Wer ausschert, wird erledigt

27.06.12

Es sind vor allem die letzten rund 40 Seiten, die bewegen, Erschütterung hervorrufen und vor allem Wut: Für ihr Buch „Das Medienkartell. Wie wir täglich getäuscht werden“ hat die einst in der Öffentlichkeit gefeierte „Tagesschau“-Sprecherin Eva Herman und dann in einer medialen Hetzjagd wegen ihrer vom Zeitgeist abweichenden Meinungen um Job und Reputation gebrachte Journalistin zwei interessante Interviews geführt. Ihre Gesprächspartner sind der ehemalige CDU-Bundestagsabgeordnete Martin Hohmann, dem unterstellt worden war, er hätte in einer Rede antisemitische Äußerungen getätigt, und der ehemalige Kommandeur der Bundeswehr-Elitetruppe KSK, Brigadegeneral a.D. Reinhard Günzel, der, weil er Hohmann in einem Brief Mut zusprach, vom damaligen Verteidigungsminister Peter Struck (SPD) unehrenhaft entlassen wurde.
Alles, was Eva Herman zuvor über öffentliche Meinungsmache, politisch motivierten oder schlechten Journalismus und gezielte Desinformation geschrieben und anhand mehr oder weniger gute Beispiele belegt hat, wird von den beiden Männer bestätigt. Hohmann wie Günzel bestätigen zudem, wie sich die meisten Freunde und Kollegen von ihnen abgewandt haben, nachdem die Medien über die beiden Männer hergefallen waren. Hohmann lobt ausdrücklich seine Kollegen Norbert Geist und Vera Lengsfeld, die sich als einige der wenigen nicht von dem Strom der Hetze mitreißen haben lassen und sich selbst ein Bild von der Lage gemacht haben. Auch die „Junge Freiheit“ und die Preußische Allgemeine Zeitung erwähnt Hohmann, da im Grunde nur sie sich die Mühe gemacht haben, seine umstrittene Rede vollständig zu lesen. Die meisten Medien hätten, wie zuvor bereits von Herman als grundsätzliches Phänomen kritisiert, ohne eigene Recherche einfach die Behauptungen aus der „Tagesschau“ übernommen. Er habe gesagt, dass weder die Deutschen noch die Juden ein Tätervolk seien, doch die „Tagesschau“ habe das Gegenteil daraus gemacht und alle anderen Medien unterstellten ihm fortan, er hätte behauptet, die Juden seien ein Tätervolk. Kurz darauf wurde Hohmann aus seiner Partei verstoßen und wurde mit Klagen überhäuft. In dem vorliegenden Buch berichtet er von den Ergebnissen der Klagen und seiner Kritik an der Justiz. Ein interessantes Detail ist, dass der jetzt wegen seiner Kritik bei der Euro-Rettung an den Rand der CDU gedrängte Wolfgang Bosbach es war, der Hohmann-Unterstützter in den eigenen Parteireihen androhte, ihnen würde „klare Kante“ gezeigt, sollten sie sich nicht von Hohmann distanzieren.
Günzel wiederum beschreibt, wie er als Gipfel der Demütigung seine Entlassungsurkunde auch noch ohne die Dankesformel „Für die dem deutschen Volk geleisteten treuen Dienste spreche ich Ihnen Dank und Anerkennung aus“ erhielt. Doch Günzel meint, dass wenn man schon auf dem Scheiterhaufen stünde, es egal sei, mit welcher Art Holz man verbrannt werde. Trotzdem erschüttert es den Leser zu erfahren, wie Günzel aus politischen Motiven heraus von seinem Vorgesetzen behandelt wurde. Wie ein Krimineller aus der Bundeswehr entlassen, mieden ihn plötzlich seine Kollegen. Jener, der ihm Anerkennung zollte, wurde bis heute nicht befördert. „Die große Leistung der Linken besteht ja eben gerade darin, ein aufgeklärtes Volk in dieser Beziehung quasi gleichgeschaltet zu haben und damit selbst bei intelligenten Menschen Verhaltensweisen auszulösen, die sich unserem Verstand weitestgehend entziehen“, so Günzels Fazit der Affäre. Mit diesen Worten schlägt er wohl eher unbewusst den Kreis zu dem zu Beginn des Buches von Hermann zitierten Immanuel Kant, der dazu aufrief, sie seines eigenen Verstandes zu bedienen. Doch: „Faulheit und Feigheit sind die Ursachen, warum ein so großer Teil der Menschen … dennoch gerne zeitlebens unmündig bleibt.“ 
Rebecca Bellano

Eva Herman: „Das Medienkartell. Wie wir täglich getäuscht werden“, Kopp, Rottenburg 2012, gebunden, 254 Seiten, 19,95 Euro

Eva Herman


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Kommentare

Eisenblätter Wilhelm:
2.07.2012, 20:55 Uhr

Überaus erfreulich, daß Eva Herman weiter Position bezieht. Sie ist darum besonders liebenswert und reiht sich mit den Männern Günzel und Hohmann wertvoll kritisch ein.
Alle drei tragen schwer an dem Haß, der ihnen entgegenschlägt.


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