Spontanes kleines Pommerntreffen in Laboe - mit brasilianischem Touch

18.10.19
v.l. Manfred Pleger, Brigitte Stramm, Helmut Kirsch, Dr. Ivan Seibel vor dem Marine-Ehrenmal in Laboe (Foto: privat)

Anlässlich des Deutschlandbesuchs von Dr. Ivan Seibel aus dem Bundesstaat Rio Grande do Sul/Brasilien, dem Herausgeber der Internetzeitung „Folha Pomerana“, kam ein spontanes Treffen mit Helmut Kirsch, dem Mitarbeiter der Folha Pomerana in Deutschland, Manfred Pleger, Herausgeber des „Dai Schulteknüppel“ für den pommerschen Kreis Belgard-Schivelbein und Brigitte Stramm, Redakteurin der „Die Pommersche Zeitung“ in der Preußischen Allgemeinen Zeitung zustande. 

Manfred Pleger hatte zunächst nach Probsteierhagen in ein gemütliches Dorfcafé eingeladen. Rund um Pommern gibt es viel Gesprächsstoff. Es wurden vielfältige Themen angeschnitten, die sich zumeist darum drehten, das Interesse an der Heimat Pommern wachzuhalten. Dabei kam allerdings zutage, dass im Pommerschen Landesmuseum wohl leider kaum etwas über Hinterpommern zu finden ist. Das ist natürlich sehr schade, denn die gebürtigen Pommern und ihre Nachkommen sollten sich doch gerade dort umfassend informieren können.

Dr. Seibel erzählte seine persönliche Geschichte und berichtete von der Pommern-Arbeit in Brasilien. Wir erfuhren, dass es noch lange nach den Einwanderungen Dörfer gab, in denen ausschließlich deutsch gesprochen wurde. Erst Jahre später wurden die Menschen der portugiesischen Sprache mächtig. Die Pflege der Traditionen wird groß geschrieben, auch jetzt noch. Wobei das natürlich nicht für alle Einwohner der Provinzen Esperito Santo, Santa Catharina und Rio Grande do Sul gilt. 

Außer dem jährlich im Januar stattfindenen Folklore-Festival in Pomerode ist für den 28. bis 30. Mai 2020 ein Internationales Pommerntreffen ebenfalls in Pomerode, Bundesland Santa Catarina/Brasilien geplant. 

Es ist das 7. Treffen dieser Art, zu dem alle Nachkommen der brasilianischen Pomeranos und Gäste herzlich eingeladen sind. Das erste Treffen fand im Jahre 2011 in der Stadt São Lourenço do Sul, im südlichsten Bundesland Rio Grande do Sul statt. 

Dieses Treffen soll die Nachkommen der pommerschen Einwanderer verbinden, die durch die geografischen Gegebenheiten bis zu 3000 km voneinander getrennt leben. Dabei aufzeigen, welche Aktivitäten in den verschiedenen Regionen gegeben sind. 

Auf dem Programm stehen:
Die Rechte der Pomeranos, Sprache und Tradition. Es werden viele Vorträge stattfinden und Forschungsergebnisse zu verschiedenen Themen veröffentlicht werden. Den Abschluss wird ein Gottesdienst in Pommerschem Platt bilden.

Für Teilnehmer aus Deutschland kann als Empfehlung für den Aufenthalt in Pomerode das Hostel Stettin, Familie Strelow, Telefon  (47) 3387.0404, Mail hostelstettin@gmail.com gegeben werden.

Probleme in Deutschland, bedingt durch die unerbittlich tickende biologische Uhr, die dadurch abnehmende Zahl bei den Heimattreffen, damit auch verbunden die Zukunft der Heimatstuben, wurden eingehend diskutiert. Es kann und darf nicht sein, dass liebevoll gesammelte und bewahrte Exponate und Archivalien vernichtet werden oder bei Ebay landen. Wie berichtet wurde, nimmt das Pommersche Landesmuseum in Greifswald nur ganz spezielle Exponate an. Lösungen sind derzeit schwierig, aber trotzdem kamen Ideen auf, die evtl. zum Erfolg führen könnten. 

Bei der anschließenden Fahrt nach Laboe, dem Wohnort von Manfred Pleger, der übrigens von 1968 bis 1980 Bürgermeister der schönen Stadt an der Kieler Förde und Ostsee war, wurde natürlich dem Marine-Ehrenmal ein Besuch abgestattet. Wir wollten unbedingt die Bugzier der „Pommern“ sehen (siehe PZ Nr. 7/2019).

Das Schiff sank in der Skagerak-Schlacht am 1. Juni 1916. Uns wurde erzählt, dass die Bugzier überlebte, weil sie abgebaut wurde, um restauriert zu werden. Außerdem wurde sie im Krieg ohnehin nicht mitgeführt, da dieser Schmuck nur zu besonderen Gelegenheiten montiert wurde. Auch wir mussten uns leider davon überzeugen, dass eine Beschreibung dazu in der Halle fehlt. 

Ein ganz kleiner Teil der Ausstellungsfläche, dazu in einem kleinen Raum ganz am Ende der Ausstellung über die Marine ab 1945, wurde der Rettung der Flüchtlinge aus Ostpreußen über die Ostsee 1945 gewidmet. Man liest etwas über die Wilhelm Gustloff, von der auch ein Modell und ein Original-Bullauge ausgestellt ist – die herausragende Leistung der Kriegsmarine und die damit verbundenen Schicksale der heimatvertriebenen Menschen fanden wir nicht annähernd gewürdigt. 

Jedoch ist das Marineehrenmal unbedingt sehenswert und niemand sollte es vermissen, es sich bei einem Besuch in dem Ostseebad Laboe anzusehen.

Ein gemeinsames Essen beschloss einen interessanten und inspirierenden Tag, der, das Resümee kann ich jetzt schon ziehen, unsere verschiedenen Publikationen bereichern wird.

Brigitte Stramm


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Kommentare

sitra achra:
19.10.2019, 22:45 Uhr

Ich habe einen Bekannten, dessen Vater an Bord der Gustloff seine Frau und drei seiner Kinder verloren hat.
Ich selber war dieses Jahr im Sommer zwei Monate in Hinterpommmern. Ein wahrhaft traumhaft schönes Land! Ihr alle wisst nicht, was Ihr da eingebüßt habt!


H. Schinkel:
19.10.2019, 15:40 Uhr

Laboe ist wirklich eine Reise wert. Zu erwähnen wären dazu noch das U-Boot U-995 das gegenüber am Strand steht. Allerdings sollte das dringend restauriert werden, sonst ist das Boot bald verrostet.

Und das U-Boot-Ehrenmal Möltenort ist eine Reise wert.


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