Von der Lausitz in die Welt

Die Universität Cottbus: Endlich einmal ein »Leuchtturmprojekt«, das wirklich strahlt

27.05.18
Attraktivität könnte sogar noch steigen: Studenten vor der Mensa der Universität Cottbus

Geht es um Cottbus, dann dominieren in den Medien Berichte zum problembeladenen Strukturwandel in der Lausitzer Braunkohleregion oder über Konflikte beim Zuzug von Asylbewerbern. Unter den Tisch fällt dabei allzu oft, dass Brandenburgs zweitgrößte Stadt eine ungewöhnliche Erfolgsgeschichte vorweisen kann.

Es war die „Wirtschaftswoche“, die unlängst darauf aufmerksam machte, dass Informatik-Absolventen der Brandenburgischen Technischen Universität Cottbus-Senftenberg (BTU) bei großen Technologieunternehmen wie SAP, Intel und Google heiß begehrt sind. „Ein Großteil der Studenten wird direkt von der Uni weg rekrutiert“, so das Magazin. Eine aktuelle Hochschulrangliste des Centrums für Hochschulentwicklung (CHE) bestätigt diesen Eindruck.
Bei dem Vergleich belegte die BTU in den Studienfächern Informatik und Pflegewissenschaften nationale Spitzenplätze. Gelobt wurde die Universität insbesondere für ihre Ausstattung mit modernster Informationstechnologie (IT), die Räumlichkeiten und die allgemeine Studierbarkeit.
Auch beim Uni-Ranking der „Wirtschaftswoche“, basierend auf Erfahrungen der Unternehmen, konnten sich die Informatik-Absolventen der BTU von Platz 31 im Jahr 2010 auf zuletzt Platz 11 vorarbeiten. Nicht nur Personalchefs sind auf die Vorzüge der TU Cottbus-Senftenberg aufmerksam geworden. Viele Studenten schätzen an Cottbus insbesondere die familiäre Atmosphäre, die mit einem Schuss Internationalität daherkommt: Die Zahl der Studenten beträgt weniger als 8000, gut ein Viertel der Studentenschaft kommt aus dem Ausland.
Als weitere Vorteile werden regelmäßig die kurzen Wege und eine extrem günstige Betreuungsquote der Studenten genannt. So umfasst ein Jahrgang der Informatik-Fakultät nur rund 50 Studenten. Dies ermöglicht nicht nur eine Lehre in kleinen Gruppen, sondern auch eine realistische Vorbereitung auf die Berufspraxis und einen frühen Einstieg in Forschungsprojekte.
Punkten kann Cottbus zudem mit günstigen Lebenshaltungskosten für Studenten. In der Hochschulstädte-Rangliste des Moses-Mendelssohn-Institutes von 2017 schnitt die Stadt unter 93 untersuchten Universitätsstädten als günstigster Studienort Deutschlands ab. Als besonders angespannt dagegen bezeichnete die Untersuchung die Lage auf dem studentischen Wohnungsmarkt in München und Hamburg. In München, dem teuersten Standort für Studenten überhaupt, kostete ein Zimmer in einer Wohngemeinschaft im Schnitt 570 Euro pro Monat. In Cottbus mussten Studenten für ein solches Zimmer durchschnittlich nur 208 Euro bezahlen.
Und die Attraktivität des Wissenschaftsstandorts Cottbus könnte in den kommenden Jahren noch weiter steigen. Bereits vergangenes Jahr wurde ein Kooperationsprojekt der BTU mit dem Dresdner Fraunhofer-Institut für Photonische Mikrosysteme positiv evaluiert. Geforscht wird dabei unter anderem für Anwendungen wie ultrakleinen Mikrolautsprecher, die als medizinische Hörgeräte dienen können. Diese Projektgruppe ist inzwischen in die Bund-Länder-Förderung aufgenommen worden, sodass am Zentralcampus der BTU die weitere Forschungsarbeit mit dem Dresdner Fraunhofer-Institut gesichert ist.
Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (SPD) hat sich in einem Brief an Bundeskanzlerin Merkel inzwischen dafür stark gemacht, ein eigenes Fraunhofer-Institut für Speichertechnologien in der Lausitz anzusiedeln. Woidke wies dabei auf die Expertisen und die Kompetenz der Brandenburgischen Technischen Universität hin. Doch selbst wenn die Lausitz bei der Standortwahl für ein neues Fraunhofer-Institut leer ausgehen sollte, kann die BTU schon jetzt als eines der wenigen erfolgreichen Großprojekte eingeschätzt werden, die Brandenburgs Landesregierung im Zuge ihres Leitbilds einer dezentralen Konzentration vorangebracht hat.
Grundgedanke des lange Zeit verfolgten Konzepts war es, Fördermittel und die Ansiedlung von Behörden auf die berlinfernen Regionen wie die Prignitz, die Uckermark oder eben die Lausitz zu konzentrieren. Teil des Plans waren auch Vorhaben wie der Bau einer Chipfabrik in Frankfurt (Oder), das Luftschiff-Projekt Cargolifter und der Bau der Rennstrecke „Lausitzring“. Quasi als Leuchtturmprojekte sollten diese Investitionen die wirtschaftliche Entwicklung in den strukturschwachen Randregionen Brandenburgs anstoßen.
Diese Hoffnung wurde allerdings weitgehend enttäuscht. Mehrere von der Politik unterstützte Großprojekte in Brandenburgs Randregionen endeten als Flopp. Eine dynamische Entwicklung kam stattdessen im Speck­gürtel rund um Berlin in Gang. Erst relativ spät steuerte die Landesregierung mit dem Konzept einer „Metropolenregion“ um und konzentrierte sich auf die Region um die Bundeshauptstadt. Im Fall der Anfang der 90er Jahre gegründeten Technischen Universität Cottbus stellte sich hingegen ein langfristiger Erfolg ein. In der Region hat sich mittlerweile eine Reihe von Technologiefirmen angesiedelt, die von der Kooperation mit der BTU profitieren.     Norman Hanert


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