Verrottete Geister

Wo Meerschweinchen mehr gelten als Menschen, wie man mit Zynismus die Welt versteht, und wie sie gegen Pegida die Geheimwaffe ziehen / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

26.04.15

Gewalt gegen Tiere ist etwas ganz anders als Gewalt gegen Sachen, da sind wir uns ja wohl einig. Wer eine Telefonzelle zerdeppert, handelt zwar auch illegal und muss bestraft werden. Aber niemals trifft ihn unser gerechter Zorn in dem Maße wie einen Kerl, der grundlos ein Hündchen tritt oder sein Meerschweinchen foltert.
Den Telefonzellen-Randalierer finden wir ärgerlich, mehr nicht. Der Tierquäler dagegen kann sich unserer tiefsten Verachtung gewiss sein, pfui!
Soweit ist unsere Welt wohlgeordnet, steht alles an seinem Platz. Wie aber halten wir es mit Gewalt gegen Menschen? Es ist erstaunlich, aber ausgerechnet dann, wenn es um die Verurteilung von Übergriffen gegen unsere Artgenossen geht, geraten einige von uns gehörig ins Schlingern.
In Frankfurt am Main haben linke Extremisten versucht, Polizeibeamte in Brand zu stecken, sie also bei lebendigem Leibe zu verbrennen. Hätten die das nicht mit Polizisten gemacht, sondern, sagen wir, mit Hühnern – da wäre was losgewesen: „Abscheulicher Quälerei-Versuch am Main! Tierschützer fordern harte Strafen!“ Die Medien hätten eine Lawine der Empörung durchs Land gejagt.
Aber es waren eben bloß Menschen, Polizeibeamte. Daher reichte die übliche, müde „Distanzierung von jeglicher Gewalt“ – von Teilen der politischen Linken gab es nicht mal die so richtig. Die Masse der Staats- und Konzernmedien ging recht schnell über den Vorfall hinweg, Tenor: Schlimm, ja sicher, aber nichts Markerschütterndes. Hatten wir doch schon öfter.
Wenig später haben Unbekannte in einem mitteldeutschen Dorf einen Dachstuhl angezündet. Niemand wurde verletzt. Reaktion? „Schock“, „Skandal“ und „Fanal des Hasses“ dröhnte es durchs ganze Land, das förmlich zu erbeben schien.
Wir reden natürlich von Trög­litz. In dem Haus sollten, das wissen Sie ja längst, Asylbewerber untergebracht werden. Gegen die hat sich die Tat gerichtet, nicht gegen den Dachstuhl, daher die Empörung, heißt es. Es ist mehr das Symbolische an der Attacke, das uns alle so erzürnt.
Ach wirklich? Unter den Asylbewerbern wären womöglich auch welche von jenen zwölf Afrikanern gewesen, die von radikalen Moslems auf dem Mittelmeer ermordet wurden, weil sie Christen waren. Deren gewaltsamer Tod aus religiösem Hass hat wiederum weit weniger Vibrationen in Deutschland ausgelöst als die Zerstörung des Dachstuhls. Wie das? Ist ein symbolischer Angriff auf Menschen also viel, viel entsetzlicher als deren brutale Ermordung?
Da soll noch einer mitkommen. Die Nadel auf dem moralischen Kompass der Bundesrepublik springt umher wie ein tollwütiges Zirkuspferd, mal hierhin, mal dahin. Die Richtung ist offenbar nur Eingeweihten zugänglich.
Oder Zynikern, denn: Nur durch deren Brille betrachtet ergibt der vermeintliche Kuddelmuddel wirrer Bewertungen plötzlich einen Sinn.
Dem Zyniker sind Tragödien, Skandale oder menschliches Leid vollkommen piepe, solange er  davon nicht profitieren kann. Sobald er aber meint, sich aus einem Vorfall etwas schnitzen zu können, greift er beherzt zu und zieht alle Register, auch die niederträchtigsten. Gehen wir die Sachen also ein zweites Mal durch, diesmal ganz und gar zynisch.
Dann hört sich das so an: Sicher, das ist natürlich traurig, das mit den zwölf toten Christen. Doch was bringt uns das für die Debatte in Deutschland? Am Ende stört der Vorfall noch den „Dialog“ mit den Islamverbänden! Nein, nein, das hängen wir mal ganz hinten hin.
Tröglitz ist viel nützlicher. In geübter Rabulistik kippten Politiker und ihnen verbundene Medien die verkohlten Dachbalken ohne Mühe der Pegida vor die Füße. Deren Geist habe hier gezündelt.
Das war bereits der zweite Anlauf zur Endverteufelung der Dresdner Bürgerbewegung, nachdem der erste so kläglich versickert war. Wir erinnern uns: Ein junger Eritreer war in Dresden erstochen worden. Sofort tobten Tausende durch die Elbmetropole, massiv unterstützt von den Staats- und Konzernmedien. Das sei die Saat von Pegida, so die Losung.
Als rauskam, dass der Mann von einem anderen Afrikaner erstochen worden war, fiel die furiose Inszenierung von „Wut und Trauer“ sekundenschnell in sich zusammen. So ein Ärger.
Was soll’s, dann muss es eben ein Dachstuhl tun. Man nimmt, was man kriegen kann.
Allerdings ist den Dramaturgen des zynischen Theaters bewusst, dass die Geschichte nicht wirklich zieht. Die Haare, an denen man irgendwas herbeizuziehen versucht, werden immer länger. Zum Schluss führte jemand ins Feld, dass Tröglitz als Arbeitersiedlung während der NS-Zeit gegründet worden sei. Motto: Schon deshalb müssen das ja Nazis sein. Spätestens diese lächerliche Pirouette enthüllte dem Dümmsten, wie erbärmlich dünn diese „Tröglitz, Hort des Bösen“-Erzählung sein musste, weshalb sie auch nicht gegen Pegida taugte.
Es musste etwas viel Gerisseneres her. Als das allen klar war, entsann man sich (reichlich spät) seiner Geheimwaffe: der NPD. Die Partei war 2003 nur aus einem einzigen Grund nicht verboten worden. Sie war dermaßen dicht mit Verfassungsschutz-Agenten besetzt, dass die Richter nicht unterscheiden konnten, ob die Pamphlete von richtigen Nazis stammten oder aus staatlicher Produktion. Seitdem kriecht der Verdacht durchs Land, dass die NPD nichts anderes ist als ein Instrument der etablierten Politik für politische Operationen.
Könnte was dran sein: Dieser Tage hat die Dresdner NPD mit großem Trara verkündet, dass sie bei der Bürgermeisterwahl am     7. Juni die Pegida-Kandidatin Tatjana Festerling unterstützen wolle. Bei Pegida schlug die Nachricht ein wie ein geplatzter Gülletank. Und genau das sollte sie wohl auch.
Zwar hat sich Pegida sofort von der NPD distanziert. Und offenbar hat Pegida-Sprecher Lutz Bachmann auch umgehend den Hintergrund erkannt, weshalb er diagnostiziert: „Das ist eine gezielte Aktion, um uns zu schaden.“
Bachmann muss allerdings einräumen: „Verhindern kann man so etwas nicht.“ Nein, eben! Und deshalb können sich die Pegiden nun so oft sie wollen von ihren falschen Freunden abgrenzen, das nützt ihnen gar nichts. Das wissen die Zyniker, die ihren idealistischen Opfern immer eine Nasenlänge voraus sind.
Eine große Boulevard-Zeitung suhlt sich von Wonne gepackt in dem Kot und stänkert die Linie lautstark heraus: Jetzt zeige sich, wer wirklich hinter Pegida stehe. „Wer am 7. Juni Pegida wählt, wählt im Sinne der NPD!“ Übrigens hat das Blatt binnen eines Jahres fast jeden zehnten Leser verloren. Man fragt sich, warum.
Überflüssig zu erwähnen, dass die NPD ihre vergifteten Tentakeln bei dieser Gelegenheit auch gleich zur AfD ausgefahren hat. Die solle sich ebenfalls einreihen in ein Bündnis mit ihr, das neben der NPD nur die zornesroten Feinde von Pegida und AfD herbeisehnen.
Ist das nicht alles ziemlich unanständig? Ach, kommen Sie, „gegen Rechts“ darf man das. Zwei linke FC-Köln-Fans haben sogar versucht, AfD-Sprecher Bernd Lucke und seine Frau aus einem Zug zu vertreiben. Man stelle sich vor, Fans hätten das mit einem Politiker von SPD, Grünen oder Linkspartei versucht! „Rechter Mob bedrängt Spitzenpolitiker im Zugrestaurant“ hätten sich die Gazetten empört, Politiker und ihre Fernsehlautsprecher wären außer sich und Historiker hätten Parallelen zur Weimarer Zeit gezogen.
Aber nun? SPD-Politiker Sascha Vogt bejubelt den Übergriff sogar: „Heute mag ich den effzeh gleich doppelt“, und der „Linke“-Bundestagsabgeordnete Niema Movassat bedankt sich bei den Pöblern allen Ernstes „für den Mut“. Er meint den „Mut“ zweier kräftiger Kerle gegenüber einem schmächtigen Professor. Verrottete Geister in einer vermodernden Republik. In solchem Schlamm blüht der Zynismus besonders prächtig.


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Kommentare

W. Scholz:
29.04.2015, 02:06 Uhr

Her Behrlich,
Ich bitte Sie, unterscheiden Sie bitte die Bebel-SPD von der Noske-SPD (die heute wieder dran ist nach dem kurem Intermezzo von W.Brandt). die Noske -SPD ist nicht nur ein Arbeiterverräter sondern ein Arbeitermörderverein (s. Hartz 4 etc.). Und bei den Arbeitern gehören für mich auch die Selbständigen, Gewerbetreibenden und Selbstunternehmer dazu.
Die Noske-SPD ist ein Vasall der Neoliberalen und Bankster.
Also kein Ein-Topf besser ist die Differenzierung (fördert auch die verpönte Intelligenz).
Betse Grüße an die PAZ Leser


Lars Wiebert:
27.04.2015, 22:46 Uhr

Herr Heckel,

Sie haben die Widersprüche wieder eindrucksvoll herausgearbeitet. Nebenbei sehe ich vor allen Dingen mit Schrecken, dass wir von Politdarstellern umgeben sind (der zitierte Herr Vogt von der SPD), die nach ihrem Lebenslauf nie das Ziel hatten einer anderen Beschäftigung als Berufspolitiker nachzugehen:
... "studierte er von 2000 bis 2007 an der Westfälischen Wilhelms-Universität in Münster die Fächer Politikwissenschaft, Kommunikationswissenschaft und Angewandte Kulturwissenschaft"...
Diesen Personen ist die Situation der Bevölkerung höflich ausgedrückt ziemlich egal. Hauptsache sie hängen ihre Meinung immer wie ein Fähnlein in den Wind - egal woher er weht.


Herr Behrlich:
26.04.2015, 22:32 Uhr

Abfall vom menschlichen Piedestal -

Wiedermal ein Einblick, das treffender die Seele der Linken nicht beschreiben könnte. Die historische Erwiesenheit systematisch unmenschlichen Verhaltens, der Anhänger sozialistischer Ideologien, ist augenscheinlich.

Lenin, Stalin, Mussolini, Hitler, Mao, Castro, Pol Pot, Kim Jong-Un, Tito...

Der einst überzeugte kommunistische Ideologe und Mitglied des yugoslavischen Politbüros, Milovan Dilas veranschaulicht in seinem Buch "Gespräche mit Stalin", 1962, dass sozialistische Bewegungen - ausnahmslos - auf Totalitarismus hinauslaufen.

Der Hass der Sozis stigmatisiert den Mittelstand und unterminiert alles was eine Gesellschaft stärkt, idealisiert "die Unterdrückten" und bekennt sich zu unrealistischen Zukunftsutopien. All dies treibt sie zu ihrem totalitären Dogmatismus, in dem alles gerechtfertigt ist ihr Ziel zu erreichen. Sozialisten sind Überzeugungstäter, verfallen diesem Traumgebilde, dieser wahnhaften Idee des Diktats, die Homogenität der Population erreichen zu müssen.

Nichts ist gefährlicher, für Deutschland, Europa und den Weltfrieden, wie die politischen Vertreter der bandbreite sozialistischer Ideen - und nahezu alles Blut welches in der Welt aus politischer Überzeugung vergossen wurde, und all jenes welches noch fliessen wird, liegt zu Füssen dieser sozialistischen Gedanken und Taten.


Andreas Müller:
26.04.2015, 10:08 Uhr

Niema Movassat
Perser in einen deutschen Parlament, der DEUTSCHE ver-treten soll !?
Nee is, kla!!!
Herr Heckel,
wollen wir es doch in Klartext sprechen.
Die Diskrimierung, Anpöbelung und rassistische Gewalt gegen Deutsche im EIGENEN Land nimmt immer offenere Formen an!!!
Da sind Typen wie dieser Movassat nur Brandbeschleuniger und geistige Brandstifter zum Bürgerkrieg und sagt alles über die Einstellung der Linken aus.
btw
Ich habe mal an einen Wahlkampstand der Linken zur Bundestagswahl gefragt: WARUM die Linken KEIN deutsche Personal mehr für den Bundestag kandidieren lassen???
Antwort Gehen Sie weg! wir reden mit Nazis nicht!
Und beileibe, ich habe keine Glatze, Springerstiefel und Bomberjacke angehabt.
Was lernen wir??
Statt die AfD zu schwächen, sollte die NPD groß ankündigen künftig die GRÜNEN und LINKEN Kandidaten bei Wahlen zu unterstüzten!
Das hätte in der Tat vielerlei Effekte zu Folge. Geistig befinden die sich eh alle auf ein und der selben Ebene, wo mir GRÜNEN wie LINKEN und HellRot noch faschistischer vorkommt.


K. L.:
26.04.2015, 08:36 Uhr

Beim Thema Religion ticken zur Zeit alle irgendwie vollkommen aus und werfen Prinzipien über Bord, die wir in Jahrhunderten hart erarbeitet haben. Da ist es wieder wichtiger, "Toleranz" zu zeigen und das "Recht" auf Ausübung allerlei barbarischer Riten höher zu werten als den Tierschutz oder sogar das Menschenrecht auf körperliche Unversehrtheit. Halal/koscher und Beschneidung gehören auf den Müllhaufen der Geschichte, und da waren wir schon mal weiter als heute!


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