Wenig Berührungsängste

Wie Italiens Politik mit dem Namen Mussolini umgeht

18.05.19

Ende vergangenen Monats haben in Italien Tausende von Menschen das Ende des Faschismus gefeiert. Doch die Erinnerung an Benito Mussolini ist nicht tot, im Gegenteil. Es gibt eine Subkultur in der er verehrt wird, wie ein Popstar, und auch kleinere, legale Parteien, die sich offen in die Tradition von Mussolinis Sozialbewegung stellen, unter anderem die Forza Nuova (Neue Kraft), der Movimento Sociale Italia (Soziale Bewegung Italiens), Fiamma tricolore (Dreifarbige Flamme) und das Progetto Nazionale (Nationales Projekt).
Und so überrascht es kaum, dass die derzeit größte oppositionelle Rechtspartei Fratelli D’Italia (FDI, Brüder Italiens) mit einem Mussolini zur anstehenden Europawahl antritt. Caio Giulio Cesare Mussolini, so sein Name, vertritt den Standpunkt, dass sein Urgroßvater nichts mit Adolf Hitler zu tun habe und er daher stolz auf seinen Namen sein dürfe. In Italien darf man das, stolz sein auf den Namen eines faschistischen Diktators. „Ja, es bringt einem gar Wählerstimmen“, erklärt „Comandante Mussolini“, wie er sich nennt, und hofft auf einen Einzug der FDI ins Europarlament.
Konkurrenz will Mussolini der Lega von Italiens Innenminister Matteo Salvini machen. Dessen Partei ist in den 80er Jahren im Norden entstanden und hat weder personell noch ideologisch mit der alten, nostalgischen italienischen Rechten zu tun. Kritiker sagen dennoch, unter Salvini seien Nationalismus, Fremdenfeindlichkeit und der Flirt mit dem Faschismus wieder salonfähig geworden.
Man kann es drehen und wenden, wie man will, der Name Mussolini zieht in Italien noch immer. So zieht auch die Tante des „Co­mandante“, Alessandra Mus­solini, Tochter von Romano Mussolini, dem zweitgeboren Sohn des Duce, auf der Liste von Silvio Berlusconis Mitte-Rechts-Partei Forza Italia (Italien voran) ins Rennen und hofft auf einen Wiedereinzug ins Straßburger Parlament.
Vor dem Halbfinalspiel der Coppa Italia 2018/19 der Gäste von Lazio Rom gegen die Gastgeber vom AC Mailand zogen rund 60 Fußballfans des römischen Klubs mit einem Banner durch Mailands Innenstadt, auf dem der frühere italienische Diktator verherrlicht wurde. Innenminister Salvini kam auf Grund des politischen und medialen Drucks nicht umhin, den Aufmarsch als „Idiotie“ zu verurteilen.
„Ein taktisches Manöver“, nennt dies die Gruppierung „CasaPound Italia“ (CPI), die sich selbst als „Faschisten des 20. Jahrhunderts“ bezeichnet. Sie gilt derzeit als eine der einflussreichsten rechtsradikalen Organisationen in Italien, benannt nach dem amerikanischen Dichter und Mussolini-Anhänger Ezra Pound (1885–1972). Gegründet wurde sie 2003 in Rom. Die Mitglieder besetzten ein großes leer stehendes Haus und machten daraus ihr Hauptquartier. Salvinis Buch „Ich bin Matteo Salvini“ wird vom CPI-nahen Verlag Altaforte verlegt; der Innenminister nennt das „einen Zufall“. Zwei CPI-Aktivisten waren an der Vergewaltigung einer jungen Frau beteiligt. Die Organisation gab umgehend ihren Ausschluss bekannt. Salvini nannte sie in einer TV-Ansprache „Tiere“. Forderungen der Opposition, der Innenminister möge das Hauptquartier durchsuchen lassen, ist er bislang nicht nachgekommen. Sozialisten-Chef Nicolas Zingaretti kommentierte das mit der Verdächtigung: „Die wissen wohl zu viel über ihn.“    Peter Entinger


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