Spanische Verhältnisse drohen

Offenbar sitzt auch Frankreich auf riesiger Immobilienblase, die früher oder später platzen wird

17.05.12
Der Hausherr wechselt: Lange hat François Hollande (2.v.r.) um den Einzug in den Élysée-Palast gekämpft, doch schon schnell dürfte sich zeigen, dass ihm das Geld für die Realisierung seiner Wahlversprechen fehlt. Bild: pa

Noch stehen kostspielige Wahlversprechen oder die Ablehnung des EU-Fiskalpaktes im Vordergrund, wenn über die wirtschaftlichen Aussichten Frankreichs unter dem neuen sozialistischen Präsidenten François Holland diskutiert wird. Immer mehr Beobachter sehen allerdings eine weitere Gefahr: Frankreich könnte in den kommenden Jahren zum Zentrum einer gigantischen Immobilienkrise werden.

Behalten einige französische Ökonomen wie etwa der Generaldirektor der französischen Investmentgesellschaft Global Equities Marc Touati recht, dann bleiben dem neuen französischen Präsidenten nur wenige Wochen Zeit, um die internationalen Märkte zu überzeugen. Mit seiner Sorge, dass bereits im September die Zinsen für französische Staatsanleihen „durch die Decken gehen“, wenn Hollande nicht umgehend deutlich macht, dass Schulden eingedämmt und ein Sparkurs eingeschlagen wird, steht der Ökonom Touati auch in Frankreich nicht allein. Allerdings könnte das Land auch ohne weiteres Zutun des neuen sozialistischen Präsidenten in den nächsten Jahren zu einem Krisenherd in Europa werden. Nach dem Erreichen eines Allzeithochs im Herbst 2011 gilt der französische Immobilienmarkt im europäischen Vergleich inzwischen als der am stärksten überbewertete Markt. Weltweit gelten nur noch die Immobilienpreise in Hongkong und Australien als stärker von Fundamentaldaten abgekoppelt. Bereits seit einiger Zeit beschäftigen sich Bankanalysten, die französische Zentralbank, der Internationale Währungsfonds und die OECD mit den Gefahren, die von dem inzwischen erreichten Preisniveau auf dem französischen Immobilienmarkt ausgehen. Behalten etwa die Analysten der Danske Bank recht, dann könnten die Preisen in den nächsten Jahren zwischen zehn und 20 Prozent nachgeben. Als ein möglicher Auslöser für eine solche Entwicklung wird das Anheben der Leitzinsen der EZB gesehen, das eines Tages erfolgen könnte. Gleiches gilt allerdings auch, wenn an den Märkten bewusst wird, dass sich der französische Immobilienmarkt in einer ähnlichen fundamentalen Krise befinden wie etwa der spanische.
Noch skeptischer wird die Lage allerdings von der international tätigen Immobilienfirma PrimeView gesehen. Dort wird ein regelrechtes Platzen der Immobilienblase mit einer Gesamtkorrektur von 40 Prozent innerhalb der nächsten zehn Jahren erwartet. Nach Ansicht von PrimeView hat es seit dem Jahr 2000 eine regelrechte Explosion bei den Immobilienpreisen gegeben. Nimmt man das Jahr 1998 als Ausgangswert, dann sind die Preise inzwischen um 160 Prozent angezogen – die Einkommen allerdings nur um 35 Prozent. Neben den Übertreibungen in der Vergangenheit wird die demografische Entwicklung Frankreichs als zusätzliche Ursache für sinkende Preise gesehen. Betrachtet man die Zahlen, dann tritt die Gruppe derjenigen im Alter unter 58 Jahren maßgeblich als Käufer am Immobilienmarkt auf. Im höheren Alter überwiegen die Immobilienverkäufe. Unter dieser Prämisse bleibt die Gruppe der Käufer in den nächsten Jahren konstant bei etwa 33 Millionen Menschen, die Gruppe der Verkäufer wird allerdings alle zwei Jahre um 1,2 Millionen Menschen größer. Die Zunahme der Verkaufswilligen könnte eine unheilvolle Abwärtsspirale bei den Preisen in Gang setzen, die noch durch die künftigen Eigenkapitalregelungen für Banken im Rahmen der Basel-III-Vorgaben angeheizt werden dürfte. Befürchtet wird, dass Banken auch ihre Kreditvergabe für Immobilienkäufe spürbar zurückfahren, um die strengeren Auflagen zu erfüllen.
Bereits im Jahr 2011 Jahr hatte die Ratingagentur Moody’s vor möglichen Konsequenzen nachgebender Preise auf dem französischen Immobilienmarkt gewarnt. Während die französischen Banken eine moderate Preiskorrektur auf dem Immobilienmarkt noch verkraften könnten, würden auf weniger vorsichtige Darlehensgeber herbe Verluste zukommen. Die Folgen für Kreditgeber, falls die Preise nicht moderat, sondern massiv nachgeben, sind leicht vorstellbar. Auch für die meisten Eigentümer dürfte eine Preiskorrektur drastische Folgen haben. Immobilienbesitz hat in Frankreich einen Anteil von rund 65 Prozent am Vermögen der Privathaushalte. Die Vernichtung von Vermögenswerten würde die Möglichkeiten zur Kreditaufnahme vieler Hausbesitzer senken, und damit die Kaufbereitschaft in der konsumorientierten französischen Ökonomie erlahmen lassen. Sollten die momentan noch historisch niedrigen Zinsen wieder steigen, dann könnte sich das zu einem ausgewachsenen Debakel auswachsen. Denkbar ist eine Entwicklung wie in den USA und Spanien mit einer akuten mehrjährigen Krise auf dem Immobilienmarkt, die die übrige Wirtschaft mit abwärts zieht. Allerdings scheint selbst ein Szenario wie in Japan möglich: ein jahrzehntelanger schleichender Niedergang, an dessen Beginn das Platzen der japanischen Immobilienblase zu Anfang der 90er Jahre stand.    
Norman Hanert


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Kommentare

Hans Moeller:
22.05.2012, 00:37 Uhr

Mr. Holland wweiss was zu tun ist.
Eurobonds her, und das Problem ist geloest.


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