Verlogenes Spiel

22.05.19

Das Treffen mit der angeblichen Nichte eines russischen Oligarchen auf Ibiza sei „dumm“, „unverantwortlich“ und ein „Fehler“ gewesen, das Verhalten gegenüber der Frau „alkoholbe-
dingtes Machogehabe“. Zutreffender und deutlicher kann man es kaum ausdrücken, was dem zurückgetretenen österreichischen Vizekanzler Heinz-Christian Strache zum Verhängnis geworden ist. Dabei stammen diese Worte nicht von seinen politischen Gegnern, sondern von dem FPÖ-Politiker selbst. Der Politiker Strache ist Geschichte, der Mensch Strache liegt am Boden. Diejenigen, die dennoch weiter auf ihn eintreten, diskreditieren sich selbst.
Den Nachtretern geht es darum, von der Tatsache abzulenken, dass Strache nicht nur Opfer seiner Dummheit, sondern auch einer Intrige geworden ist. Er wurde in eine Falle gelockt. Zudem entstand das heimlich gemachte Video lange vor dem Beginn der Regierungsbeteiligung der FPÖ. Mit ihrer künstlichen Empörung wollen Straches Gegner auch bemänteln, dass er in dem Gespräch mit der Russin betont hat, dass eine Zusammenarbeit nur innerhalb der von den österreichischen Gesetzen gesetzten Grenzen denkbar sei. Und schließlich soll sich möglichst niemand darüber Gedanken machen, warum die „Süddeutsche Zeitung“ und der „Spiegel“ – zur Erinnerung: Das ist das Blatt, das schamlos die erfundenen Geschichten eines Claas Relotius abgedruckt hat – gerade jetzt mit der Geschichte gekommen sind, da das Video doch schon mehrere Jahre alt ist. Dabei ist die Frage „Warum jetzt?“ einfach zu beantworten: Weil die EU-Wahl unmittelbar vor der Tür steht. Wer in dieser Sache von einem „Sieg der vierten Gewalt“ spricht, hat die Rolle der Medien in der Demokratie nicht verstanden.
Jan Heitmann


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