Als Katastrophen noch »normal« waren

Fluten, Trockenheit, Hitze- oder Kältewellen: Heute soll alles ein Vorzeichen der Apokalypse sein − Das war nicht immer so

23.10.19
Seit Jahrhunderten wiederkehrend: Hochwasser in Dresden Anno 1890 Bild: bpk

Immer, wenn mal wieder ein paar Tage hintereinander die Sonne scheint und es über 30 Grad warm wird oder längerer Regen fällt und die Pegel der Flüsse steigen, behaupten manche Medien und „Experten“, nun schlage der Klimawandel aber mit voller Wucht zu. Dabei zeigt ein Blick in die Geschichte, dass es schon immer Wetterkapriolen gegeben hat und die Menschen damit ebenso umzugehen wussten wie mit deren Folgen, ohne gleich hysterische Weltuntergangs-Phantasien zu entwickeln. So auch in der sächsischen Hauptstadt Dresden.

Die anderthalb heißen Sommer der Jahre 2018/19 haben die Klima-Apokalyptiker zu großer Form auflaufen lassen: „In zwölf Jahren sorgt der Klimawandel für den Untergang der Welt oder zumindest der Menschheit.“ Dies verkünden mittlerweile nicht nur infantile und kognitiv beeinträchtigte Schulschwänzer, sondern auch Politiker wie die demokratische US-Kongressabgeordnete Alexandria Ocasio-Cortez, welche sich den totalen „ökologischen Umbau“ der amerikanischen Gesellschaft zum Ziel gesetzt hat.
Schaut man allerdings in die Vergangenheit, wird schnell klar, dass außergewöhnliche Wetterlagen und deren Folgen zu jeder Zeit zum Leben dazugehörten. Dies belegen nicht nur die Zahlen aus Ocasio-Cortez’ Geburtsstadt New York, wo beispielsweise im Juli 1934 eine Rekordtemperatur von plus 55 Grad Celsius gemessen wurde, sondern auch die Ereignisse in und bei Dresden seit der Stadtgründung um das Jahr 1200.
Anhaltend hohe Temperaturen und daraus resultierende Dürren plagten die Menschen hier unter anderem schon 1473, 1504, 1563, 1590, 1616, 1642, 1790 (damals kam es deswegen sogar zum Kursächsischen Bauernaufstand), 1842, 1874, 1893, 1904, 1911, 1921, 1934, 1935 und 1954. So meldete die Chronik des Rates der Stadt für 1473: „Der Sommer war so heiß und trocken, dass es Trinkwasser nur noch gegen Geld gab.“ Und 1590 hieß es dann: „Wegen großer Dürre blieben die Mühlen stehen. Die Elbe war fast ausgetrocknet.“ Letzteres passierte auch 1954, als der Pegel des Flusses auf unter zehn Zentimeter fiel und sich wieder einmal die legendären „Hungersteine“ auf dem Grund zeigten.
Solcherart Wetter – oder im Gegenzug eben zu wenig Sonne und zu viel Nässe – sorgte oft für schlechte Ernten, die dann schnell zu Teuerungen bei Grundnahrungsmitteln aller Art führen konnten. Hierüber wurde in Dresden ebenfalls akribisch Buch geführt: Etwa 20 Mal stiegen zwischen 1362 und 1639 die Preise für Getreide auf teilweise astronomische Höhen.
Am schlimmsten war es wohl im Jahre 1623, als der Scheffel Korn (nach Dresdner Maß 107 Liter) bis zu 26 Gulden kostete. Zur Orientierung: Der Gulden war eine Goldmünze im Gewicht von knapp 2,5 Gramm, deren Wert und damit Kaufkraft heute bei reichlich 100 Euro läge. Aber auch die vier Jahre lang anhaltende Teuerung von 1434 bis 1437, welche wahrscheinlich neben dem Wetter auch aus einem verheerenden Hussiten-Einfall und den nachfolgenden Kämpfen gegen die böhmischen Marodeure resultierte, muss den Menschen in der damaligen kurfürstlichen Residenzstadt extrem zugesetzt haben.
Wenn es nicht zu heiß und zu trocken oder zu nass war, dann wurde strenger Frost zum Problem. Dieser trat insbesondere in den Jahren 1416, 1466, 1524, 1597, 1612, 1664 und 1673 bis 1679 auf, wobei es sich bei den Kältewellen im 17. Jahrhundert um Auswirkungen der sogenannten „Kleinen Eiszeit“ handelte. Nun versagten die Mühlen anstatt wegen Wassermangels wegen Vereisung, und in den Wäldern fielen „viel hundert Stück Rotwild … tot um.“ Außerdem herrschte neben Hunger auch eine Weinknappheit, weil der Frost bereits im Spätsommer einsetzte und die Trauben verdarb.
Die größte wetterbedingte Geißel der Bevölkerung im unmittelbar an der Elbe gelegenen Dresden waren freilich die ständig wiederkehrenden, verheerenden Hochwasser, bei denen der Pegel des Flusses über sieben Meter stieg, was heute zur Ausrufung der höchstmöglichen Alarmstufe führen würde.
Zwischen den Jahren 1200 und 2013 muss es um die 35 solcher extremen Hochwasserereignisse gegeben haben. Das heißt, die angeblichen „Jahrtausend-Fluten“ von 2002 (Elbpegel an der Augustusbrücke neben dem Residenz-Schloss: 9,40 Meter) und 2013 (Pegel: 8,76 Meter) waren keineswegs einmalige Ereignisse und somit Hinweise auf den behaupteten Klimawandel in der Gegenwart. Ähnlich hoch stieg das Wasser schließlich auch schon 1845 (8,77 Meter), 1501 und 1784 (jeweils 8,57 Meter), 1655 (8,38 Meter) sowie 1862 und 1799 (jeweils 8,24 Meter).
Aus der Zeit davor existieren keine konkreten Messwerte, weswegen es durchaus im Bereich des Möglichen liegt, dass der Fluss früher noch dramatischer anschwoll. So beispielsweise während des legendären „Magdalenenhochwassers“ von Juli 1342, das ganz Mitteleuropa heimsuchte, oder in den schlimmen Flut-Jahren 1272, 1275, 1318, 1400, 1430 und 1432. Wenn man die in alten Urkunden benannten Schäden berücksichtigt, sind hier sogar auch Pegelstände von über zehn Metern denkbar.
Angesichts dieser vielen Naturkatastrophen, Teuerungen und Hungerjahre dürfte kaum verwundern, dass es um die Gesundheit der Menschen in Dresden oft nicht sonderlich gut bestellt war und permanent Krankheiten ausbrachen: Sei es der Scharbock (Skorbut, 1468) oder seien es der „englische Schweiß“ (eine bisher nicht identifizierte Virus-Erkrankung; 1529), „das rothe Wehe“ (Rote Ruhr; 1559) und die „hispanische Zips“ (Spanische Grippe; 1580).
Am stärksten wurde die Stadt freilich von der Pest heimgesucht – eine der gravierendsten Konsequenzen der frühen Globalisierung, denn der Erreger Yersinia pestis kam ab 1347 mit Handelsschiffen und parallel auch über die Seidenstraßen aus Asien nach Europa. Von 1349 bis 1640 registrierten die Chronisten insgesamt 22 große Pestwellen in Dresden.
Diese veranlassten Herzog Heinrich den Frommen 1540, mit seinem Hofstaat nach Freiberg zu wechseln; und 1607 flüchtete Kurfürst Christian II. vor der „Pestilenz“ nach Torgau und Annaberg. Besonders arg wütete der „Schwarze Tod“ freilich in den Jahren 1585 und 1634. Da verzeichneten die Chronisten allein schon 2305 Tote – bei anfangs noch rund 12000 Einwohnern: „Vorm Wilsdruffer Tor blieb kaum jeder 15. Hauswirt am Leben.“ Der absolute Höhepunkt des Sterbens lag indes wohl im Jahre 1632: „Die Pest grassierte dermaßen, dass dieses Jahr zu Alt- und Neu-Dresden ingleichen vor den Toren an die 6892 Todten gezählt wurden.“
Dennoch verfielen die Stadtväter damals nicht in Panik oder Weltuntergangsstimmung, sondern versuchten ungeachtet ihrer noch sehr begrenzten medizinischen Kenntnisse, die Seuche mittels sinnvoller Maßnahmen einzudämmen und damit möglichst viele Bürger Dresdens zu retten. So durch das Verbot von Menschenansammlungen, die Schließung von Märkten und Wirtshäusern sowie strenge neue Vorschriften zur Reinhaltung der Straßen – außerdem stand auf das Fälschen von Gesundheitspässen jetzt die Todesstrafe. Darüber hinaus wurde auch zeitweise der Handel mit Böhmen ausgesetzt.
Dieses besonnene Vorgehen kontrastiert stark mit den aktuellen Reaktionen von „Klimaschützern“ auf Wetterereignisse jenseits des Durchschnitts. Heute wissen wir viel mehr über natürliche Zusammenhänge, was die Verfechter der grünen Quasi-Religion aber nicht daran hindert, fanatisch ihre Dogmen zu verbreiten und einen unsinnigen Vorschlag zur „Klimarettung“ nach dem nächsten in die Welt hinauszuposaunen, anstatt nüchtern an die Problematik heranzugehen. Aber das passiert eben, wenn man lieber auf der Straße herumkrakeelt statt zu lernen und dann fehlendes Wissen durch Glauben ersetzen muss.
    Wolfgang Kaufmann


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Kommentare

Thomas Marx:
3.11.2019, 17:17 Uhr

Hier liegt zumindest teilweise die selbe Verwechslung zweier Seuchen vor, die in vielen alten Schriften vorkommt: der Pest und des Fleckfiebers. Fleckfieber (Engl.: Typhus) hat einen ähnlichen Verlauf und eine noch höhere Sterblichkeit als die Pest. Diese beträgt 60-80%. Napoleon Bonaparte brachte 36 000 Mann seines 400 000 Mann-Heers vom Moskaufeldzug zurück nach Hause, von denen kein einziger mehr jemals wieder kriegsverendungsfähig wurde. An unmittelbaren Kriegseinwirkungen waren aber nur 3% seiner Männer gestorben, der Rest am Fleckfieber. Die "League-of Nations-Typhus-Commission" fand 1924 heraus, dass das Weltreservoir des Fleckfieber-Erregers das heutige Polen war. Der Deutsche Psychiater Walter von Baeyer beschrieb 1942 in "Geistige Störungen bei Fleckfieber" am Beispiel von 12 Wehrmachtssoldaten, die sich Fleckfieber im Polen-Feldzug eingefangen und dieses überlebt hatten, dass es nach Abklingen der klinischen Symptome zu einer mehrtägigen Phase bizarrer Horrorvisionen kommt, die im Gegensatz zu allen anderen Wahnvorstellungen im Gedächtnis des tatsächlich Erlebten abgespeichert würden. Weil die Patienten die bizarren Logiksprünge ihrer "Erinnerungen" nicht verarbeiten könnten, versuchten sie, diese zu vergessen.
Der Unterschied der Pest zum Fleckfieber: Die Pest wird von Tierparasiten (Rattenflöhen) übertragen, Fleckfieber von Menschenparasiten (der Kleiderlaus). Seuchenhygienische Maßnahmen zur Verhinderung des Fleckfiebers richteten sich deshalb gegen "fahrendes Volk" und "fliegende Händler" und das Handeln mit den Kleidern der Verstorbenen (Flohmarkt). Diese waren vor allem Sinti, Roma und Juden. War so eine Gruppe von Händlern durch ein Dorf gezogen, worauf 80% der Einwohner starben und die Überlebenden sich an "Geister, Dämonen und Blutopfer" erinnerten, und das verifizierbar in jedem Dorf und bei jedem Durchzug, kam es auch zu Pogromen. Diese waren fehlgeleitete, aber leider auch wirksame seuchenhygienische Maßnahmen in einem Zeitalter des Aberglaubens an Magie und Hexerei.Diese Maßnahmen sind oben beschrieben und gegen Rattgenflöhe nicht wirksam. Es folgt daraus: 1. Es gab keinen "jahrhundertealten inhärenten und auf christlichem Glauben basierenden Antisemitismus und Antiziganismus im Deutschen Volk, so wie jetzt wieder im Falle Martin Luthers behauptet wird. 2. Viele "Erinnerungen" von irgendwelchen Überlebenden an bizarre Horrortaten, Folterungen, Verstümmelungen sind in Wirklichkeit Wahnvorstellungen, verkleidet als "Erinnerungen". Ein grosser Teil der Geschchte der Menschheit auf allen Kontinenten muss deshalb bezweifelt und umgeschrfieben werden. 3. Der Antisemitismus der Rechtsradikalen und auch der von links beruht auf altem Hexenaberglauben. Vielleicht ein guter Grund, deshalb damit aufzuhören. Genau wie mit den immer gleichen diesbezüglichen Vorwürfen an das deutsche Volk und/oder das Christentum (sagt ein Atheist).


Klaus Mueller:
23.10.2019, 12:27 Uhr

Leider liest sowas keiner der ahnungsbefreiten Klima-Hüpfer.


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