Warum Ex-PVV-Politiker zu Muslimen werden

15.03.19

Einmal ist keinmal, zweimal ist immer. Mit Joram van Klaveren ist bereits das zweite Mal ein ehemaliger Parlamentarier der niederländischen Freiheitspartei (PVV) von Geert Wilders, die im Islam keine Religion, sondern eine politische Ideologie sieht, zum Islam übergetreten. Dieser als auch der vorangegangene Wechsel von Arnoud von Doorn hinterlassen Fragen.
Van Klaveren saß ab 2010 sieben Jahre lang – davon vier für die PVV – im niederländischen Parlament. In diesem Zeitraum geizte er nicht mit markigen Kommentaren über den Islam und dessen Propheten. So bezeichnete er beispielsweise Mohammed als „Gauner“ oder „Lügner“ und den Koran als „Gift”. Nach sieben Jahren an der Front der Islamkritiker wechselte der studierte Theologe und Religionswissenschaftler, der sich früher für Verbote von Burkas und Minaretten stark machte, ins Lager seiner Gegner und bekennt sich nun zur Religion Mohammeds.
Angeblich kam es zu diesem Sinneswandel im Zuge einer Recherche rund um ein weiteres kritisches Buch, das er über den Islam schreiben wollte. Nach seiner Konversion meinte van Klaveren, über Mohammed, dessen historische Existenz von vielen Wissenschaftlern wie dem verstorbenen Nestor der holländischen Islamforschung, Hans Jansen, in Frage gestellt wird, seien „viele Lügen im Umlauf“. Seine früheren Ansichten über den Islam seien „schlicht falsch“, erklärte van Klaveren nach seiner Konversion. Der PVV, die sich 2004 nach der Ermordung Theo van Goghs durch einen radikalen Moslem gebildet und ihn bereits 2014 nicht mehr aufgestellt hatte, ließ er ausrichten, dass sie dem Islam „alles Schlechte in die Schuhe schiebt“.
Der erste berühmte Islamkonvertit aus den Reihen der PVV war im Jahr 2011 Arnoud van Doorn. Auch damals rätselten die Medien über die Motive der Konversion. Auch van Doorn hatte sich vorher mit der PVV und seinem Ziehvater Geert Wilders verkracht, der ihn sogar aus der Partei hinausgeworfen hatte, weil er weiche Drogen an Minderjährige abgegeben haben soll. Van Doorn verlagerte nach seinem Religionswechsel seine politische Tätigkeit um 180 Grad und trat in die islamische „Partij van de Eenheid“ (PvdE) ein, die ihm seinen unislamischen Drogenkonsum verzieh und ihn zum Vorbildmuslim hochstilisierte und sogar für den Stadtrat aufstellte. In der Zwischenzeit war van Doorn zum islamischen Medienstar geworden. Tausende Muslime folgen ihm auf Twitter. Der TV-Sender „Al-Dschasira“ interviewte ihn. In diesem Interview verteidigte er nicht den Drogenkonsum, aber den Dschihad und den Salafismus, der auch Gewalt in der Religion gutheißt.
Im vergangenen Jahr unterstellte die Haager PVV-Stadträtin Willie Dille wenige Tage vor ihrem Selbstmord van Doorn, einige Marokkaner angestiftet zu haben, ihr aufgrund ihrer Islamkritik mit Entführung und Vergewaltigung zu drohen und sie einzuschüchtern. Da die Sozialarbeiterin, die neben fünf eigenen Kindern zwölf behinderte Kinder bei sich aufgenommen hatte, keine Belege für diese Anschuldigungen liefern konnte, stellten die Behörden die Ermittlungen allerdings ein.
Geert Wilders bekämpft nicht die islamische Religion, sondern den Islam als politische Ideologie, die sich auf illegitime Weise als Religion ausgibt, um von den verfassungsmäßig garantierten Religionsprivilegien zu profitieren. Offenbar sieht die Mehrheit der Muslime in Holland den Islam auch in erster Linie als politische Ideologie, sonst hätte sie van Doorn und jetzt van Ackeren nicht deren Islamkritik verziehen. Denn bei beiden haben die strengen Salafisten, die bei Prophetenkritik auch schon Todesstrafen ausgesprochen haben, darauf verzichtet, weil diese offenbar den Islam nicht als Religion gesehen und kritisiert, sondern als politische Ideologie kritisiert hatten. In Deutschland ist die Politik noch nicht so weit, hier durfte ein AfD-Bundestagsabgeordneter nicht Bundestagsvizepräsident werden, weil er im Islam keine Religion, sondern eine politische Ideologie gesehen hatte.
Beide Islamkonvertiten aus der Wilders-Partei, gehören, wie ihr Name „van“ schon sagt, zum holländischen kalvinistischen Adel, der in rechtskonservativen Kreisen bis heute eine große Rolle spielt. Die strengen konservativen Calvinisten hatten in ihren Kämpfen gegen die katholischen spanischen Habsburger ab dem 16. Jahrhundert ein Zweckbündnis mit den Osmanen geschlossen. Sie wollten „lieber Muslime als Papisten“ sein. Aus dieser Zeit stammt das zweideutige Verhältnis vieler calvinistischer Holländer zum Islam. Solange die Calvinisten diesen Kampf zusammen mit den Muslimen führten, bis ins 18. Jahrhundert, waren sie selbst eine Minderheit in ihrem Land und hatten große Sympathien für den Islam, die jetzt bei einigen wieder hochkommen.    Bodo Bost


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