Wenn in Europa die Lichter ausgehen

Immer wieder Engpässe im Stromnetz – Ein Werk von Spekulanten, um die Energiepreise hochzutreiben?

16.07.19
Stromnetz war zu starken Schwankungen ausgesetzt: In der Schaltzentrale des Netzbetreibers 50Hertz in Neuenhagen bei Berlin Bild: pa

Im deutschen Stromnetz ist es in den vergangenen Wochen mehrmals zu schweren Krisen mit europaweiten Folgen gekommen. Experten sagen, dass sogar die Systemsicherheit gefährdet war.

In einer Erklärung teilten die vier Netzbetreiber Amprion, Tennet, 50Hertz und TransnetBW mit, dass die Situation mit Unterstützung europäischer Partner gemeistert wurde. Den Angaben zufolge habe die zu geringe Stromeinspeisung in das deutsche Netz zu einem Absinken der Frequenz im gesamten europäischen Verbundnetz geführt. Um das Ungleichgewicht zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch zu schließen, mussten die Netzbetreiber kurzfristig zusätzliche Kapazitäten beschaffen.
„Es bestand keine Gefahr für die sichere Stromversorgung in Deutschland“, teilte ein Sprecher der Netzagentur mit. Die Gründe für das starke Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch seien noch nicht eindeutig geklärt, selbst stärkere Schwankungen bei der Einspeisung von Strom seien „nicht unnormal“.
Die Darstellung von Netzbetreiber Amprion liest sich dagegen weitaus dramatischer. „Die starke Unterspeisung ist im sogenannten Markt für Regelenergie aufgetreten“, sagte ein Amprion-Sprecher: „Dieser dient dazu, kurzfristige Schwankungen auszugleichen, die teils binnen Minuten auftreten. Die Vermeidung solcher Unregelmäßigkeiten ist für die Versorgungsstabilität essenziell wichtig.“ Gerate das System aus dem Gleichgewicht, schwanke auch die Stromfrequenz, was erhebliche Auswirkungen auf die Wirtschaft haben könnte. „Die Lage war sehr angespannt und konnte nur mit Unterstützung der europäischen Partner gemeistert werden“, sagte der Amprion-Sprecher.
Co-Betreiber Tennet bestätigte diese Darstellung: „Um das Ungleichgewicht zwischen Erzeugung und Verbrauch zu schließen, mussten die Netzbetreiber zusätzliche Kapazitäten organisieren. Neben Lieferungen aus dem Ausland ist zusätzlicher Strom an der Börse beschafft worden.“ Auch auf Angebote von Unternehmen, ihren Stromverbrauch gegen Bezahlung abzuschalten, habe man zurückgegriffen, teilte das Unternehmen mit. Das seien festgelegte Prozesse, die gegriffen hätten.
Branchenexperten sehen in den ungenauen Verbrauchs- und Erzeugungsprognosen einen Grund für die Probleme. Die Stromhändler hätten deshalb zu wenig Strom geordert, heißt es. Der „Spiegel“ bringt unter Berufung auf Wirtschaftskreise allerdings auch eine weitere Variante ins Spiel. Marktteilnehmer würden hinter den Engpässen das Werk von Spekulanten vermuten. Es bestehe demnach der Verdacht, dass Händler Versorgungslücken im Regelenergiemarkt zunächst bewusst nicht ausgeglichen hätten, um später höhere Gewinne einzustreichen. Möglicherweise hätten sich in den aktuellen Fällen aber auch Stromanbieter und Netzbetreiber verspekuliert, heißt es.
Mit Blick auf Wind- und Solarenergie könnten auch ungenaue Wettervorhersagen der Grund für die aktuellen Engpässe gewesen sein. Die Netzbetreiber teilten hingegen mit, sie wollten sich zu den Ursachen erst nach einer umfassenden Analyse äußern, die sie zusammen mit der Bundesnetz­agentur erstellen würden. Dies könne bis zu acht Wochen in Anspruch nehmen, hieß es. „Ob es Konsequenzen für Marktteilnehmer geben wird, wäre zu diesem Zeitpunkt Spekulation.“
Klar ist auf jeden Fall, dass auf den Kosten die Verbraucher sitzen bleiben werden. „Die Kosten werden von allen Stromkunden getragen. Als wir die Mengen erhöht haben, musste sich der Markt erst mal darauf einstellen, dadurch ist es – Angebot und Nachfrage regeln den Markt – kurzzeitig zu einer Erhöhung der Preise gekommen. Wir beobachten aber, dass sich die Preise wieder auf Marktniveau einpendeln“, teilte Tennet mit.
Wie komplex das Geschäft mit der Stromversorgung mittlerweile geworden ist, zeigt der Umgang der Europäischen Union mit der Schweiz. Seit Jahren streiten sich die EU-Kommission und die Regierung in Bern um einem Stromkompromiss. Denn die Leitungen machen eben nicht an den EU-Außengrenzen halt. „Die Situation ist heute ernst – und sie verschärft sich weiter“, teilt der Schweizer Netzbetreiber Swissgrid mit. Man werde immer öfter von der Marktentwicklung ausgeschlossen. Und der drohende Brexit, der Austritt der Briten aus der EU, verschärfe die Lage eher noch.
Alles was die Engländer jetzt nicht bekommen würden, würden später auch die Schweizer nicht bekommen. Der Ausschluss der Schweiz werde dazu führen, dass die Stromtarife steigen und die Netzsicherheit zurückgehe. „Nur mit der Integration in den europäischen Strommarkt können nachhaltige Lösungen für die Versorgungssicherheit gefunden werden“, heißt es in einer Pressemitteilung.
Das Strommarktabkommen mit der EU ist für die Drehscheibe Schweiz äußerst wichtig, aber seit Jahren ein richtiger Zankapfel. Die EU hatte den Abschluss dieses Abkommens, das den gleichberechtigten Zugang zum europäischen Strombinnenmarkt regelt, von weitreichenden Schweizer Zugeständnissen in infrastrukturellen Fragen abhängig gemacht. Das Nicht-EU-Land Schweiz verweist dagegen auf die Tatsache, dass es in Baden-Württemberg ohne Zugriff auf das Schweizer Netz jederzeit zu Engpässen kommen könnte.    Peter Entinger


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Kommentare

Christoph Langer:
16.07.2019, 23:49 Uhr

Die hier beschriebenen Probleme einer sicheren Versorgung mit Strom sind die direkten Folgen der Privatisierung der Versorgung mit Strom und dem Wahn, ein Industrieland mit Ökostrom betreiben zu wollen. Dazu kommt die Einrichtung der Strombörse in Leipzig. Deren einziger Zweck darin besteht, Spekulationsgewinne mit Strom zu erzeugen. Angekündigt wurden günsterige Preise für Strom wegen des Wettbewerbs - wer es glaubt.
Zum sogenannten grünen Strom, Wind und Sonne. Beide sind sehr unzuverlässliche Energielieferanten und gefährden die zuverlässige Versorgung auf das Äußerste. Besonders die Solaranlagen. Nächtens nicht ein bischen Strom und am Tage bei bewölktem Himmen binnen Sekunden von nahe Null auf Hundert und umgekehrt. Je nachdem, zieht eine Wolke auf oder ab. Wind ist nicht so stark schwankend, doch das Resultat ist nicht viel anders als bei Sonnenstrom. Ist beides reichlich vorhanden, Solar- und Windstrom, wird dieser teilweise mit Minuspreisen an unser Nachbarn "verkauft". Im anderen Fall sind meist recht gesalzene Preise zu zahlen und die Stromspekulanten an der Leipziger Börse nutzen solche Situationen weidlich aus. Das ist nur noch krank.
Die Vergangenheit hat bewiesen, es geht besser. Der Strom wurde auf herkömmliche Weise erzeugt und Spitzenlasten oder Niedriglastzeiten wurden z.B. mit Pumpspeicherwerken ausgeglichen. In Zeiten mit einem Überschuß an Strom wurde Wasser aus einem tiefer gelegenen Stausee in einen höher liegenden gepumt. Stieg der Bedarf in Spitzenlastzeiten über die verfügbare Grundlast, lieferte das Pumpspeicherwerk den fehlenden Strom. Hat wunderbar funktioniert. Keine Spekulanten, stabile niedrige Preise. Im Gegensatz zu jetzt.


pol. Hans Emik-Wurst:
16.07.2019, 17:38 Uhr

Das Problem entstand, weil Dampfkraftwerke immer häufiger davor zurückschrecken, die Kapazität für wenige Stunden hochzufahren. Dies bedeutet nämlich einen immensen finanziellen Verlust! DAS WETTER IST UNPLANBAR!

JEDER ÖKOSTROM stört das Verbundnetz technisch. Gleichstrom, der einen Wechselrichter durchläuft, liefert eine treppenartige Sinuskurve, keine analoge. Dies reduziert die Nutzungdauer von Wechselstromgeräten und Wechselstrommaschinen. Die Transformatoren verschleißen vorzeitig. Das Netz selbst wird instabil. Es kann nur mit einer sauberen Sinuskurv synchronisiert werden.

Maximal 55 Prozent Ökostrom können eingespeist werden. Dann kollabiert das Netz. Diese physikalische Grenze wird seit vielen Jahren immer häufiger erreicht. Also werden Ökostromanlagen vorher abgeschaltet oder Großverbraucher wie Schwerindustrien zwangsweise abgeschaltet, was wiederum enorme finanzielle Verluste verursacht.

Unter hoher Zuzahlung wird Ökostrom ins Ausland geleitet, um die Statistik über 55 Prozent hinaus zu fälschen! Technische Sperren sind in Planung, um sich vor dem Wahnsinn deutscher Hornochsen zu schützen.

Die Störungen von Natur und Mensch, Umwelt und Wirtschaft sind nur Kollateralschäden. Der Stromverbraucherschutz NAEB ist die einzige Organisation, die seit 2009 so argumentiert. Wir haben den Begriff Fake-Strom geprägt. Jedes Windrad zum Zwecke der Einspeisung ist eines zu viel. ALLE SIND ÜBERFLÜSSIG.

Es gibt weder eine Stromwende, noch gibt es eine Energiewende. Es ist alles nur Lug, Trug und Schwindel von Schildbürgern!

www.DZiG.de/Oekostrom_Die-Grenzen-des-Wachstums
www.dz-g.ru/Deutschland-hat-Physik-abgewaehlt
www.NAEB.tv
www.NAEB.info


Gerhard Umlandt:
16.07.2019, 16:50 Uhr

Warum das Ausland den deutschen Windrad-Deppen
überhaupt noch hilft, ist unverständlich.
Wenn die Idioten-Deutschen mit ihrem
"Merkel-Windrad-Strom" untergehen wollen,
sollen sie doch!
Dann wird sich der antideutsche MultiKulti-Quatsch
übrigens auch erledigt haben!
Der BLACKOUT hat HOHES POTENTIAL diese
nichtdeutsche Ethno-Regierung wegzuräumen!
(SPIEGEL; Sie verstehen?)
14 Tage kein Strom und wir leben in einer
völlig anderen Welt!
CSU-Söder predigte übrigens vor ca. 3 Wochen,
dass er den Kohlebergbau noch lange vor den
Grünen abschaffen wolle!
Na, da wünsche ich Ihnen viel Spass dabei,
Herr "der Islam gehört zu Bayern"-Ministerpräsident!


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