Stiller Tod: Susanne Zeller-Hirzel

06.01.13

Als Mitglied der studentischen Widerstandsbewegung „Weiße Rose“ während der NS-Zeit hätte der Tod von Susanne Zeller-Hirzel eigentlich ein Rauschen im Blätterwald erzeugen können. Tatsächlich drang erst am Jahresende durch, dass sie schon am 4. Dezember 91-jährig gestorben ist. Die führenden Medien hüllten sich in peinliches Schweigen. Warum? Weil Zeller-Hirzel eben keine Ikone der Linken war und sich zuletzt stattdessen der rechtskonservativen Bürgerbewegung „Pax Europa“ anschloss? Oder weil ihr 2006 verstorbener Bruder Hans, der ebenfalls Mitglied der „Weißen Rose“ war, nach seinem CDU-Austritt in den 90er Jahren         als stellvertretender Bundes­vorsitzender der Republikaner für das Amt des Bundespräsidenten kandidierte? Die meinungsbildende Öffentlichkeit ist zerrissen: Man will die Hirzels gleichzeitig feiern und verdammen. Also wird lieber totgeschwiegen.
Dabei hätte Susanne Zeller-Hirzel einen würdigen Abschied in den Medien verdient gehabt. Denn sie hat den fanatischen NS-Richter Roland Freisler nicht nur „überlebt“, sondern sogar reingelegt. Im Prozess hatte die Ulmer Pfarrerstochter behauptet, nichts vom Inhalt der von ihr in Stuttgarter Briefkästen verteilten Briefe gewusst zu haben, die die Geschwister Scholl geschrieben hatten. Es war eine Notlüge. Denn als Jugendfreundin von Sophie Scholl wusste sie, wer den Widerstand organisierte. In diesem zweiten „Weiße Rose“-Prozess wurden drei Mitangeklagte zum Tode verurteilt. Susanne Hirzel und ihr Bruder, der sie zur „Weißen Rose“ gebracht hatte, kamen mit vergleichsweise geringen Haftstrafen davon.
Nach dem Krieg arbeitete sie als Cellolehrerin und hatte den Anstand, sich politisch nicht vereinnahmen zu lassen.  Harald Tews


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