Willkommen im Mittelalter!

Warum die nächste WM gleich in Katar stattfinden sollte, wieso das niemand ablehnen dürfte, und welche Fragen wir nicht mehr stellen / Der Wochenrückblick mit Hans Heckel

03.08.14
Zeichnung: Mohr

Endlich werden Nägel mit Köpfen gemacht: Führende Politiker der Union fordern, dass wir den Russen die Fußball-WM 2018 wieder wegnehmen. Als Strafe für alles, was die US-Geheimdienste an Beweisen zu Putins Untaten in der Ukraine ins Fenster gestellt haben.
Einige meinen schon, Deutschland, dessen Anlagen von 2006 noch gut in Schuss sind, könnte sich ja bewerben als Ersatz für die finsteren Moskowiter. Aber warum denn? 2022 wäre Katar dran, und da bauen die ja schon ganz eifrig. Wenn man die Peitsche nur noch etwas schwungvoller auf den Rücken der Sklavenarbeiter am Golf tanzen ließe, werden sie vielleicht schon vier Jahre früher fertig. Alles eine Frage der Motivation der Arbeiter.
Von Motivation verstehen die Kataris eine ganze Menge. In aller Herren Länder motivieren sie islamistische Gruppen wie die Moslembrüder, immer noch etwas härter zuzupacken bei der Ausmerzung des Unglaubens. Hinter einer endlosen Reihe von Fanatikerzellen weltweit steckt katarisches Geld. Nach Informationen der syrisch-katholischen Kirche auch hinter der Gruppe „Islamischer Staat“, kurz IS, besser unter dem bisherigen Namen Isis bekannt. Die mordet sich gerade durch Syrien und Irak.
Beste Voraussetzungen also für eine „Fußballweltmeisterschaft des interreligiösen Dialogs und der Toleranz“ in dem Golf-Emirat. Dort hätten wir die WM gern schon vier Jahre früher, statt unsere Goldjungs 2018 bei diesen undurchsichtigen Russen kicken zu lassen. Da ist ja nicht bloß diese Ukraine-Sache. Auch mit den Menschenrechten soll es hapern bei den Russen und überdies hegen Beobachter Zweifel, dass es bei den Wahlen dort immer mit rechten Dingen zugeht. Katar dagegen ist von jedem Verdacht der Wahlfälschung frei. Es gibt nämlich gar keine Wahlen, das Emirat ist eine absolute Monarchie, der auch die Medien zu gehorchen haben. Und was Menschenrechte sind, steht in der Scharia, dem islamischen Recht, das in Katar gilt.
Also jetzt mal wieder nüchtern werden: Soll das ein Witz sein? An so ein Land vergeben sie die WM, und an Russland werden „Zweifel“ laut? Ja, genauso ist das. Und wissen Sie warum? Nein?
Der Trick geht ganz einfach. Wer Katar kritisiert, kann es gar nicht vermeiden, irgendwann auch am Islam entlang zu schrammen. Denn praktisch alles, was mit dem Rechtssystem und der Kultur des Landes zu tun hat, ist aufs Engste mit jener Religion verflochten, meist sogar direkt aus ihr hergeleitet.
Sollten Sie also der verwegenen Idee verfallen, an Katar als WM-Ausrichter herum zu nörgeln, haben wir Sie sofort als „Islamhasser“ beim Wickel. Denn Kritik am Islam ist verboten.
Haben Sie es nicht bemerkt? Wir sind Zeugen eines Epochenwechsels: Der kalte Wind der Aufklärung, der seit der frühen Neuzeit über Europa fegte, beginnt, sich sachte aber stetig zu legen. Der wohlige Muff des Mittelalters breitet sich statt seiner wieder aus.
Die Aufklärung hatte die ungemütliche Regel mitgebracht, dass alles und jeder kritisiert werden durfte: Herrscher und Systeme, wissenschaftliche Gewissheiten, Überzeugungen und – ja: auch Religionen. Das war vorher undenkbar. Wer nicht gläubig war, der hatte wenigstens so zu tun. Oder er hatte wenigstens die Klappe zu halten. Spätestens seit dem 19. Jahrhundert dagegen konnte man Religion ganz offen attackieren, ja, sie sogar als gefährlich verdammen oder als Volksverdummung (Karl Marx: „Religion ist Opium für das Volk“) verachten. Ganz öffentlich.
Das war einmal, das haben wir hinter uns. Eine Religion öffentlich in Gänze abzulehnen, ist nicht mehr statthaft, denn „wer eine Religion pauschal ablehnt, der stellt sich gegen Millionen und Milliarden von Menschen, die in ihrer überwältigenden Mehrheit friedlich leben“.
Das Zitat habe ich von Kai Diekmann, dem Chefredakteur der „Bild“-Zeitung. Im Verlagshaus Springer tobt gerade heftiger Tumult, weil der Vizechef der „Bild am Sonntag“, Nicolaus Fest, geschrieben hatte, „der Islam stört mich immer mehr“ wegen der „weit überproportionale(n) Kriminalität von Jugendlichen mit muslimischem Hintergrund“ und der „totschlagbereite(n) Verachtung ... für Frauen und Homosexuelle“. Fest mag auch „Zwangsheiraten, ,Friedensrichter‘, ,Ehrenmorde‘ “ nicht, die er mit dem Islam in Verbindung bringt, ebenso wie „antisemitische Pogrome“. Wegen seiner gesammelten Eigenschaften, wie Fest sie sieht, sei der Islam ein „Integrationshindernis“, was man „bei Asyl und Zuwanderung ausdrücklich berücksichtigen“ sollte.
Nachdem das am Sonntag in Fests Blatt gestanden hatte, brach ein Sturm los. „Gruselig“ und „dumm“ findet die „taz“ den Fest-Kommentar, der Autor sei ein „Idiot“. Und „Bild“-Chef Diekmann lässt keinen Zweifel, dass in seinem Hause „kein Raum“ sei für Fests Meinung. Der „Tagesspiegel“ treibt es ganz geschickt und erklärt Fests „Islamhass“ listig selbst zur „Religion“ deutscher „Rassisten“.
Letzteres ist besonders aufschlussreich: Es war kennzeichnend fürs Mittelalter, dass Unterschiede der Anschauungen fast immer religiös definiert waren: Moslem oder Christ etwa. Selbst in der Wissenschaft war neben der Sache auch immer enorm wichtig, ob eine These gottgefällig war oder nicht. Im Zeitalter der Aufklärung hingegen stritten die Protagonisten nur noch um politische und wissenschaftliche Anschauungen und ließen die Religion in der Kirche. Die „Tagesspiegel“-Kommentatorin steht indes wieder dermaßen tief im Mittelalter, dass sie sich selbst die Ablehnung einer Religion nicht anders erklären kann denn als Ausdruck einer weiteren Glaubensrichtung, die sie mal kurz die „Religion der Islamhasser“ tauft.
Orthodoxe islamische Geistliche und Prediger dürfen sich in ihrem Erfolg sonnen. Ohne dass wir es merken, haben sie unser Denken zurückmanipuliert in jene längst überwundene Epoche, in der sie sowieso am liebsten gelebt hätten. Nur ein paar Wörter mussten sie austauschen, damit es nicht so auffällt, denn die neuen Mittelaltermenschen kommen sich selbst unverdrossen vor wie die Spitze des Fortschritts. Ein Irrtum, den sie unbedingt beibehalten müssen, damit sie auch weiter so gut funktionieren.
Daher heißt es nicht mehr „Ketzerei“, wenn jemand die (selbstredend einzig wahre) Religion aufs Korn nimmt, sondern „Verletzung der Gefühle von Millionen und Milliarden friedlicher ...“ Und was im ersten Durchlauf des Mittelalters noch als Bannspruch unfehlbarer Religionsführer dekretiert wurde, das wird uns heute als „Regeln der Toleranz“ aufgepresst.
Dass es letztlich das Gleiche ist, beweist der Umgang mit kritischen Fragen. Wenn wir beispielsweise von Greueltaten muslimischer Gruppen gehört haben, wird verlesen, dass „der Islam“ eine „Religion des Friedens“ sei und die Totschläger nur irregeleitete Abweichler. Wenn jemand dann nachweist, dass der Islam sehr wohl gewaltgeneigte Aspekte aufweist, dann wird er barsch zurechtgewiesen, dass es „den“ Islam gar nicht gebe, sondern nur eine „bunte Vielfalt ganz unterschiedlicher Richtungen“.
Da juckt natürlich die Frage auf der Zunge: Wie kann „der“ Islam eine Religion des Friedens sein, wenn es „den“ Islam gar nicht gibt? Sehen Sie: Aber genau diese Frage stellen wir selbstverständlich nicht, weil wir als Menschen des neuen Mittelalters längst gelernt haben, dass es sich nicht gehört, auf solch freche Weise in den Ratschlüssen der Großen her­umzufummeln, wie wir es noch in der Zeit der verfluchten Aufklärung getan hätten.
Nicht nur unser Reden können wir mittlerweile perfekt kontrollieren, auch unser Gehör. Als die Männer des IS neulich verkündeten, dass sie bis 2020 Madrid erobern wollen, haben wir das vielleicht vernommen, aber gehört haben wir es im eigentlichen Sinne trotzdem nicht. Wenn doch, dann machen wir uns sofort selber klar, dass das mit „dem“ Islam ja gar nichts  ... Sie wissen schon.


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Kommentare

Rainer Brunotte:
10.08.2014, 17:59 Uhr

Ja, natürlich meine auch ich, dass man Russland nicht bestrafen solle weil es angeblich im Ukraine-Konflikt bösartig und kriegstreiberisch war. Natürlich meine auch ich, dass EU-Vertreter, vor allem Karlspreisträger und -verleiher sich an die eigene Nase fassen sollen, wenn es um die Ukraine geht.
Aber Russland die WM entziehen um es zu bestrafen? Das ist lächerlich, ein Misverständnis. Die Russen wollen doch gar nicht die WM. Sie sind kein fußballbegeistertes Volk. Sicher gibt es in Russland ein paar Anhänger dieser Sportart, ein paar Fußballvereine, einen Verband der Ligenbetrieb organisiert und im formellen Sinne eine erste Liga. Dieser Verband organisiert dann zusammen mit der FIFA die WM.
Diese WM 2018 ist dann für die FIFA dasselbe wie die WM 1994 in den USA: eine Werbetour der FIFA. Sie hofft, dass die WM im eigenen Land zu haben die Sportart dort popularisiert. Das ist in den USA damals unmittelbar gottseidank nicht eingetreten. Auch die Russen haben ihre eigenen besseren Sportarten: eine russische Version von Billiard, ein russisches Schlagballspiel, aber allem voran Bandy und Eishockey. Und Eishockey ist ein internationaler Sport.
Sollte die WM in Russland nicht stattfinden, hieße das, dass ein Kelch an den Russen vorbeigegangen ist. Ein paar Russen dürfte es ärgern, die meisten aber nicht. Die FIFA darf froh sein, dass sie in Russland zu Gast sein darf; im Gegensatz zu Brasilien und Deutschland, wo die WM immer willkommen ist und der Gastgeber froh sein muss. Und den Amerikanern redet man ein, alle welt gucke Fußball nur sie nicht. Nein, u.a. die Russen auch nicht.
Katar hingegen ist ein guter Gastgeber. Der Fußball hat seine Wurzeln in Persien, also im Iran, und zwar nicht im altertümlichen Persien, sondern im mittelalterlichen islamischen Persien. Der Orient liebt Fußball. Weder Iran noch Katar sind fremdkörper in der internationalen Gemeinschaft der fußballbegeisterten Länder noch ist der Fußball ein fremdkörper in Katar. Fußball-WM in Katar ist eine gute Sache, egal ob sie dort 2022 stattfindet oder 2018.


H. Audehm:
9.08.2014, 11:07 Uhr

Uns was nehmen wir den USA für die massenhafte und flächendeckende Spionage weg und für die Vergiftung der Erde durch Fracking, Uranmunition und für die vielen Atombomben-Tests und deren Opfer?


sitra achra:
6.08.2014, 19:18 Uhr

@W.Scholz
Der 30jährige Krieg ist wohl kaum im Mittelalter zu verorten. So ein bisschen geschichtliche Grundkenntnis wäre schon angebracht.
Dazu die Reduzierung einer den europäischen Menschen prägenden Kulturepoche auf Hexenverbrennung und Kreuzzüge ist doch unterstes Schubladenniveau.
Der Respekt vor einer vergangenen Epoche und Kultur hat nichts mit kritikloser Begeisterung zu tun, sondern trägt dazu bei, die zeitgenössische Hybris des anything goes und die unkritische Anbetung des Fortschritts, die wahre Büchse der Pandora, zu relativieren. Nicht das Machbare, sondern der Mensch sollte in seiner Beziehung zu Gott im Mittelpunkt stehen!


Eulen Furz:
6.08.2014, 11:41 Uhr

Na aber Hallo, Sie Fortschrittsbegeisterter. Schon mal was von Islamisierung, Meinungsdressur und sozialer Liquidierung gehört? 60 Jahre Nachkriegsgesellschaft mit 15 Mio. Deutschen Bevölkerungsverlust? Das war zwar eine tolle Kuschelveranstaltung inmitten von Embryonenleichen, nur leider auf Kosten von Vergangenheit und Zukunft...

Der Mensch des Mittelalters oder der Steinzeit war im Endeffekt auch nicht glücklicher oder unglücklicher, als der sich aufgeklärt und erhaben dünkende Hyperdemokrat. Die Menschen fügen sich in ihre Zeit und partizipieren von ihr. Auch das Mittelalter war einmal Fortschritt; auch die die heutige Gesellschaft wird einmal als finster oder wenigstens primitiv kategorisiert.

Wer Epochen und Zeitläufte und damit auch Weltsichten diskreditiert und stigmatisiert, arbeitet mit an der Propaganda einer vorgeblichen Alternativlosigkeit zu den herrschenden Zuständen!


Maria-Anna Konietzko:
6.08.2014, 10:30 Uhr

@ W. Scholz

Natürlich, Herr Scholz, gab es den 30jährigen Krieg, auch die "Hexenjagden", obwohl diese viel häufiger von weltlichen Instanzen angestrebt wurden als von kirchlichen, diese armen Frauen wurden gerne von Nachbarn der Hexerei bezichtigt, um an ihren Besitz zu kommen. Die Kirche versuchte sogar zu mäßigen, mußte sich den weltlichen Instanzen aber meist beugen. Nur WANN fand das alles statt und WANN begann und endete die Zeit, die von Historikern als Mittelalter bezeichnet wurde? Das Mittelalter war die Epoche zwischen Ende der Antike und Beginn der Neuzeit, noch vor der Reformation: also etwa vom 6. bis 15. Jahrhundert. Der 30jährige Krieg wütete von 1618 bis 1648, das war bereits die Neuzeit. Die Hochzeit der Hexenverfolgungen begann in der Frühneuzeit, etwa von 1450 bis 1750, und wurde hauptsächlich von weltlichen Gerichten betrieben, zumindest Todesurteile gab es fast nur von diesen, die Kirche forderte eher zur Umkehr und Rückkehr zum Glauben auf und kümmerte sich überdies in der Zeit der Inquisition mehr um Häretiker als um Hexen. Hexenverfolgung war in erster Linie eine Massenhysterie der Bevölkerung, welche auch auf Tötung der "Schuldigen" bestand! Das eigentliche Mittelalter war keineswegs eine so dunkle Zeit, wie es viele heute glauben, und Herr Scholz, die Monarchen damals herrschten zwar absolut, kümmerten sich jedoch keineswegs so um das intimste Privatleben der Untertanen, wie es in heutiger Zeit üblich geworden ist. Der einzelne freie Bürger zahlte seinen Obulus an den Herrscher (längst nicht so hoch wie heute), mußte bei Bedarf in den Krieg ziehen, konnte aber ansonsten frei leben. Von zwangsweiser Mülltrennung und anderem Unsinn, dem wir uns heute unterwerfen müssen, wurden die damaligen Menschen verschont. Sie durften allerdings auch nicht alle 4 Jahre ihre Stimme für eine Partei abgeben, die vor der Wahl viel verspricht und nach der Wahl nichts davon umsetzt. Ein Monarch konnte ungeeignet sein, aber da alle Monarchen ihr Land gerne in der Familie behielten, an ihre Nachkommen übergeben wollten, versuchten sie es so gut wie möglich zu erhalten, dachten immer auch an die Zukunft. Können Sie das von unseren heutigen Politikern behaupten?


W. Scholz:
6.08.2014, 02:32 Uhr

Na aber Hallo ihr Mittelalterbegeisterten. Schon mal was von Kreuzzügen Inquisition Hexenjagden gehört? 30-jähriger Krieg mit 1/3-2/3 Bevölkerungsverlust im Dt. Reich? Das waren keine Kuschelveranstaltungen. Da ging es ebenso um knallharte MachtpolitikMachtentfaltung wie in der frz. Revolution oder im WKI+II. Das Problem sind nicht Religion oder Aufklärung, sondern diese elndsbringenden Herrschaftsstrukturen die es einfach nicht zulassen wollen, daß es dem Pöbel (d.h. uns dem Volk) gut geht. dann muß doch gleich ein religiöses/patriotisches Gemetzel her.
demokratische Grüße an Alle


Eulen Furz:
5.08.2014, 09:47 Uhr

Die "Aufklärung" sollte man, auch und trotz ihres euphemistisch konnotierten Impetus, nicht überidealisieren. Mit ihr begann die Lösung von allen Bindungen, sie führte die Europäer zwar in die Hochkultur, aber auch in die Zivilisation, in Entsittung und Entartung und wird heute - als "Fortschritt" verbrämt - von machthabenden Ideologen gezielt für die Vernichtung aller traditionellen Bindungen mißbraucht.

Das Mittelalter war vielleicht anders, aber nicht finsterer als Zeitläufte vor oder nach ihm.


sitra achra:
3.08.2014, 19:28 Uhr

Bei der Vergabe von WM-Turnieren spielten moralische Maßstäbe noch nie eine Rolle. Olympische Spiele wurden ja auch in Berlin und Atlanta abgehalten, ja, selbst auch in Moskau.
Warum die Russen die WM 2018 erhalten, bleibt dennoch mysteriös. Eishockey und Völkermord,, das können sie, aber Fußball? No way!
Islamisten hingegen sind mir sehr lieb, je radikaler, desto lieber.
Nicht sie bilden das Problem, sondern die Rückgratlosigkeit und Kulturlosigkeit des Westens. es sind ja nicht nur die Deutschen, die aufgrund ihrer Niederlagen ihre Herkunft verleugnen, sondern die anderen Völker schwächeln ebenfalls gewaltig.
Die Rückbesinnung auf die eigene europäische Kultur ist jedoch immer eine klare Setzung und schließt pseudotolerante Beliebigkeit aus.
Der vorherrschende Hang zum Relativismus kann auf Dauer keine Verwurzelung in einer eigenständigen Kultur wsrden, dazu ist er auf beliebige Weise zu individualistisch und verpflichtet zu nichts.
Im Grunde ist es Letzteres, was klein Otto und Ottilie wollen. Sie wollen keine Verantwortung übernehmen, man soll sie in ihrem Konsumparadies tunlichst in Ruhe iassen, man lebt schließlich nur einmal. Gottseidank! möchte man da hinzufügen. Wenn sie wenigstens keine Nachkommen ihres Schlages hinterließen!
So aber bietet der Islam jedem Zweifelnden und Verzweifelten einen Ausweg aus dem korrupten westlichen Sumpf. Die Stimme des Propheten klingt hell und klar zu jedem, der hören will. (Nein, ich bin kein Moslem, dennoch.)
Übrigens, das Mittelalter und der Islam waren und sind facettenreicher und interessanter, als man landläufig annimmt.
Auch die scheinbar hochzuschätzende Aufklärung hat im Zuge ihrer Nachwirkung etliche Monster und Monstruositäten generiert, die Hinrichtungen während der Französischen Revolution beispielsweise, den Sowjetkommunismus mit seinen Lagern und Massenhinrichtungen, den "Holocaust" und das Flächenbombardement, z.B. Dresden.
"L'homme machine" von de la Mettrie liefert hier einige Auskunft über den bösartigen Wandel der moralischen Matrix.
Das alles entsprang eiskalter Logik, die Quellen dieses gottfernen Denkens sind immer noch in der Mottenkiste des 18.Jahrhunderts wiederzufinden.
Nathan der Weise hätte in dieser Welt, außer auf der Bühne und im gymnasialen Klassenzimmer, keine Chance gehört zu werden.
Doch unser Gutmenschentum kompensieren wir ja durch Delegieren auf andere Weise.
Wir überlassen es überforderten Journalisten und Politikern, uns das moralische Gute und Wertvolle zu verklickern, ja, und die schreiben nur ab, was ihnen so vorgesetzt wird. Der Immoralist hat so leichtes Spiel.


Frank Heitbrock:
3.08.2014, 18:52 Uhr

Der Wochenrückblick - wie immer ein Hochgenuss. Und leider mit so viel Wahrheitsgehalt, dass man nicht drüber lachen kann.

Wie sagte schon Voltaire:
"Wenn Du wissen willst, wer dich beherrscht, musst Du nur herausfinden, wen Du nicht kritisieren darfst"


Wolfgang Franz:
3.08.2014, 18:38 Uhr

Hans, Dein Wochenrückblick ist wie immer sehr witzig. Aber vom Mittelalter hast Du keine große Ahnung.
" Im Zeitalter der Aufklärung hingegen stritten die Protagonisten nur noch um politische und wissenschaftliche Anschauungen und ließen die Religion in der Kirche."
Die Religionen der Aufklärung waren so mörderisch, daß sie das 20. Jahrhundert zum grausamsten der Weltgeschichte gemacht haben.


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