Vernichtungsfeldzug

Maaßen, Wendt, Werte-Union: Die CDU vergrätzt ihre letzten Konservativen

27.11.19
Opfer einer Intrige von linken Parteien und Kanzleramt: Polizeigewerkschafter Rainer Wendt wurde ausgebootet Bild: pa

Der CDU-Parteitag blieb die Antworten auf drängende Fragen schuldig. Wohin die Reise geht, enthüllte ein anderer Vorgang.

Die wankende innere Sicherheit, eine ungelöste Asyl- und Einwanderungsfrage, eine verirrte, extrem wirtschaftsschädliche und unsoziale „Energiewende“, die           schleichend fortschreitende Währungs­krise des Euro − all das spielte beim Leipziger CDU-Parteitag keine relevante Rolle. Die von Politikern so oft gehörte Parole, man müsse „die Sorgen der Menschen ernst nehmen“ − sie wurde abermals als hohle Floskel entlarvt.
Stattdessen ging es um die Sorgen der Führungsriege der größten deutschen Partei. Das Volk, das Land, ja selbst das Schicksal der dahinsiechenden eigenen Partei traten dahinter zurück. Im Schatten von Angela Merkel wäre Annegret Kramp-Karrenbauer schon fast versunken. In Leipzig hat sie sich eine letzte Galgenfrist gewähren lassen, mehr nicht. Die Beschäftigung der CDU-Granden mit sich selbst wird also weitergehen bis zum nächsten CDU-Parteitag in einem Jahr. Das Land kann warten.
In welchem Zustand sich die einst stolze Volkspartei mittlerweile befindet, darüber gab ein anderer Vorgang, fast zeitgleich zum Parteitag, mehr Aufschluss als alle Reden von Leipzig zusammen: der Umgang mit Rainer Wendt.
Der rührige Chef der Deutschen Polizeigewerkschaft (DPolG) sollte Staatssekretär des Innern in Sachsen-Anhalt werden. So hatten es Ministerpräsident Reiner Haseloff und sein Innenminister Holger Stahlknecht (beide CDU) beschlossen und bereits öffentlich verkündet.
Kurz darauf aber knickten sie ein, weil Grüne, SPD und Linkspartei heftig gegen Wendt gewettert hatten. Der Gewerkschafter moniert seit Jahren den Verfall der inneren Sicherheit und der rechtsstaatlichen Ordnung in Deutschland, er gilt entsprechend als Konservativer.
Haseloff und Stahlknecht haben sofort vor der linksgrünen Kampagne kapituliert und Wendt wieder ausgebootet. Dies wirft ein grelles Licht auf den Zustand der CDU. Noch mehr aber muss erschrecken, wer offenbar den Ausschlag für den peinlichen Rückzieher gab. „Das Kommando dazu kam aus dem Kanzleramt“, hat Wendt erfahren und öffentlich gemacht − also von Merkel selbst.
Ob der Fall von Hans-Georg Maaßen, der Umgang mit der Werte-Union oder jetzt die Causa Wendt: Unter Führung der Kanzlerin sehen sich die Konservativen in der CDU einem regelrechten Vernichtungsfeldzug ausgesetzt. Nichts und niemand soll den Marsch der Partei nach links bremsen dürfen, ohne aus dem Feld geräumt zu werden.
Selbst bloße Kritik am Linkstrend der CDU, wie sie Wendt verschiedentlich geäußert hatte, etwa angesichts der chaotischen Grenzöffnung von 2015, wird mit einem politischen Todesurteil geahndet. Die AfD, die demnächst ebenfalls ihren Bundesparteitag abhält, wird es freuen. Hans Heckel


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Arnold Schacht:
29.11.2019, 13:28 Uhr

Wenigstens ist es ehrlich. Dann müssten die Angehörigen der Werteunion eigentlich begreifen, dass in dieser CDU für sie kein Blumentopf zu holen ist und das Schauspiel durch Austritt beenden. Früher unter Kohl hat man das subtiler gespielt: Kohl redete von "geistig-moralischer Wende", um konservative Wählerstimmen zu gewinnen, machte aber in Wirklichkeit die sozialliberale Politik weiter. Er trat vor den Vertriebenen auf, bereitete aber die Anerkennung der Oder-Neiße-Linie vor. Er ließ Kanther große Töne spucken, setzte aber nichts davon um. Das war schwerer zu durchschauen. Nebenbei: Bevor Merkel kam, war Kohl der Kanzler, der die meisten Scheinasylanten ins Land gelassen hat.

Jetzt müsste eigentlich jedem Konservativen, der Augen und Ohren offen hat, klar sein: NIE WIEDER CDU! Offenbar meint man in der Parteiführung, sich das jetzt leisten zu können.


Rainer Lentz:
27.11.2019, 20:00 Uhr

Merkel ist nicht in der falschen Partei. Die CDU ist eine falsche Partei. Man könnte die Frage stellen, was der CDU wichtig ist. Als Antwort würde herauskommen: "Dass wir an der Macht sind". Und genau diesem Gedanken wird dort alles untergeordnet. Das ist das Problem, wenn Menschen oder Systeme keine inneren Werte haben. Für mich ist Merkel insofern das große Vorbild für viele noch in der Partei befindliche. Die anderen dürften weitgehend ausgetreten sein. Die CDU hat ihren Kern verloren. Sie hat keinen Inhalt mehr, wie neulich irgendwo formuliert wurde.


sitra achra:
27.11.2019, 14:46 Uhr

Die CDU-Mitglieder wollen es so. Sie haben der linken Bourgeoisie nichts entgegenzusetzen.
Sie haben weder ein Konzept für die Zukunft noch eine irgendwie geartete Vision. Selbst der Bezug zu christlichen Werten ist scheinbar verlorengegangen.
Sie sind auf Untergang programmiert, und so wird es wohl auch kommen. Schlecht vorstellbar, dass jemand wie Friedrich Merz das Ruder herumreißt.
Profitieren wird die neue CDU, die AfD, die Partei mit dem großen D anstelle des verleugneten C bei der CDU.


Dietmar Fürste:
27.11.2019, 11:26 Uhr

Es scheint so, als sei die Kanzlerin in der falschen Partei.
Womöglich kann sie gar nicht anders; die Prägungen aus ihrer sozialistische FDJ-Jugendzeit sitzen vielleicht einfach zu tief.

Und sie klangen ja damals auch so plausibel, waren sie doch gegen den "Klassenfeind" im Wesen gerichtet.

Wie Kohls "Mädchen" wirklich tickt, ist manchmal nur schwer zu deuten, aber Aussitzen ist eben auch keine Lösung.


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.