Wie ein Stich ins Wespennest

Thilo Sarrazins Buch zum Islam wird in Politik und Medien zerrissen − und ein Bestseller

06.09.18
Buchvorstellung im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin: Alexander Kissler, Thilo Sarrazin und Heinz Buschkowsky (v.l.) Bild: Leh

Thilo Sarrazin traut sich was. Islamkritische Bücher gibt es viele – aber kaum eines mit einem derart provokanten Titel: „Feindliche Übernahme – Wie der Islam den Fortschritt behindert und die Gesellschaft bedroht“. Im Haus der Bundespressekonferenz in Berlin wurde das Buch mit Thilo Sarrazin vorgestellt, und zwar zunächst von Heinz Buschkowsky.

Wie in ein Wespennest gestochen hat Thilo Sarrazin mit seinem Buch über den Islam und die Folgen muslimischer Einwanderung nach Deutschland. Geradezu hysterisch reagierten führende SPD-Politiker. Noch bevor sie das Werk gelesen hatten, wurden Verdammnisurteile ausgesprochen und eine strenge Prüfung des Buches angekündigt, um den Genossen endlich aus der Partei werfen zu können. Vizekanzler Olaf Scholz (SPD) hatte erklärt: „Meine Bitte an die Medien: Macht dieses Buch nicht wichtiger, als es ist.“ Doch obwohl wie gleichgeschaltet nahezu alle Medien das Buch nur herunter machten, kletterte es sofort auf Platz 1 der Bestsellerliste des Versandbuchhändlers „Amazon“. Dort sind Rezensionen überschrieben mit „Es ist ein notwendiges Buch“, „Diese Wahrheit wollen unsere Politiker nicht hören“, „Unbedingt zu empfehlen“ oder „Hut ab, Herr Sarrazin“.
In der SPD schreckte man auch vor Beleidigungen und Angriffen unter der Gürtellinie nicht zurück. So bescheinigte das SPD-Präsidiumsmitglied Ralf Stegner Sarrazin laut der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“, dieser sei angeblich „charakterlich gescheitert“. Und: „Das einzige Interesse Thilo Sarrazins ist Thilo Sarrazin und sein kommerzieller Erfolg.“ Als ob der frühere Staatssekretär, Berliner Finanzsenator, Bundesbanker und bereits höchst erfolgreiche Autor es noch nötig hätte, mit 73 Jahren aus finanziellen Gründen ein weiteres Buch zu schreiben, und keine inneren Überzeugungen hätte. In dasselbe Horn stieß der SPD-Bundestagsabgeordnete Karl Lauterbach. Auf Twitter behauptete er: „Sarrazin nutzt SPD-Mitgliedschaft, um Geld zu machen. Wäre er nicht bei uns gewesen, hätte sich niemand für seinen Stuss interessiert.“
Auch der SPD-Nachwuchs meldete sich zu Wort. Der Juso-Bundesvorsitzende Kevin Kühnert haute auf Twitter dabei auch noch den früheren SPD-Bezirksbürgermeister von Neukölln, Heinz Buschkowsky, in die Pfanne: „Die Vorstellung des Sarrazin-Buches übernimmt heute Heinz Buschkowsky. Das sagt mehr über Buschkowsky, als über den Autor. Gut, dass er jetzt mal deutlich entschieden hat, in welchem Team er spielt.“ Der bekannte Blogger „Don Alphonso“, der selbst 33 Jahre SPD-Mitglied war, twitterte darauf: „Studienabbrecher und Parteifunktionär Kevin aus einer westberliner Beamtenfamilie urteilt über einen SPD-Mehrheitenbringer, der sich aus einer armen, teilweise geflohenen Familie in einem Keller selbst nach oben gearbeitet hat. Falls sich jemand fragt, warum die SPD untergeht.“
Der Raum im Haus der Bundespressekonferenz war bei der Buchpräsentation voll besetzt. Polizisten mit Schutzwesten und in Zivil waren präsent. Vor Sarrazin baute sich eine Wand von Kameras und Mikrofonen auf. Kerzengerade wie ein preußischer Gardeoffizier stand er am Podiumstisch und hielt sein Buch mit grünem Umschlag hoch. Grün ist auch die Farbe des Propheten Mohammed – wohl nur ein Zufall, aber passend.
Buschkowsky erklärte, man habe ihn gebeten, das Buch aus seiner Sicht vorzustellen, weil er „nach wie vor in einer Stadtregion lebe, die sehr stark geprägt ist von Migration“. Es war aber wohl auch ein kluger Schachzug, das SPD-Mitglied Buschkowsky das Werk vorstellen zu lassen. Der Ex-Bezirksbürgermeister machte zwar auch einige kritische Einwände gegenüber dem Buch – etwa, ob und wie man tatsächlich einen Zuzug von Muslimen „grundsätzlich unterbinden“ könne, wie es Sarrazin fordert – gar mit militärischen Mitteln. Doch es wurde klar, dass für Buschkowsky ein Parteiausschluss Sarrazins ein Unding wäre. Auch kritisierte er etwa die stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Eva Högl, die erklärt hatte, das Buch gar nicht erst lesen zu wollen. „Ich halte das für schlecht“, sagte Buschkowsky, „dass sie nicht einmal wissen will, welche politische Debatte auf welchem Hintergrund stattfindet.“
Sarrazin schreibe, aus islamischen Staaten kämen „keinerlei Impulse für den Fortschritt der Menschheit“, weder bei Patenten noch beim Bildungserwerb ihrer Bürger. Das „praktische Leben“ auch in der Diaspora sei geprägt von „Bildungsversagen, Arbeitslosigkeit,Transfer-Bezug, einem völlig absurden Frauenbild, starker Kriminalitätsneigung, einer hohen Gefahr der Radikalsierung jüngerer Leute“. Und von einer Geburtenrate, „die das eigentliche Problem und die eigentliche Bedrohung“ der westlichen Welt darstelle.
Bezüglich der „Praxisbeispiele“ Sarrazins könne er dessen Darstellung nur bestätigen: „Ja, die Entwicklung in den Stadtlagen ist so. Sie ist in Teilen sogar schlimmer, als er sie beschreibt.“ Buschkowsky setzte noch eins oben drauf: „Ich glaube allerdings, wenn er es so beschrieben hätte, wie es tatsächlich ist, dann wäre das Ausschlussverfahren schon am Laufen.“ Auch er, Buschkowsky, habe sich beim Schreiben seiner eigenen Bücher „immer selbst anbinden müssen, um nicht zu stark zu formulieren“.
Thilo Sarrazin fasste die wichtigsten Aussagen seines Buches zusammen. Er verwies auch auf sein Werk „Deutschland schafft sich ab“. Umfragen hätten damals schon gezeigt, dass die von ihm angesprochenen Probleme einen großen Stellenwert in der Bevölkerung gehabt hätten. „Alles kam bislang deutlich schlimmer, als vor acht Jahren von mir analysiert – auch dank der seitdem betriebenen Politik der Bundesregierung.“ Die SPD stünde heute seiner Überzeugung nach besser da, wenn sie seine Analysen „intensiver studiert“ und nicht verdrängt hätte. „Es gäbe heute keine AfD im Bundestag“, meinte er. Alexander Kissler vom Magazin „Cicero“ hatte die Buchvorstellung und Pressekonferenz moderiert und schloss mit den Worten: „Die folgenden Wochen werden zeigen: Kann Deutschland Debatte?“    Michael Leh


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Kommentare

Chris Benthe:
12.09.2018, 09:54 Uhr

@ Rainer Redeker: hervorragender Kommentar zu einem exzellenten Artikel.
Aufklärung tut not, um einem leider dummen Volk, das noch immer zu 80 % seinen eigenen Untergang wählt, endlich die Augen zu öffnen !


Jan Kerzel:
9.09.2018, 21:55 Uhr

Das christliche Credo ist substantiell erloschen. Das NT ist zum Buch vom guten Mann mutiert, mit schönen Geschichten, die das Herz erwärmen. Das AT hat keine Bedeutung mehr, obwohl der Zusammenhang zwingend ist. Nun leben die politischen Eliten und zahlreiche Änhänger die Frohe Botschaft in ihrem Verständnis real aus. Die Amtskirchen freuen sich , dass ihr Programm so stark in den Staat hineinwirkt, dass selbst linke Atheisten die Bibel im Bundentag zitieren. Also eine große Einheit in der Wahrnehmung und Interpretation der Welt!Hier wird der Islam freudig als Bereicherung verstanden, denn er steht in der Tradition er Buchreligionen von einem Gott. Dann soll es so sein! Was in hundert Jahren ist, braucht uns heute nicht zu interessieren, wir wissen es nicht.


rainer redeker:
6.09.2018, 14:32 Uhr

Sarrazin hat recht: Der Islam kollidiert mit unserer Gesellschaft und unserem Wertesystem!

Beängstigend ist die gnadenlose und weltfremde Bildungsferne unserer unfähigen Politiker, ohne Weitblick, mit dem Umgang einer Religion, mit Namen Islam. Das kann man in hervorragender Weise zum Thema Sarrazin sehen und lesen. Erschwerend kommt hinzu, dass das politische und religiöse Establishment ein nicht zu unterschätzendes Defizit aufweist, welche Regeln und Strategien in der koranischen Lehre fest verwurzelt sind, was eine Nachlässigkeit ist und irgendwann mal bestraft wird.
Der Islam wurde u.a. nicht gegründet, um mit anderen religiöse und politische Macht zu teilen! Ein Blick in die islamische Welt sollte ausreichen. Hinter dem religiösen Gefummel des Islam verbirgt sich eine Doktrin, mit fest vorgegebenen Machtstrukturen und Regeln, wo der Zugang zur menschlichen Seele, Barmherzigkeit und Verzeihung nicht vorkommt, das Individuum keine Rolle spielt und Religion keine Privatsache ist. Im Islam ist der Mensch nicht frei, sondern gehorsam!

Warum setzt man sich nicht kritisch mit den Aussagen des H.Sarrazin, zum Thema Islam, auseinander.
Spielt es für diese Kritiker keine Rolle, dass die islamischen Verbände in früheren Islamkonferenzen zum Grundgesetz keine Meinung hatten? Ignorieren die gleichen Kritiker den Umstand, dass in vielen Großstädten, dort in einigen Stadtteile, diese von der Staatsgewalt (Polizei) gemieden werden muss und man resignierend feststellen muss, hier keinen Einfluss mehr zu haben? Das Straftaten durch diesen Kulturkreis verschleiert und relativiert werden, was einem Affront gegen die Mehrheitsgesellschaft gleich kommt (Kulturbonus). Muss die Gesellschaft leidvoll erfahren, dass die Einführung des islamischen Wertesystems, mit seinen Sitten und Gebräuchen, ständig am wachsen ist, und dieses einen und höheren Stellenwert als das GG oder die hiesige Kultur und Lebensweise hat?

Keine andere Ethnie focussiert ihre Andersartigkeit so wie muslimischen Türken, getrieben durch ein extremes Nationalbewusstsein, nach dem Motto: "Ne mutlu Türkum dyene" Welches Glück wird dem zuteil, der sagen kann "ich bin ein Türke". Damit verblassen alle anderen Ethnien, und werden zur Unkenntlichkeit degradiert. Solche Einstellungen, in der Tiefe, findet man bei keiner andere Migrantengruppe und das macht das Zusammenleben so schwierig. Deshalb, in der Opferrolle, in der sich die Türken oder Muslime gerne sehen, entbehrt hier jeder Grundlage.


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