Windkraftschäden werden ignoriert

18.01.20

Demnächst werden Vertreter der Brandenburger Volksinitiative „Artenvielfalt retten – Zukunft sichern!“ im Potsdamer Landtag rund 68 000 Unterschriften übergeben. Nach dem Vorbild des Volksbegehrens zum Schutz der Artenvielfalt in Bayern hatten die Naturschutzverbände auch in Brandenburg im April 2019 eine entsprechende Initiative ins Leben gerufen. Damit ihre Forderungen im Landtag erörtert werden, mussten innerhalb eines Jahres mindestens 20 000 Unterschriften gesammelt werden.
Mit der Aktion wollen die Verbände erreichen, dass die Landwirtschaft umweltverträglicher gestaltet und der Einsatz von Pestiziden in Naturschutzgebieten und FFH-Gebieten (Flora-Fauna-Habitat-Schutzgebiete) grundsätzlich untersagt wird. Die wichtigsten Anliegen der Volksinitiative sollen in Gesetzesvorschläge einfließen, um Rahmenbedingungen für den Schutz der Artenvielfalt und den Insektenschutz zu schaffen. Bereits im August wurden die Kernforderungen der Brandenburger Volksinitiative in das vom Bundeskabinett beschlossene nationale „Aktionsprogramm Insektenschutz“ aufgenommen.
Disput mit Landnutzern
Ursprünglich wollten sich auch die Landnutzerverbände der Initiative anschließen. Die Verhandlungen scheiterten jedoch wegen der unterschiedlichen Standpunkte zu den Pflanzenschutzverboten. Im Rahmen einer eigenen Initiative namens „Mehr als nur ein Summen“ sammelte ein Landnutzer-Bündnis daraufhin 24 000 Unterschriften, die bereits Mitte November überreicht wurden. Bei den anstehenden Parlamentsentscheidungen zum Insektenschutz wollen die Landnutzer einen Kompromiss erreichen. Partner und Unterstützer der Initiative war der Landesbauernverband Brandenburg.
Unterdessen bestätigte ein im Oktober im Fachmagazin „Nature“ veröffentlichter Artikel den für ganz Deutschland vermuteten dramatischen Rückgang der Insekten innerhalb von zehn Jahren. Forscher der Technischen Universität München hatten Daten von 290 Standorten in drei Regionen Deutschlands ausgewertet.
Eine davon war die Schorfheide im Brandenburger Landkreis Barnim. Als Hauptursachen für den alle Landschaften betreffenden Insektenschwund werden die Lichtverschmutzung und der nach wie vor hohe Einsatz von Pestiziden in der Landwirtschaft genannt.
Brisante Studie bleibt unerwähnt
Die Studie verweist auf die Dringlichkeit genauer Ursachenforschung. Dabei fällt auf, dass weder die Brandenburger noch die Münchener Forscher die Windkraft als einen wahrscheinlich wesentlichen Faktor für das Insektensterben anführen. Dies, obwohl sich eine auffällige Abnahme solcher Insektenarten gezeigt hat, die in Höhen von 20 bis 220 Meter weite Strecken zurücklegen, also auch in den Höhenlagen der Windturbinen.
Auf dem Weg zu ihren Brutplätzen lassen sie sich vom Wind tragen und kollidieren dabei im Sommerhalbjahr täglich zu Milliarden mit den Windrädern oder verenden infolge der Turbulenzen. Dies hatte eine im März 2019 veröffentlichte Studie des Deutschen Luft- und Raumfahrtzentrums (DLR) über den Insektenschlag durch Windturbinen ergeben.
Die Studie betont, dass bei einer so hohen Ausbaustufe der Windkraft wie in Deutschland keine Aussicht auf eine Erholung der Insektenbestände bestehe. Die alarmierenden Ergebnisse der DLR-Studie wurden umgehend von Kommentatoren aus Politik und Medien relativiert und gerieten anschließend schnell in Vergessenheit. Dagmar Jestrzemski


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