Waffen für die Terroristen

Trotz schwieriger Finanzlage kauft Saudi-Arabien mehr Waffen als für die Landesverteidigung erforderlich

11.02.16
Für ihre Kernaufgaben ausreichend ausgerüstet: Saudi-Arabiens Streitkräfte Bild: action press

Saudi-Arabien gehört zu den größten Rüstungsimporteuren der Welt. Mit Maßnahmen zur Landesverteidigung hat dieser unverhältnismäßig hohe Rüstungsaufwand allerdings nichts zu tun.


Noch während der letzten Wochen des vergangenen Jahres schlossen die USA und Saudi-Arabien einen größeren Waffenhandel miteinander ab. Dabei ging es im Wesentlichen um Bomben verschiedener Art, auch lasergelenkte Systeme, die im Krieg gegen den Jemen eingesetzt werden sollen, den die Saudis im Einverständnis mit den USA dort führen. Der Umfang des Geschäfts, das US-Präsident Barack Obama und der saudische König Salman beim G20-Gipfel in der Türkei vereinbarten, beträgt 1,3 Milliarden Dollar.
Für die Saudis ist das ein Betrag im Rahmen des Üblichen. Dabei wirft ein Blick auf den Aufwand, den das wahabitische Königreich für sein Militär treibt, einige Fragen auf. Saudi-Arabien hat 230000 Mann unter Waffen. Das entspricht ziemlich genau der Truppenstärke, über die auch Frankreich verfügt. Doch die Saudis geben dafür, wie die „Statista“, eine der erfolgreichsten Statistik-Datenbanken weltweit, für das Jahr 2014 ausweist, 80 Milliarden Dollar aus. Frankreich hingegen begnügt sich bei derselben Kopfzahl an Soldaten und dabei sehr viel kostspieligeren Waffensystemen mit der Hälfte, nämlich 40 Milliarden Dollar. Brasilien etwa, um ein anderes Schwellenland mit Saudi-Arabien zu vergleichen, wendet für 260000 Mann lediglich 25 Milliarden Dollar auf. Oder aber Indonesien, ebenfalls ein Schwellenland: Dort kosten 250000 Mann die bescheidene Summe von 2,4 Milliarden Dollar. Hier ist zudem anzumerken, dass Saudi-Arabien 30 Millionen Einwohner hat, Indonesien dagegen an die 350 Millionen.
All diese Zahlenvergleiche lassen eines erkennen: Mit Landesverteidigung hat der saudische Aufwand für das Militär nichts zu tun. Auch wenn man noch ein paar hundert Millionen für das wahabitische Selbstbewusstsein veranschlagt, klafft immer noch eine Riesenlücke zwischen dem militärisch notwendigen und dem tatsächlichen Aufwand. Auch der Krieg im Jemen erklärt nicht das strukturelle Missverhältnis zwischen einer Armee, die sich nach Kopfzahl weltweit in der Mittellage zwischen Groß und Klein befindet, nach den Rüstungsausgaben aber den Platz fünf einnimmt.
Und trotz der aktuellen Schwierigkeiten, welche die Saudis in Hinblick auf ihre Finanzen bewältigen müssen, greift in Sachen Rüstung keineswegs eine neue Bescheidenheit um sich, im Gegenteil. Eine Studie, die der Kongress in Washington hat anfertigen lassen, zeigt, dass derzeit in der US-Rüstungsindustrie Aufträge von Saudi-Arabien in Höhe von 96,27 Milliarden Dollar bearbeitet werden, das sind 20 Prozent mehr als der Jahresetat des Militärs. Wie der zuständige Dienst des Kongresses ermittelt hat, bestehen derzeit etwa 30 Verträge zwischen US-Rüstungsfirmen und den saudischen Streitkräften. Den größten Anteil nimmt mit 29,4 Milliarden Dollar ein Auftrag an Boeing über F15-Kampflugzeuge ein. Für 25,6 Milliarden Dollar werden verschiedene Hubschrauber wie „Apache“ und „Blackhawk“ von McDonnell Douglas und Sikorsky eingekauft. Für ein „Patriot“-Raketensystem und zahlreiche moderne Raketen und Marschflugkörper wenden die Saudis 15,1 Milliarden Dollar auf. Panzer und Handfeuerwaffen dagegen pflegen sie lieber in Deutschland einzukaufen. Damit gehören die Saudis zu den größten Waffenimporteuren weltweit. Dazu kommt: Die mit den Saudis verbündeten Golf-Monarchien geben zusammen auch noch einmal 40 Milliarden Dollar für Waffen aus.
Entgegen dem Augenschein erklärt Riad, man sei wegen der Bedrohung durch den Iran zu so viel Rüstung gezwungen. Im Laufe der vergangenen 15 Jahre aber lagen die iranischen Rüstungsausgaben durchwegs unter 20 Milliarden Dollar pro Jahr. Von einem Gleichgewicht der Kräfte um den Persischen Golf kann also keine Rede sein. Etwas Klarheit ist zu gewinnen, wenn man die Frage, was mit der saudischen Überbewaffnung geschieht, der Frage gegenüberstellt, woher denn verschiedene Terrormilizen in Syrien wie Al-Nusra oder der „Islamische Staat“ ihrerseits ihre Waffen beziehen. Denn diese beiden Fragen scheinen einander zu beantworten. Aus der irakischen Generalität ist wiederholt der Vorwurf laut geworden, dass speziell die Saudis den IS laufend mit Waffen unterstützen. Bereits im Jahr 2012, nach der Eroberung von Mossul durch den IS, empörte sich der dortige syrisch-katholische Patriarch Ignatius Joseph III. Younan: „Es ist eine Schande! Woher beziehen diese Terroristen ihre Waffen? Von den fundamentalistischen Staaten am Golf, stillschweigend gebilligt von den westlichen Staatslenkern, weil sie deren Öl brauchen.“ Man kann also die Faustregel aufstellen: Was dem IS die Türken nicht liefern, das liefern die Golf-Araber.
Allerdings zeigt der Krieg im Jemen, dass man zum Kämpfen zwar Geld braucht, aber das Geld kein Garant für den Erfolg ist. Während der vergangenen vier Wochen haben Armee und Volksmilizen des Jemen 200 Blackwater-Söldner samt ihrem US-Kommandeur Nicolas Petras getötet. Bei dem Angriff wurden ferner mehrere US-amerikanische „Apache“- und „Typhon“-Hubschrauber sowie mehrere Öltankwagen zerstört. Bei Raketenangriffen der jemenitischen Armee auf ein von den Saudis betriebenes Kommandozentrum wurden über 120 Söldner verschiedener Nationalität getötet. Unter ihnen befanden sich 46 saudische Mannschaften, elf Offiziere aus den Vereinigten Arabischen Emiraten, neun saudische Offiziere und elf ausländische Blackwater-Kommandeure. Einige Tage zuvor vernichtete eine jemenitische Rakete das Hauptquartier der saudischen Koalition in der Nähe von Bab el Mandeb und tötete 150 Koalitions-Soldaten, darunter 23 Saudis und neun Offiziere und Soldaten aus den Emiraten.    Florian Stumfall


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Kommentare

Andreas Müller:
11.02.2016, 17:27 Uhr

Sehr gut recherchiert!

Das Problem ist allerdings.
Die tatsächlichen Angaben an vorhandenen Kriegsgerät ist sehr unsicher.
Offiziell werden 1300 Kampfpanzer vom Typ Abrams, A-60, AMX-30 angegeben.
Tatsächlich kursieren allein weit über 2000 Abrams im Netz. Dazu sollen ja jetzt 700-1000 Leopard 2 PSO-A-7 kommen.
Und statt 1300 Unterstützungspanzer wie den Piranha sollen es auch deutlich mehr als 2000 sein.
Das allein ist schon mehr als die BRD im kalten Krieg hatte.
Da bleibt es nicht aus, das solche uralt-Modelle wie der A-60 oder M-113 Richtung Heiliger Krieg nach Syrien zu einen guten Zweck "ausgeliehen" werden.
Es sollte noch ein gaaanz anderer Aspekt nicht vergessen werden. Israel.
Die haben bei weiten nicht annähernd so viele Panzer, Flugzeuge erst recht nicht. Das Land ist quer mal gerade 50 km breit. Da bleiben schlicht keine Optionen einen massiven konventionellen Angriff etwas entgegen zu setzen und oder mit großräumigen Tatikspielchen die Schlacht zu gewinnen.
Selbst ein Peres hatte mal in einen Interview gesagt, sobald der erste arabische Panzer in Tel Aviv einfährt, werden wir taktische und Massenvernichtungs-Atombomben Einsätze befehlen.
Da kommt dieser gigantische Aufrüstungswahn der Saudis nochmal eine ganz andere Wendung.


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