Zukunft für den ländlichen Raum

Willkommene Gentrifizierung in Brandenburg – »Coworking« entdeckt das Dorf als Arbeitsplatz

25.08.19
Sie bieten eine Möglichkeit, Dörfer wiederzubeleben und verlassene Gebäude vor dem Verfall zu retten: Teilnehmer an „Coworking“-Projekten in Brandenburg Bild: Imago images/Westend61

Einige Landkreise in den östlichen Bundesländern werden laut Prognosen nach den Abwanderungszahlen der vergangenen Jahrzehnte bis zum Jahr 2035 nochmals bis zu einem Viertel ihrer Einwohnerzahl verlieren. In Brandenburg zeigt sich nun ein Weg, wie selbst abgelegene Regionen wieder eine Zukunft haben können.

Mit einer gemeinsamen Untersuchung haben das Berlin-Institut für Bevölkerung und Entwicklung und die Denkfabrik Neuland 21 darauf aufmerksam gemacht, dass zunehmend Menschen aus Wissens- und Kreativberufen im Alter zwischen 30 und 49 Jahren die Vorzüge der ländlichen Regionen entdecken.
Für die Studie „Urbane Dörfer – wie digitales Arbeiten Städter aufs Land bringen kann“ wurden 18 Wohn- und Arbeitsprojekte untersucht, bei denen zum Beispiel Programmierer, Grafikdesigner oder Kulturmanager von der Großstadt aufs Land gezogen sind.
Bei den Projekten handelt es sich um Seminar- und Gästehäuser, aber auch um sogenannte Coworking Spaces. Diese bieten Freiberuflern und Selbstständigen die Möglichkeit, vorübergehend Schreibtische oder Räume anzumieten, ohne selbst ein eigenes Büro unterhalten zu müssen.
Bislang sind solche Angebote vor allem aus Großstädten bekannt. In Brandenburg ist eines der ersten Coworking-Projekte samt Wohnmöglichkeit auf dem Lande auf einem ehemaligen Gutshof in der Nähe der Stadt Bad Belzig entstanden. Dort stehen 20 Räume für Freiberufler, kleine Teams und „digitale Nomaden“ bereit.
Inzwischen werden in der Region um Bad Belzig bereits weitere Modellprojekte geplant, die mit digitalen Lösungen das Leben auf dem Land attraktiver machen sollen. Laut der Untersuchung von Neuland 21 und Berlin-Institut kann diese Entwicklung als typisch angesehen werden: Mit den Projekten ziehen oftmals auch Tatendrang und neue Ideen ein, die die gesamte ländliche Region voranbringen.
Die Landlust der Kreativen stellt zudem auch eine Chance dar, den Verfall von Bausubstanz zu stoppen. Gefragt sind keine Neubauten am Ortsrand, sondern eher alte Gebäude in der Mitte von Orten, die saniert werden. „Sie bringen frisches Leben in Gebäude, die mitunter lange leer standen und die Ortskerne verschandelt haben“, kommentiert Manuel Slupina vom Berlin-Institut die Projekte.
Bislang profitiert vor allem das Land Brandenburg von der Landlust der Kreativen. Wie schon bei der dynamischen Entwick­lung im sogenannten Speckgürtel, kommt Brandenburg dabei abermals die Nähe zur Millionenmetropole Berlin zugute. Die Forscher sehen sogar die Möglichkeit, dass, angelehnt an den Begriff des Speckgürtels um die Hauptstadt, künftig auch in Berlin-fernen Regionen einige prosperierende „Speckwürfel“ entstehen. Grundvoraussetzung für das Leben und Arbeiten auf dem Land ist allerdings eine digitale Infrastruktur. Gerade auf diesem Gebiet hat Brandenburg unnötig Zeit vergeudet. Erst Ende 2018 hat das Kabinett in Potsdam eine Digitalisierungsstrategie und die Gründung einer Digitalagentur beschlossen.
Wie nötig Impulse der Landesregierung sind, hat sich beim schleppenden Ausbau eines Turbo-Internets gezeigt. Wie letztes Jahr bekannt wurde, haben märkische Gemeinden und Landkreise Fördermittel des Bundes zum Aufbau von Internet-Breitbandverbindungen über lange Zeit gar nicht genutzt.
Das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur hatte schon 2016 ein milliardenschweres Programm aufgelegt, damit in unterversorgten Landkreisen und Kommunen schnelle Internet-Breitbandverbindungen installiert werden können.
Allein für Brandenburg hatte der Bund 273 Millionen Euro zur Verfügung gestellt. Die Gründung einer Digitalagentur durch die Landesregierung kann auch als eine späte Reaktion auf die schleppende Umsetzung des Programms in den märkischen Gemeinden und Landkreisen gesehen werden.
Das Förderprogramm des Bundesverkehrsministers für Breitband-Internetverbindungen war allerdings auch in vielen anderen Teilen Deutschlands kein sehr großer Erfolg. Laut einem Bericht der Funke Mediengruppe hatte Ende des Jahres 2018 nur jede dritte Kommune in Deutschland einen Zugang zu schnellem Internet.     Norman Hanert


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Kommentare

Arthur Müller:
26.08.2019, 17:23 Uhr

Wenn jeder sich vor den Computer setzt, wer macht dann die Arbeit welche uns am Leben erhält? ZB. die Landwirtschaft mit ihrer Nahrungskette,sowie das Handwerk in seinen verschiedenen Sparten? Fragen über Fragen.


Siegfried Hermann:
25.08.2019, 10:58 Uhr

(grüne-Müsli)-"Kulturmanager"...
Ja,nee is kla!?
Habt in eurer Aufzählung noch so für die Welt unverzichtbare Berufe wie "yutuber", "Influenzer", "Allestester", oder webcam-Tussi vergessen, gelle!?
Und Systemadministratoren, software-Entwickler sitzen seit 25 Jahren lieber auf Malle oder in der Karibik bei hulahula-Mädels. Da kann die Uckermark mit unseren gepolsterten Rautenanzug keinen mm mithalten, gelle!?

Mal ehrlich,
was ist mit Dachdeckern, Elektriker, Bäckern, oder Ärzten???

Um was geht es hier wirklich???
Da werden Berufsgruppen mit marginalen Gesamtanteil an Berufstätige vorgeschoben, um 5G-Standard durch die Hintertür mit MRD. Aufwand durchzudrücken und die "Macher und Manager" dieses Hokuspokus mit Traumgehälter zu bedenken. Das reichlich Bakschisch für unsere Systempolitikermeute dabei abfällt versteht sich von selbst.

Das kann auch anders gehen. Und zwar seit 1995!!!
Seitdem wird überall in Mittel-Deutschland wo Leitungen saniert werden MÜSSEN durch großzügige Glasfaserleitungen ersetzt. Das kostet also nur ein Schiss Vogelschxx mehr, wenn statt einer, drei oder 5 Leitungen gelegt werden
und ganz locker die 100fache Bandbreite von 5G hat. Nur verdienen eben die o.g. bunt-schwarzen Herrschaften nicht mit.

Mahlzeit!


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