Widerstand gegen Asylunterkunft in Hamburger Nobelviertel

30.10.14

Wohnen in allerbester Lage – das ist ein Privileg, das nach dem Willen des Hamburger Senats auch Asylbewerber genießen sollen. Damit wollen die mit absoluter Mehrheit regierenden Sozialdemokraten ein Zeichen setzen, dass auch die Bewohner exklusiver Stadtteile zur Bewältigung des Zuwandererstroms ein Opfer bringen sollen. Das hat er sich einiges kosten lassen und dem Bund für 14 Millionen Euro das ehemalige Kreiswehrersatzamt im Nobelviertel Harvestehude abgekauft. Nach dem mit 4,8 Millionen Euro veranschlagten Umbau sollen hier ab Sommer kommenden Jahres 220 Asylbewerber in abgeschlossenen Wohnungen untergebracht werden. Das leer stehende Gebäude sei für diesen Zweck „hochgradig geeignet“, begründete das zuständige Bezirksamt den Kauf und teilte vorsorglich mit, dass man an der Sache „auch bei Widerstand aus der Nachbarschaft nicht ruckeln“ werde.

Zunächst schien es, als gäbe es für diese Befürchtung gar keinen Anlass, denn die Anwohner schienen den Senatsplan zu akzeptieren. Einige gründeten sogar die „Initiative Flüchtlingshilfe Harvestehude“, um ihre neuen Nachbarn willkommen zu heißen, ihnen Deutsch beizubringen, sie zu Behörden zu begleiten und ihre Kinder zu betreuen.

Doch mittlerweile ist einigen der Besitzer der Luxusimmobilien am westlichen Alsterufer aufgegangen, was auf sie zukommt. Deshalb versuchen nun drei von ihnen, den Umbau mit einem Eilantrag beim Verwaltungsgericht zu verhindern. In der Sache würden sie sich nicht „gegen die Einrichtung als solche“, sondern gegen deren Größe wehren. Diese sei „durch keinerlei bodenrechtliche Argumente gedeckt“ und für ein besonders geschütztes Wohngebiet „nicht gebietsverträglich“, ließen sie durch ihren Rechtsanwalt mitteilen. Für das Areal gelten seit Jahrzehnten besonders strenge Bau- und Nutzungsregeln, die beispielsweise „gewerbliche und handwerkliche Betriebe, Läden und Wirtschaften sowie Leuchtreklame“ verbieten. Vordergründig geht es in dem Eilantrag also um baurechtliche Belange, tatsächlich aber um das, was in dem Eilantrag mit „erheblichem Störungspotenzial“ und „Unruhe“ im Stadtteil umschrieben wird: die Angst der Kläger vor Kriminalität, Lärm, zunehmendem Kfz-Verkehr und sozialen Problemen.

Sollte das Gericht dem Eilantrag stattgeben, hätte das faktisch einen sofortigen Baustopp zur Folge, teilte dessen Sprecher mit. Die Stadt lässt sich von der Aussicht, mit dem Baubeginn Steuergelder möglicherweise in den Sand zu setzen, jedoch nicht beeindrucken und hält „in jedem Fall“ an ihrem Zeitplan für den Umbau fest. Solange es keinen Baustopp gäbe, würden die Arbeiten wie geplant durchgeführt werden. Auch die Flüchtlingsinitiative, die grundsätzlich Verständnis für die Ängste der Nachbarn zeigt, will durch deren juristischen Widerstand „keine Beeinträchtigung ihrer Arbeit“ erkennen. Für den Fall, dass das Verwaltungsgericht die Pläne für die Gemeinschaftsunterkunft zunichtemachen sollte, könnte die Stadt das teure Filetstück sicherlich ohne Verlust wieder abstoßen. Die bis dahin in den Umbau geflossenen Steuergelder hingegen wären unwiederbringlich verloren. J.H.


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!