Voller Klang in der Stadtpfarrkirche zu Rummelsburg

Im östlichen Hinterpommern erinnerte ein besonderes Ereignis an eine christliche Tradition

20.12.18
Sprachen die Abschlußgebete: Pastor Wojciech Froehlich, Martin Fritz, Alfons Rekowski, Pfarrer David Jastrzab (v.l.) Foto Lydia Zander

Es ist bewundernswert, dass 73 Jahre nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs mit seinen einschneidenden nationalen Veränderungen wieder, bzw. noch, der Quempas in der Stadtpfarrkirche der früheren pommerschen Stadt Rummelsburg gefeiert wird. Mit den Worten „Ich bin das erste Mal bei einem Gottesdienst mit Quempassingen“, eröffnete der katholische Rummelsburger Pfarrer David Jastrzab die Feierlichkeiten. Nach ihm begrüßte der zuständige evangelische Pastor Wojciech  Froehlich aus Stolp, der auch die deutsche Sprache vorbildlich beherrscht, die kirchliche Gemeinde. Seine Predigt hielt er zuerst in polnisch, anschließend in deutsch. Er sprach über Gott, die Menschen, die Liebe, die Hoffnung und den Frieden auf Erden.
Das Quempassingen stammt bereits aus der Christenzeit vor der Reformation. Die Quelle des Namens Quempas liegt im Anfang des lateinischen Lieds „Quem Pastores laudavere“ = „Den die Hirten lobeten sehre“. Vier Chöre singen die Zeilen dieses Lieds im Wechsel, jeden Vers zuerst lateinisch, dann deutsch. Der Rummelsburger Quempas wurde ursprünglich von den Handwerkern gesungen, später von den Konfirmanden. Gegen Ende des Kriegs kamen weibliche Stimmen hinzu. Er wurde einst am Ersten Weihnachtsfeiertag frühmorgens um 6 Uhr in eben dieser Stadtpfarrkirche zu Rummelsburg bis 1944 begangen.
Nach dem Krieg haben vertriebene Rummelsburger den Quempas in einigen Gottesdiensten westdeutscher Kirchengemeinden, z.B. Hamburg, heimisch werden lassen. 1995 wurde das Quempassingen in der nach 1945 katholisch gewordenen Stadtpfarrkirche zu Rummelsburg, seinem Ursprungsort, wieder aufgenommen. Zu verdanken ist dies vor allem dem früheren Kreisvertreter und heutigen Ehrenvorsitzenden des pommerschen Heimatkreises Rummelsburg, Ulrich Kuchenbäcker, Tespe bei Hamburg. Ihm zur Seite stand die örtliche Gruppe der Deutschen Minderheit und Alfons Rekowski als Dolmetscher. So wird der Quempas, das liturgische Juwel, bis heute kontinuierlich fortgeführt, trotz altersbedingt weniger werdender Sängerinnen und Sänger. Jüngere sind leider derzeit nicht bereit, sich dieser Tradition zu widmen. Vielleicht inspiriert dieser Artikel zum Mitmachen? Umso erfreulicher die Bereitschaft von zwei kleinen Gruppen aus dem schlesischen Oppeln und dem norddeutschen Hamburg, die gemeinsam mit dem einheimischen Rummelsburger Chor mit ihrem mehrstimmigen Gesang eine wunderbare Vorstellung in der festlich geschmückten Kirche boten.  Beachtlich auch die Solostimme des Vorsängers Alfons Rekowski, der außerdem Vorsitzender und Organisator ist. Auch ich bin zum ersten Mal mit meinem Mann dabei gewesen. Beeindruckt haben mich die kräftigen Stimmen, die im hervorragend eingeübten Wechselgesang die Zuhörer in ihren Bann zogen. Nach der Predigt und dem anschließenden Quempassingen sprachen der evangelische und der katholische Pfarrer ihre Segenswünsche aus.
Zum Schluss gab Martin Fritz das Friedenslicht aus Bethlehem weiter. Pfadfinder haben es über die Alpen mitgebracht nach Österreich, und von dort trug er es bis nach Rummelsburg in Hinterpommern. Jede Teilnehmerin und jeder Teilnehmer zündete sich dann selbst eine Friedenskerze an um sie nach Hause mitzunehmen. Beendet wurde der Adventssonnabend mit einem festlichen Essen im nahegelegenden Ort Rohr bei Wildschweinbraten und Kuchen. Unterhalten wurden die Gäste unter anderem von dem Oppelner Chor sowie den fingerfertigen Akkordeonspielern Maria Lawrenowicz aus Pommern und Jan Sobek aus Schlesien.

Herzliche Grüße zum Fest kommen von Lydia und Horst Zander aus Schimmerwitz im Blauen Ländchen


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