mitschwimmen müsse“, wenn man Marktführer bleiben wolle. Dem setzten die Bischöfe offenbar keine Einigkeit und Entschlossenheit entgegen.
Nach dem Rücktritt des Aufsichtsratschefs von „Weltbild“, Klaus Donaubauer, steht nun Pater Hans Langendörfer besonders in der Kritik. Da der Jesuitenpater nicht nur Eigentümervertreter bei „Weltbild“, sondern zugleich Sekretär der Deutschen Bischofskonferenz und damit die rechte Hand des Vorsitzenden, Erzbischof Robert Zollitsch, ist, wird die Lage brisant. So wurde aufmerksam registriert, dass die Bischöfe dem Pater nur „mit Mehrheit“, also weder mit Einmütigkeit noch mit Einstimmigkeit, das „uneingeschränkte Vertrauen“ aussprachen. Der Rücktritt von Langendörfer wird allenthalben erwartet, womit auch Erzbischof Zollitsch schwer beschädigt wäre.
Viele Vorwürfe stehen noch im Raum, die mit der derzeitigen Verkaufsentscheidung nicht aus der Welt sind. Die katholische Kirche ist auch zu 50 Prozent am Verlag „Droemer Knaur“ oder am Esoterik-Verlag „Mens Sana“ oder dem Buddhismus-Verlag „O. W. Barth“ beteiligt. Auch der zu 100 Prozent im Kirchenbesitz befindlichen Marke „Jokers“ wird vorgeworfen, Porno-Literatur aktiv eingekauft und weiterverkauft zu haben. Teilweise wurde sogar kirchen- und christentumsfeindliche Literatur angeboten und damit an diesen Titeln kräftig mitverdient. Ob sich die Bischöfe dafür weithin von liberalen Medien für ihre „aufgeschlossene Haltung“ loben lassen wollen, ist bislang noch völlig ungeklärt. Hinrich E. Bues


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Kommentare

Jürg Walter Meyer:
4.12.2011, 17:23 Uhr

Erzbischof Zollitsch - wird er diesen Skandal überleben?
Ich hoffe nicht. Zollitsch ist - so meine Wahrnehmung - ein arroganter Kirchenfürst. Ich erinnere mich an sein anmaßendes, uneinsichtiges Verhalten als der Missbrauch von Kindern und Jugendlichen durch katholische Geistliche publik wurde.
Die deutsche katholische Bischofskonferenz in toto steht – einmal mehr – in schlechtem Licht: Avaritia (Habgier) ist eine der sieben Totsünden.


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