Tummelplatz für »Gotteskrieger«

Neuer Dschihad in Mosambik – Einem der christlichsten Staaten Afrikas droht islamischer Terror

24.12.18
Mocìmboa da Praia in der Provinz Cabo Delgado: Zerstörung nach zweitägigen Überfällen, mutmaßlich begangen von radikalen Moslems Bild: Getty Images

Radikal islamische Kämpfer terrorisieren den Norden von Mosambik. Nach dem Fund der weltweit viertgrößten Gasreserven richten die „Gotteskrieger“ in der Region immer mehr Massaker an.

Zwölf Menschen, vor allem Frauen und Kinder, sind am 23. November im Norden von Mosambik, im Grenzdistrikt Nagane in der Provinz Cabo Delgado, bei einem mutmaßlich islamischen Anschlag auf grausame Art getötet worden. Seitdem sind Tausende Menschen aus der Region auf der Flucht ins benachbarte Tansania.
Schon seit einem Jahr terrorisieren radikale Moslems in Cabo Delgado die Bevölkerung. Die Rebellion fällt zusammen mit der Entdeckung und Ausbeutung von vielversprechenden Gasvorkommen vor der Küste der Provinz. Der Angriff ist die dritte Aktion dieser Art in der Region innerhalb eines Monats.
Die Attacken haben sich verstärkt, seit fast 200 Terror-Verdächtige in Verbindung mit den Anschlägen in der Region in der Provinzhauptstadt Pemba vor Gericht stehen. Unter ihnen sind neben Einheimischen auch Tansanier, Somalier und Kenianer. Vor allem die Anwesenheit von Somaliern lässt befürchten, dass das Modell der Al Shabab, die seit
20 Jahren die Bundesrepublik Somalia in die Islamsteinzeit zu­rückführen will, jetzt auch in Mosambik angekommen ist.
Eigentlich gehört Mosambik wie auch Zentralafrika zu den christlichsten Ländern des Kontinents. Bis zu 90 Prozent der Bevölkerung in diesem vor fast
500 Jahren von Portugal kolonisierten Land gehören christlichen Kirchen an. Trotzdem häufen sich jetzt im äußersten Norden des Landes, im Grenzgebiet zu Tansania, islamistische Überfälle mit Massakern nach IS-Art.
Vor allem die Provinz Cabo Delgado ist Ziel des neuesten radikalislamischen Gotteskriegs, des Dschihads, in Afrika. Mehr als 100 Menschen haben bereits dabei den Tod gefunden.
Mosambik wird gemeinhin nicht mit „Gotteskriegern“ in Verbindung gebracht, sondern eher mit dem langen Konflikt mit der Kolonialmacht Portugal, die 1975 abgezogen ist. Diesem Konflikt folgte eine jahrzehntelange Konfrontation zwischen der siegreichen ehemals sozialistischen Befreiungsbewegung Frelimo (Mosambikanische Befreiungsfront) und der ehemaligen Anti-Frelimo-Guerilla Renamo (Mosambikanischer Nationaler Widerstand).
Dieser Konflikt hatte erst vor einigen Jahren mithilfe der römischen Friedensbewegung San Egidio ein Ende gefunden. Anfang Mai starb der historische Renamo-Führer Afonso Dhlakama, kurz nach einer Einigung mit der Regierung auf eine Verfassungsreform zur Dezentralisierung des riesigen Landes.
Aktuell ist eine Sekte namens Ahlu Sunnah Wa-Jamâ für die blutigen Überfälle im Norden des Landes verantwortlich. Erstmals trat Ahlu Sunnah Wa-Jamâ, was so viel wie „Anhänger der Tradition und der Gemeinschaft“ bedeutet, im Jahr 2015 in Erscheinung. Ihre Mitglieder wollen das Scharia-Recht in Mosambik einführen, wo nur zehn Prozent der Bevölkerung muslimisch sind.
Die Zahl der Sektenmitglieder, die meist lange Bärte tragen, wird auf 1500 geschätzt. Sie lehnen wie Boko Haram in Nigeria die Staatsmacht ab und fordern die Bevölkerung auf, westliche Bildung und Krankenhäuser zu meiden. Über die Verbindung zu anderen Extremistengruppen herrscht Rätselraten. Weder die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) noch al-Kaida haben sich bislang zu der Gruppe geäußert.
Im Oktober 2017 besetzten Islamisten zwei Tage lang die Stadt Mocìmboa in der Provinz Cabo Delgado und verwickelte die Polizei in heftige Kämpfe mit 17 Toten. In Mocìmboa liegt die Kernzelle des Aufstandes. Beobachter vermuten, dass sich die Gruppe junger und radikaler Moslems im Norden des Landes aus Protest gegen die Korruption der örtlichen Behörden bei der Vergabe öffentlicher Aufträge bei den Erdgasfunden vor der Küste gegründet hatte. Unterstützt und vielleicht gesteuert wird der Aufstand vor allem von Islamisten aus Somalia, Tansania und Kenia.
Mosambiks Norden gehörte vor der Kolonisierung durch Portugal zum arabischen Händlerreich Sansibar/Pemba, das Ostafrika über den Indischen Ozean mit Oman auf der Arabischen Halbinsel verband und den Sklavenhandel im Indischen Ozean jahrhundertelang kontrollierte. Erst durch die deutsche Kolonie Ostafrika wurde der Einfluss arabischer Händler seit 1885 endgültig gebrochen. Sansibar gehört heute zu Tansania, aber die gesellschaftlichen und familiären Verbindungen entlang der Küste des Indischen Ozeans sind bis hinunter nach Pemba islamisch dominiert geblieben.
Durch radikale kenianische und somalische Prediger, die im Sudan oder Saudi-Arabien ausgebildet wurden, kam der früher in Ostafrika nicht heimische radikale Islam bis nach Tansania, die Komoren und eben auch nach Mosambik. Über den Indischen Ozean, der zum Teil immer noch von radikalislamische Piraten beherrscht wird, kamen Mosambikaner nach Somalia und Kenia, diese bilden jetzt den Kern der neuen Terrortruppe.
Viele junge Mosambikaner versprechen sich von den radikalen Moslems materielle Vorteile wie etwa Stipendien für das Studium zum Beispiel an der „Africa International University“ im Sudan. Diese Stipendien werden in der Regel über die neuen Moscheen vergeben. Bei diesen Studien handelt es sich jedoch um nichts anderes als um raikalislamische Lehren, die vor allem von Saudi-Arabien finanziert werden. Ein Szenario, das aus einem Dutzend anderer Länder Afrikas bereits bekannt ist.    Bodo Bost


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Kommentare

Frank Frei:
26.12.2018, 16:52 Uhr

Es ist doch immer befremdlich, das in Artikel versucht wird die Grausamkeit einer Tat dadurch zu steigern dass betont wird, das ja leider nicht nur Männer erschlagen wurden. Sondern eben auch Frauen und Kinder. Wieviel erschlage Männer braucht es denn um in Nachricjten gleich viel zu "wiegen" wie eine erschlagene Frau? Oder Kind?


Siegfried Hermann:
26.12.2018, 13:12 Uhr

Das ist ein "vergessener Krieg", deren Entwicklung Herr Bost gut umschreibt,
oder vereinfacht ausgedrückt:
Migrantenkriminalität, Terror, Mord- und Totschlag, gepaart mit Geburten- Tsunami-Dschihad ist Kolonisation und Eroberung auf islamisch.
Das kann man historisch generell und aktuell in vielen Ländern Afrikas und Europas sehen!
Bei diesen ganzen islamischen Eroberungsfeldzügen haben die Araber aber die Mitspieler vergessen!
China, Frankreich und ein schlafender Riese.
Frankreichs Rohstoff-Interessen liegen um Madagaskar rum, also der direkte Nachbar von Mosambik und Deutsch-Ostafrika.

Vielen Afrikanern dämmert es langsam, dass das "Kolonialopfer" China alles andere als Gutes im Schilde führt und seine ganz eigenen Rohstoff-Interessen auf Kosten der Afrikaner durchsetzen will, langfristig. Kredite und Aufbau gegen politische Abhängigkeit und skrupellose Rohstoffausbeutung.
Und die Araber sind seit jeher unten durch bei den Afrikanern, wegen ihren jahrhundertelangen Sklavenhandel mit der Drehscheibe Sansibar, der erst mit der Ankunft der Deutschen Kolonialherren beendet wurde. Technologisch wäre sie gar nicht in der Lage im offshore zu fördern!
Weil die Chinesen neuerdings sehr selbst bewusst, auch militärisch auftreten und sich von niemanden die Butter vom Brot nehmen lassen, steckt also noch reichlich Sprengstoff für Stellvertreterkriege da drin.
Wenn Merklstan und Islam-Marcönchen abgesetzt und aus unserer Heimat gejagt worden sind werden die Karten neu gemischt.

Und da könnte die Sternstunde einer neuen deutschen Reichsregierung und im Bismarckschen Sinne einer neuen deutschen Außenpolitik liegen.
In Tansania wird man sich der deutschen Kolonialgeschichte im Gegensatz zu Franzosen, Briten, Portugiesen, Araber, Rotchina gerne zurück erinnern. Erst die Sklaverei in die Wüste gejagt. Dann EINE autochthon-identitäts-spendende Sprache gegeben und somit erst das nationale Bewusstsein von Tansania ermöglicht und dann das Land infrastrukturell bis 1917 entwickelt.
Da sollte also für uns mehr drin sein, als nur dabei sein und zu zahlen.


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