Wunderbare und beklemmende Eindrücke

Bernd Fabritius und Stephan Grigat besuchten deutsche Vereine in Südostpreußen – Auch Gedenkstätten auf dem Programm

06.11.19
Stephan Grigat mit Bernd Fabritius und Heinrich Hoch vor Schloss Steinort (v.l.) Bild: privat

Im Anschluss an den 12. Deutsch-Polnischen Kommunalpolitischen Kongress der Landsmannschaft Ostpreußen bereiste der Beauftragte der Bundesregierung für Aussiedlerfragen und nationale Minderheiten, Prof. Dr. Bernd Fabritius, gemeinsam mit dem Sprecher der Landsmannschaft Ostpreußen, Stephan Grigat, das südliche Ostpreußen.

Diesen Aufenthalt nutzte Fabritius dazu, Kontakte zu Entscheidungsträgern der polnischen Politik und der Deutschen Minderheit in der Wojewodschaft Ermland und Masuren zu knüpfen und einen Eindruck von dieser über Jahrhunderte deutschen Kulturlandschaft zu gewinnen.
Im Mittelpunkt standen ein intensives Gespräch mit dem Marschall der Wojewodschaft, Gustaw Marek Brzezin, ein ausführlicher Gedankenaustausch mit dem Minderheitenausschuss des Landtages (Sejmik) und das Zusammentreffen mit vier größeren Deutschen Vereine in Ostpreußen. Der Vorsitzende des Minderheitenausschusses, der frühere Vizemarschall Jaroslav Sloma, betonte, dass es einen solchen Ausschuss nur in dieser Wojewodschaft gibt.
Fabritius nutzte die Gelegenheit, um die Situation der Deutschen Minderheit in Ermland und Masuren sowie deren Bewertung durch die Betroffenen und die polnischen Behörden kennenzulernen.
Einigkeit bestand darin, dass dieser Teil Ostpreußens eine einzigartige Region ist, in der das Schicksal vieler Völker und ethnischer Gruppen verflochten und eine einzigartige kulturelle Verbindung gewachsen ist, die der gemeinsamen Pflege bedarf.
Besonderer Augenmerk galt Schloss Steinort, dem ehemaligen Sitz der Familie Lehndorff. Das Gebäude wird seit 2017 von der Deutsch-Polnischen Stiftung Kulturpflege und Denkmalschutz betreut. Der Deutsche Bundestag hat im vergangenen Jahr 500000 Euro für die bauliche Sicherung des Hauptgebäudes bereitgestellt. Mit diesen Mitteln wurden die Ableitungen von Regen- und Grundwasser wieder in Funktion gesetzt sowie die hölzernen Balken und Dielen der Geschossdecken gesichert. Fabritius sagte zu, sich auch weiterhin für den dauerhaften Erhalt des Schlosses einzusetzen; dazu muss ein belastbares Nutzungs- und Finanzierungskonzept entwickelt werden.
Der Beauftrage besuchte den Dachverband der Deutschen Gesellschaften in Ermland und Masuren und die Deutschen Vereine in Allenstein, Osterode, Heilsberg und Lyck. Gemeinsam mit seiner Delegation wurde er überall herzlich empfangen, beim Deutschen Verein in Lyck sogar mit selbstgemachten Königsberger Klopsen und deutschem Gesang mit Akkordeonbegleitung.
Die deutschen Vereine haben seit ihrer Gründung eine gute Zusammenarbeit mit den Kommunen aufgebaut und gepflegt und sich in die Entwicklung ihrer Gemeinden eingebracht. Sie waren die Initiatoren vieler Städtepartnerschaften zwischen ostpreußischen Städten, Gemeinden und Kreisen mit Partnerkommunen in Deutschland.
Die Vorsitzenden der Vereine und des Dachverbandes informierten den Beauftragten über das Mitglieder- und Veranstaltungsprofil ihrer Vereine. Sie berichteten auch über die Anliegen der deutschen Vereine im südlichen Ostpreußen und über die Probleme im Bildungswesen. Zu beklagen sind Kürzungen des Deutschunterrichts im polnischen Schulwesen und der Förderung des Deutschunterrichtes bei den deutschen Vereinen. Zur Sprache kamen auch Probleme bei der allgemeinen Finanzierung der Deutschen Minderheit. Auch hier sagte der Beauftrage Unterstützung zu.
Während der Besichtigung Allensteins fehlte auch ein Besuch des Verbindungsbüros der Landsmannschaft Ostpreußen, das von Edyta Gładkowska geleitet wird, nicht.
Zum Programm gehörte zudem die Erkundung des Kulturerbes der Region, namentlich des Schlosses der Familie Dönhoff in Quittainen und des Oberländischen Kanals, der von 1844 bis 1860 unter der Leitung des königlich-preußischen Baurats Georg Steenke aus Königsberg erbaut wurde.
Auf dem Weg nach Schloss Steinort hatte Fabritius eine kurze Pause in der Wolfsschanze eingelegt und die Ruinen der Bunker sowie der Lagebaracke besichtigt. Eine Gedenktafel erinnert dort seit 2004 an das Attentat vom 20. Juli 1944. Oberst Graf Schenk v. Stauffenberg hatte versucht, Adolf Hitler in der Baracke mittels einer Bombe zu töten.
In Goldap besuchte Fabritius das Haus der Heimat und das in dieser Form in Ostpreußen einmalige Regionalmuseum in Trägerschaft der Kreisgemeinschaft Goldap Ostpreußen, außerdem das Mahnmal für die Deutsche Bevölkerung auf dem deutschen Alten Friedhof.
Den Abschluss der Reise des Beauftragten durch das südliche Ostpreußen bildete eine Kranzniederlegung am Denkmal für die Opfer der ostpreußischen Zivilbevölkerung. Hierbei handelte es sich überwiegend um Frauen, Kinder und alte Männer, die bei dem Versuch, den Nachstellungen und Angriffen der Roten Armee durch die Flucht zu Fuß oder mit Pferd und Wagen über das Eis des zugefrorenen Haffs zu entgehen, infolge russischen Beschusses den Tod fanden.
Die Inschrift auf dem Gedenkstein lautet: „450000 ostpreußische Flüchtlinge flohen über Haff und die Nehrung, gejagt vom unerbittlichen Krieg. Viele ertranken, andere starben in Schnee und Eis. Ihr Opfer mahnt zu Verständigung und Frieden.“
Fabritius bedankte sich bei Grigat für die Mitorganisation und Begleitung auf einer wunderbaren und gleichzeitig nachdenklich stimmenden Reise.
    PAZ


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.