Von Tretmühlen bis Traktoren

Ausstellung in Allenstein zeigt historische landwirtschaftliche Maschinen

22.11.19
Gäste der Ausstellung: Fotos von einem Lanz Bulldog und Erklärungen zu Agrargeräten zogen das Interesse auf sich Bild: U.H.

Historische landwirtschaftliche Maschinen und Werkzeuge standen im Mittelpunkt einer Ausstellung in Allenstein mit dem Titel „Die landwirtschaftliche Welt vor 100 Jahren; das einzige derartige Museum auf der Welt“. Überwiegend waren es Bilder von ihnen aus der Inventarisierung des Museums für landwirtschaftliche Gerätschaften in Naterken und Schönbrück, aber es gab auch einige Exemplare in natura zu bewundern.
Mit Tretmühlen verbindet man normalerweise keine positiven Gefühle, besonders wenn man selber im übertragenen Sinne in einer steckt. Dass man diese Gerätschaften auch sammeln kann, zeigte eine Ausstellung des Museums für landwirtschaftliche Maschinen von Alicja und Janusz Draminski in der Galerie Stary Ratusz, dem Ausstellungsraum im Foyer der Woiwodschaftsbibliothek in Allenstein. Dass man damit sogar weltweit einmalig werden kann, bestätigte das Guiness-Buch der Rekorde offiziell am 3. Juli 2018 mit einer Urkunde über die größte Anzahl von durch Pferde angetriebenen Tretmühlen. 277 Stück, überwiegend aus dem südlichen Ostpreußen, hat Janusz Draminski im Laufe von etwa 30 Jahren zusammentragen können – eine Sammlung von unschätzbarem historischem Wert. „Ich habe damals so eine Tretmühle gesehen. Sie stand da, eine dunkle Maschine, vom Sonnenlicht übergossen. Da habe ich mich verliebt“, erinnerte sich Draminski an die Anfänge seiner Begeisterung für historische landwirtschaftliche Geräte. Auch im Alltag hat er mit ihnen zu tun; er ist Produzent von elektronischen Geräten für die Landwirtschaft sowie Ultraschallgeräten für die Veterinär- und Humanmedizin.
Doch selbst wenn die Tretmühlen das zentrale Glanzstück seiner Kollektion sind, hat Draminski auch andere Gerätschaften gesammelt. Ein wichtiges Exponat ist etwa ein Lanz Bulldog. Dieser Traktor aus der bekannten Mannheimer Fabrik aus den 20er Jahren des 20. Jahrhunderts ist Symbol für die Mechanisierung der Landwirtschaft iin Ostpreußen und sein Name bis heute nicht nur dort ein berühmter Markenname. Es finden sich Gebrauchs-anweisungen für ihn, aber auch andere landwirtschaftliche Maschinen in verschiedenen Sprachen, unter anderem Russisch. Es gibt kleinere Gerätschaften wie einfache Rechen, Mistgabeln, Keramikformen zum Brotbacken oder Butterfässer zu bestaunen. Zum Teil sind diese Geräte über 100 Jahre alt und bieten, so Draminski, „die Chance, das kulturelle Erbe der Region und die Kontinuität der Geschichte zu bewahren.“ Und eine Chance, den nachfolgenden Generationen ein Bild davon zu vermitteln, wie vor nicht allzu langer Zeit die Arbeit auf dem Land im südlichen Ostpreußen ausgesehen hat.
Auf seinen Einsatz dafür ist Draminski zu Recht stolz. Denn ohne ihn gäbe es viele der historischen Geräte nicht mehr. „Diese Maschinen wären sonst unwiederbringlich verloren gewesen – sie wären auf den Schrott geworfen, in Hütten eingeschmolzen oder einfach verbrannt worden“, erklärte der Sammler. Dank ihm kann man sie heute in Naterken und Schönbrück bewundern.    
    Uwe Hahnkamp
Das Draminski-Museum für Pferde-Tretmühlen (Draminski Muzeum Kieratów Konnych) finden Besucher in der ul. Golfowa 7, 11-036 Naterki (gegenüber dem Golfplatz).


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