Wenn Fliegen zur Sünde wird

Der neueste Auswurf der Klimareligion kommt - woher sonst? - aus Schweden

30.04.19

Jede Religion generiert ihre ganz eigenen Sünden. Das gilt auch für den fanatischen Glauben daran, dass allein der Mensch für den Klimawandel beziehungsweise die Erderwärmung verantwortlich sei und daher Verzicht üben müsse, um den Planeten zu retten. Aus der Sicht dieser Klimareligion besteht das schwerste Vergehen unserer Spezies in der Produktion von Kohlendioxid.
Also führt diese Produktion zu Schuld- und Schamgefühlen, welche aus ganz unterschiedlichen menschlichen Handlungen resultieren können: Auto fahren, Fleisch essen, Strom verbrauchen und so weiter und so fort. Neuerdings kommt hierzu auch noch die sogenannte Flugscham beziehungsweise „Flygskam“, wie es auf Schwedisch heißt. Denn in dem skandinavischen Land, in dem man sich offenbar mit am meisten vor einem Temperaturanstieg fürchtet, trat das Phänomen wohl zum ersten Mal auf.
So weigerte sich der Weltcup- und Olympiasieger im Biathlon, Björn Ferry, welcher eine neue Karriere als Sportmoderator beim öffentlich-rechtlichen Fernsehsender SVT gestartet  hat, mit dem Flugzeug zu Sportveranstaltungen zu jetten - weil er damit dem Klima schade. Deshalb finanziert ihm sein fürsorglicher Arbeitgeber nun die Bahnreisen zu den Austragungsorten der Wintersportereignisse.
Gleichermaßen konsequent handelt die Opernsängerin Malena Ernman: Sie steigt seit 2016 in kein Flugzeug mehr. Damit inspirierte die Künstlerin auch ihre Tochter, die Klimaschutzikone Greta Thunberg, welche sich ebenfalls sehr heftig schämt, zu fliegen.
Symptomatisch ist des Weiteren die Haltung des Konzerthauses in Helsingborg, das jetzt bekanntgab, es wolle künftig eher Musiker engagieren, die nicht mit dem Flugzeug anreisen – ohne freilich zu berück­sichtigen, wie sehr diese Ankündigung potenzielle Bewerber aus Schwarzafrika oder Ostasien diskriminiert.
Ihr moralinsaures Gehabe können sich die Schweden natürlich nur leisten, weil sie – obzwar fünf- bis siebenmal häufiger in der Luft unterwegs als der globale Durchschnittsbürger – über gute Alternativen zum Flugzeug verfügen. Das gilt besonders für die Mobilität im Inland. Die schwedische Staatsbahn setzt wegen der Flugscham-Epidemie nämlich jetzt mehr Züge ein.
Das dürfte aber keineswegs die Lösung für die Betroffenen in Deutschland sein, von denen es inzwischen auch genügend gibt. Denn hierzulande grassiert ja parallel zur importierten Flugscham ebenso noch die gleichermaßen quälende, aber hausgemachte Bahnscham. Diese wurzelt aber weniger in ökologischen Schuldgefühlen als im Erschrecken darüber, dass man immer wieder so naiv ist zu glauben, man könne mit der Bahn tatsächlich einigermaßen zuverlässig und in Würde von A nach B gelangen.
Manchmal ist die Bahnscham jedoch auch eine ganz spezielle Erscheinungsform des Fremdschämens. Dazu kommt es beispielsweise, wenn der Zugbegleiter sein Mantra „Senk ju for drawellink wisze Deudsche Boan Ageh“ ins Bordmikrofon brummelt, während sich der gnadenlos überfüllte ICE gerade mit drei Stunden Verspätung ins Ziel schleppt und die letzte noch einigermaßen funktionstüchtige Toilette im Zug verzweifelt röchelnd den Geist aufgibt.
Daher bleibt uns Deutschen wohl nur, in aller Heimlichkeit zu fliegen, und die „Flygskam“ danach sofort in die Tiefen des Unterbewusstseins zu verdrängen. Etwa, indem man den Begriff mit einem schicken und total nachhaltig produzierten tropenholzfreien Ikea-Möbelstück assoziiert. Noch entlastender könnte es freilich wirken, sich auch mal für die politisch korrekten und von Klima-Apokalyptikern provozierten Schamorgien selbst zu schämen.      W.K.


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