Trotz lahmender Konjunktur soll die Zahl der Arbeitsplätze weiter steigen

Optimisten setzen auf die Digitalisierung, eine Erholung der Automobilindustrie und eine Entlastung des Arbeitsmarkts durch das beginnende Ausscheiden der Baby-Boomer

14.01.20
Die Beratungsgesellschaft Ernst & Young geht davon aus, dass die Autoindustrie sich erholen wird, sollte sie den Wettbewerb um die E-Mobilität annehmen: Abschließende Sichtkontrolle bei e.GO Mobile vor der Auslieferung eines E-Autos Foto: imago images/Rupert Oberhäuser

Von Peter Entinger

Im vergangenen Jahr mehrten sich die Anzeichen für eine konjunkturelle Eintrübung in der Bundesrepublik. Dennoch gibt es nun Analysen, die davon ausgehen, dass 2020 Hunderttausende neue Arbeitsplätze entstehen konnten, wenn auch in einem geringeren Tempo als bisher. Während im vergangenen Jahr noch 450 000 neue Stellen entstanden seien, prognostiziert die Beratungsgesellschaft Ernst & Young (EY) für das Jahr 2020 nur noch rund 200 000 neue Arbeitsplätze. Die schwierige Wirtschaftslage dämpfe demnach das Stellenwachstum. Für Unsicherheit sorgen vor allem die internationalen Handelskonflikte, die schwächelnde chinesische Konjunktur und technologische Umbrüche. Unternehmen zögern daher laut Ernst & Young beim Stellenausbau: „Sie warten ab, wie sich die Nachfrage entwickelt.“
Marcel Fratzscher, der Leiter des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW), zeichnete ein differenziertes Bild zum Jahrewechsel: „Die Wolken sind noch da. Es sind viele dunkle Wolken am Horizont. Die Frage ist, ob sie Richtung Deutschland ziehen oder einen Umweg machen. Es gibt durchaus Grund für Optimismus. Deutschland hat ein großes wirtschaftliches Potenzial. Es gibt keinen Grund, Deutschland schlechtzureden. Wir haben eine hoch wettbewerbsfähige Wirtschaft. Tolle Exportunternehmen, die im globalen Wettbewerb bestehen. Wir haben einen hervorragenden Arbeitsmarkt“, sagte er zum Jahreswechsel. Deutschland habe nach wie vor große Potenziale, so könnten 150.000 Arbeitsplätze entstehen.
Allerdings gebe es auch große Risiken, die vor allem außenpolitischer Natur seien. „Viele unterschätzen, dass sich Donald Trump Deutschland und Europa doch noch vorknöpft. Ich befürchte, das wird 2020 kommen, weil in den USA gewählt wird. Weil Trump politische Motive hat. Wirtschaftliche Motive sind es nicht. Dann würde man ja realisieren, dass Handelskonflikte keine Gewinner haben, sondern nur Verlierer. Außerdem der Brexit. Nach den Wahlen in Großbritannien scheint der Brexit nun Ende Januar zu kommen. Wie er sich auswirken wird, wissen wir nicht.
200 000 neue Arbeitslätze 2020
Deutschland wird davon nichts gewinnen, nur verlieren. Die Frage ist wie viel. Wir haben auch mit China ein großes Fragezeichen und mit Italien einen Wackelkandidaten in der Eurozone.“
Doch bereits jetzt gibt es vom Arbeitsmarkt nicht nur positive Nachrichten. Erstmals seit 2013 ist die Arbeitslosigkeit im Dezember im Vergleich zum Vorjahresmonat gestiegen gestiegen – und zwar um 18 000 gegenüber Dezember 2018.
Die EY-Forscher gehen davon aus, dass durch die Digitalisierung neue Arbeitsplätze geschaffen werden, auch die Autoindustrie werde sich erholen, sollte sie den Wettbewerb um die E-Mobilität annehmen. Dass es in der Bundesrepublik in absehbarer Zeit zu keinen großen Problemen auf dem Arbeitsmarkt kommen wird, hat aber noch einen anderen Grund. Die Zeit der Baby-Boomer-Generation läuft ab. „Das nun zu Ende gegangene Jahr wird das letzte gewesen sein, in dem das Arbeitskräftepotenzial noch einmal kräftig gewachsen ist“, sagt Enzo Weber vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB), „bereits im Jahr 2020 wird es nur noch um einige Zehntausend zunehmen“.


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Kommentare

Siegfried Hermann:
14.01.2020, 12:08 Uhr

Ernest&Young
Das sind doch die, die den Elfenbein-turm gegen honoriges Bakschisch "beraten", gelle!? Oder wie ein altes Deutsches Sprichwort sagt: Wer bezahlt, bestimmt die Musik!
Zurück zum Thema.
Dank dieser Elektro-Hysterie werden offiziell 400.000 !!! gut bezahlte Arbeitsplätze allein in der Autoindustrie weg fallen.
Von den aberhunderttausenden Arbeitsplätze, die auf der Kippe stehen, weil die Auftragslage um 50% !!! eingebrochen ist und keiner weiß, ob im 2. Quartal, sprich zum 1. April
es besser wird, reden diese E&Y-"Experten" besser nicht! Wäre doch blöd gegenüber seinen Auftraggeber.
Und es spricht vieles dafür, das es noch noch viel dicker kommt.
Das reißt dann auch Löcher in die New Economy. Die angeblich 200.000 neuen Arbeitsplätze wird es nur geben, wenn es volle Auftragsbücher gibt.
Da redet E&Y auch nicht drüber.
Schweigen ist bekanntlich Gold.
Und guter letzt.
WAS sind das in der Mehrzahl überhaupt für "Arbeitsplätze"???
Für "Flüchtlinge" mit 100% !!! Lohnkostenzuschuss über 3-5 Jahre!!!
im Niedrigst-Lohnbereich.
Teilzeitarbeit, wo von niemand leben, geschweige Rente später beziehen kann, wieder im Niedrigstlohn-Bereich bei McPomm und Steuervermeider Ämazen, GLS-Packer und andere Abzocker.
IM Erika wie im besten DDR-Geschäftsgebaren-Zeiten aus einstigen Freikauf-BRD-Aktionen. Auf EINEN Regimegegner-Akademiker, der auch produktiv ist, kommen 1000 Kriminelle, Sozialschnorrer und Prekariats-Aktivisten, die nur drauf warten ins Milch- und Honigland zu wechsel, um eine Kostenlawine lostreten.
Natürlich kann auch eine sinnvolle Beschäftigungspolitik betrieben werden. Die AfD hat hier zahlreiche gute Ansätze vorgelegt. Da aber Deutsche zuerst davon profitieren, wird das von den Systemparteien brüsk in Joschka-Fischer-Manier abgelehnt und "nazifiziert".

Mahlzeit!


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