Vorreiter beim E-Auto

Die skandinavischen Königreiche wollen dem Verbrennungsmotor an den Kragen

22.10.19
Typisch: Elektroautos (Tesla) in Norwegen (Oslo) Bild: pa

Immer mehr deutsche Großstädte beginnen, Dieselfahrverbote durchzusetzen. Eine Initiative der dänischen Regierung könnte in einigen Jahren sogar zu einem Verkaufsverbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotoren führen.

Im dänischen Parlament kündigte Ministerpräsident Lars Løkke Rasmussen bereits vergangenes Jahr an, den Verkauf von diesel- oder benzinbetriebenen neuen Personenkraftwagen bis zum Jahr 2030 auslaufen zu lassen. Später sollen dann sogar Hybridfahrzeuge von Dänemarks Straßen verschwinden. Bis 2035 solle jeder Neuwagen in Dänemark elektrisch oder in anderer Weise emissionsfrei betrieben werden, so der Plan von Rasmussen.
Allerdings gibt es bei dem, was der Politiker der liberalen Partei „Venstre – Danmarks Liberale Parti“ im Parlament als seine Vision bezeichnete, einen juristischen Haken. Beschlösse Dänemark im Alleingang ein Verkaufsverbot für Neuwagen mit Verbrennungsmotoren, verstieße dies gegen geltendes EU-Recht.
Ein Lösungsansatz für dieses Dilemma könnte insbesondere für die deutsche Automobilindustrie weitreichende Folgen haben. Die dänischen Pläne könnten nämlich mit einem EU-weiten Verkaufsverbot von diesel- oder benzinbetriebenen Neuwagen Rechtssicherheit erhalten.
Alternativ könnte Dänemark aber auch versuchen, mit der Unterstützung weiterer EU-Länder in Brüssel eine Ausnahmeregelung durchzusetzen. Diese würde es dann Einzelstaaten erlauben, ein Verbrenner-Verbot einzuführen. Laut Angaben des sozialdemokratischen Umweltministers Dan Jörgensen kann Dänemark bei seinem Vorstoß auf Unterstützung von zehn weiteren Mitgliedsstaaten bauen.
Tatsächlich hat sich auch schon Schwedens ebenfalls sozialdemokratischer Ministerpräsident Stefan Löfven in einer Regierungserklärung dafür ausgesprochen, in seinem Land den Verkauf von Neuwagen mit Verbrennungsmotoren ab 2030 auslaufen zu lassen. Auch aus Frankreich, Belgien, den Niederlanden, Irland und Schottland sind bereits Verbotspläne für Verbrennungsmotoren bekannt geworden.
In Deutschland hat der Geschäftsführer der Deutschen Umwelthilfe (DUH), Jürgen Resch, einen Ausstieg aus der Verbrennungsmotorentechnik bis 2025 gefordert. Auch in Norwegen fordert der starke Lobbyverband der Elektroautobesitzer schon ab dem Jahr 2025 ein landesweites Verbot von Neuwagen mit Verbrennungsmotor.
Das Land ist zwar kein EU-Mitglied, ein Verbot von Fahrzeugen mit Verbrennungsmotoren hätte aber eine erhebliche Symbolwirkung. Das skandinavische Land mit rund fünf Millionen Einwohnern gilt nämlich weltweit als Vorreiter bei der Elektromobilität. Vergangenes Jahr lag der Marktanteil von reinen Elektroautos und Plug-in-Hybriden bei 49 Prozent. Erreicht wurde dieser Anteil mit einer starken Benachteiligung von Käufern herkömmlicher Autos und massiven Vorteilen für die Nutzer von Elektroautos. Norweger, die sich für den Kauf eines E-Autos entscheiden, brauchen weder die Mehrwertsteuer von 25 Prozent zu zahlen noch die sonst übliche Sondersteuer für Autokäufer.
Hinzu kamen bislang Privilegien bei der Osloer City-Maut und den Parkgebühren sowie die Berechtigung, mit E-Autos Busspuren nutzen und in Oslo an Ladesäulen Strom kostenlos laden zu können. Mit diesem Füllhorn an Anreizen ist die Zahl von E-Autos in Oslo bis Ende 2018 auf einen Anteil von zwölf Prozent aller Fahrzeuge angestiegen.
Allerdings sind Zweifel angebracht, ob sich das norwegische Modell auf andere Länder übertragen lässt. Norwegen gehört zu den wohlhabendsten Ländern der Welt. Der Wohlstand des mit großen Gasvorkommen gesegneten Königreiches Norwegen liegt deutlich über dem von EU-Ländern. So würde Oslos Anreiz-Politik zur Durchsetzung von Elektroautos die finanziellen Möglichkeiten vieler Staaten überfordern. Für viele Norweger stellen die deutlich höheren Anschaffungskosten für E-Autos kein Problem dar. Auch ermöglicht es der nationale Wohlstand vielen norwegischen Käufern von Elektroautos, sich nebenher weiterhin einen herkömmlichen Personenkraftwagen zu halten für die Fälle, in denen lange Strecken zurückgelegt werden müssen. Auf die E-Autos wird dann nur zurückgegriffen, um in Oslo die eingeräumten Privilegien nutzen zu können.
Das Vorhaben der dänischen Regierung, ein EU-weites Verbot für die Neuzulassung von Autos mit Verbrennungsmotoren bis 2030 durchzusetzen, dürfte vermutlich an Ländern wie Deutschland, Frankreich und Italien scheitern, die immer noch über starke Autoindustrien verfügen. Kopenhagens Vorstoß, Verbote auf nationaler Ebene einführen zu dürfen, hat dagegen recht gute Erfolgsaussichten. Noch das alte EU-Parlament hatte sich im vergangenen Jahr beispielsweise auf eine drastische Verschärfung der Kohlendioxidgrenzwerte für Neuwagen verständigt. Die Abgeordneten forderten eine Senkung der Werte um 40 Prozent von 2020 bis 2030. Zudem wurden die Autobauer aufgefordert, bis 2030 mindestens 35 Prozent Autos mit geringem oder gar keinem Kohlendioxidausstoß zu verkaufen.
Der europäische Autoherstellerverband Acea sprach angesichts solcher Forderungen von einer notwendigen „dramatischen Umwandlung in Rekordzeit“. Der deutsche Verband der Automobilindustrie (VDA) äußerte die Hoffnung, dass sich „Positionen durchsetzen werden, die durch Vernunft und Augenmaß geprägt sind“.
Sollte sich in den kommenden Jahren eine Politik durchsetzen, die ein Verkaufsverbot von Neuwagen mit Diesel- und Benzinmotor oder gar ein Zulassungsverbot beinhaltet, könnten die großen Autobauer insgesamt so unter Zugzwang geraten, dass sie die Weiterentwicklung von Motoren und weiteren Automodellen einstellen. Ganz offen ist in diesem Zusammenhang vonseiten sogenannter Klimaschutzaktivisten von einer „regulatorischen Stellschraube“ und einem „industriepolitischen Hebel“ die Rede.    N. Hanert


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Kommentare

Hans-Josef Unland:
7.11.2019, 11:14 Uhr

"Die Dummheit von Regierungen sollte niemals unterschätzt werden."
- Helmut Schmidt (1918 - 2015) -


Hildebrandt Norbert:
23.10.2019, 00:23 Uhr

Wenn Herr Krall recht hat Bankenzusammenbrüche etc.sind solche
Arikel unwichtig! ab 2021 geht es bei jedem nur noch ums überleben ohne Geld und bei 15 millionen Arbeitslosen nur in Deutschland
macht sich keiner mehr gedanken um solche Artikel


Günther Adens:
22.10.2019, 16:00 Uhr

Da schlägt man zwei Fliegen mit einer Klappe:

Das nicht sehr gelittene Deutschland wird deindustrialisiert,
und eine in jedem Lebenbereich vom Strom total abhängige Gesellschaft kann leichter von der Obrigkeit „reguliert“ werden.
Flankierend dazu noch die Abschaffung des Bargeldes, und Regierungs- und Mainstramfeinde können ohne physische Gewalt eliminiert werden.


Siegfried Hermann:
22.10.2019, 13:00 Uhr

Bio-Grüner-Ökowahn überall.
E-Autos in Großstädten als Zweitwagen, Einkaufsshopper und Helicopter-Kita-Service bei 50KM Tagesleistung kann man noch drüber nach-denken, soweit das Einkommen stimmt und man die Kohle zum verballern hat. Bei der berühmten alleinerziehenden Aldi-Verkäuferin ist dann Schluss im Gelände... auch in Norwegen.
Man sollte meinen das die bekloppte Buntestag-Veranstaltung in Berlin schon die Spitze der Verblödung ist, nein, oh Gott, die Norweger toppen das noch souverän wie beim Langstreckenskilauf, weil,
in Oslo-Innenbezirke mag das noch gerade sooo gehen, ähmm, laufen. Schon etwas weiter nördlich ist man dann total im Axx, weil eine Küstenlinie vom über 2000 Km vorhanden. In den dünn besiedelten Gegend gibt´s natürlich alle 100 m eine E-Zapfsäule mit 350 KW Anschlussleistung, gelle!?

Der neue Porsche Taycan mit der hypen Porsche-Cart soll in gut 30 min bei einen solchen Supercharger 80% geladen sein. 500 KM bei Sommertemperaturen und nagelneuen Akku sind dann drin. Im Winter bleiben gerade mal 150 Km über. Bei altersschwachen Akku kann man froh sein den Ampelstart zu überleben. Mit der üblichen Drehstromsteckdose 16 A, dauert es dann lange 8 Stunden und mehr, je nach Verfügbarkeit, Lufttemperatur, Akku-Zustand.

Viel Spaß im Norwegischen Winter bei minus 30 grad.
Frei nach Roobääärt Geiss: Mehr geistige Verblödung geht nu wirklich nich... und fährt Bentley.


Lara Berger:
22.10.2019, 07:15 Uhr

Es wird wirklich Zeit, den jungen Menschen sehr deutlich vor Augen zu führen, was eine dekarbonisierte Welt wirklich bedeutet. Das ist keine paradisische Verheißung parkähnlicher Großstädte, in denen die Vöglein so schön zwitschern! Das ist die Abkehr von allen zivilisatorischen Errungenschaften, denn unsere gesamte Volkswirtschaft lebt von der Energie und den Produkten, die sie aus dem Erdöl erzeugt. All das fiele dann weg. Keine Heizungen mehr im Winter, keine Plastikprodukte, Energie nur noch aus erneubaren Quellen und bei Dunkelflaute aus Kernenergie? Keine individuelle Mobilität mehr. Die meisten Strecken müssen zu Fuß bewältigt werden, weil der Öffentliche Nahverkehr durch die enorm gestiegene Nachfrage extrem verteuert wurde. Eine gigantische Wanderung von den suburban Äreas in die Städte zu den Arbeitsplätzen, die noch bestehen, wäre die Folge. Massenweise Einfamilienhäuser, die Träume ihrer Erbauer, stünden leer und verfielen. Der Run auf die städtischen Wohnungsmärkte wäre riesig, der Verdrängungswettbewerb extrem. Mieten und Schwierzahlungen stiegen in schwindelerregende Höhen. Wer dem nicht gewachsen ist, der hat eben "Pech gehabt". Er sitzt in seinem Häuschen, ohne Einkünfte und ohne die Möglichkeit, seine Bankverpflichtungen zu begleichen, bis er von einem Räumkomando hinausgetragen wird. Tragisch, aber absehbar, wenn der grüne Fundamentalismus "zurück zur Natur" sich weiter fortsetzt. Die Konsequenzen sind gewaltig. Deutschland würde zu einem Agraland der Selbstversorger. Allerdings haben wir dafür nur Land für 15-20 Mill. Menschen zur Verfügung.
Was die Etablierten hier planen, läuft also auf einen gigantischen Selbst-Genozid hinaus!

Solche und andere selbstmörderischen Pläne müssen dringend gestoppt werden, "koste es was es wolle" (frei nach Merkel)! Sonst geht es uns an den Kragen!


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