BER droht völliges Aus

Flughafen-Experte: Umbau der Brandschutzanlage vermutlich gar nicht mehr möglich

08.05.16
Es sieht finster aus: Flughafenchef Karsten Mühlenfeld (l.) und Flughafenkoordinator Rainer Bretschneider am 2. Mai in Schönefeld während der BER-Ausschusssitzung. Bild: pa

Wenige Monate vor der Abgeordnetenhauswahl droht Berlins Bürgermeister Müller ein Desaster der Extraklasse: Ein Gutachten lässt das gesamte Skandalprojekt BER wackeln.


Bereits im Jahr 2012 musste die geplante Eröffnung des Großflughafens BER abgesagt werden, weil es Probleme mit dem Brandschutz gab. Nun steht erneut die für das kommende Jahr angepeilte Inbetriebnahme auf der Kippe.
Die Verantwortlichen am Flughafen BER sehen sich mit akuten Genehmigungsproblemen konfrontiert, die eine Eröffnung im Herbst 2017, ja sogar im Jahr 2018 in Frage stellen. Wie nach der jüngsten Sitzung des Flughafen-Aufsichtsrates bekannt wurde, geht es konkret um Forderungen zum Brandschutz im Bereich zwischen dem unterirdischem Bahnhof und dem Flughafenterminal.
Das Eisenbahn-Bundesamt (EBA) schlägt Alarm. Es will weitere Nachweise erbracht haben, wie sich im Falle eines Brandes der Rauch in den Geschossen über dem unterirdischen Bahnhof verteilen würde. Ausschließen will die Bundesbehörde damit, dass sich bei einem Brand im Flughafenhauptgebäude bei laufendem Zugverkehr giftige Gase wegen der Zug­luft, welche die Züge verursachen, im Bahnhof ausbreiten.
Zumindest nach der Außendarstellung des Flughafenaufsichtsrates kam der Einwurf des EBA aus heiterem Himmel: „Alle Aufsichtsratsmitglieder waren sehr erstaunt“, so der Aufsichtsratsvorsitzende, Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD). Wie aus einer Stellungnahme des Bundesamtes hervorgeht, hätten die Betreiber des neuen Hauptstadtflughafens allerdings wissen können, dass sie gemäß Planfeststellungsbeschluss noch zusätzliche Brandschutz-Simulationen vorzulegen haben.
Einem Bericht des „Tagesspiegel“ zufolge ist offenbar auch seit Jahren bekannt, dass die Abschottung zwischen Terminal und Bahnhof nicht richtig funktioniert. Schon bei Simulationen im Jahr 2013 soll der Flughafen demzufolge die diesbezüglichen Anforderungen verfehlt haben.
Um den Skandal klein zu halten, bemüht sich Flughafenchef Karsten Mühlenfeld inzwischen um moderate Töne und räumt Versäumnisse des Flughafens ein. „Die Verantwortung liegt beim Flughafen, der beides geplant und gebaut hat, Terminal und Bahnhof“, so Mühlenfeld.  
Abzuwarten bleibt, ob die Entrauchung ohne aufwendige Umbauten hergestellt werden kann, wie es der Flughafenchef mit vorsichtigem Optimismus angedeutet hat. Tatsächlich aber scheinen die Hürden für eine Lösung hoch zu liegen: Eine technische Lösung gilt als schwierig, nötig werden zudem aufwendige Computersimulationen. Ein Zeitpuffer, den die Flughafengesellschaft für Unvorhergesehenes eingeplant hatte, ist längst aufgebraucht.
Wie verfahren die Situation ist, wird an dem Vorschlag deutlich, den Flughafen notfalls auch erst einmal ohne den unterirdischen Bahnanschluss zu eröffnen. Experte Dieter Faulenbach da Costa äußert mittlerweile sogar grundlegende Zweifel, dass der BER überhaupt fertiggestellt werden kann. Der renommierte Flughafenplaner hält den Umbau der Brandschutzanlage am BER insgesamt für gescheitert: „Der seit vier Jahren betriebene Umbau der Brandschutzanlage am BER wird die Inbetriebnahme des neuen Flughafens verhindern.“ Faulenbach da Costa, der selbst bis 1999 an der Planung des Flughafens beteiligt war, sieht beim BER ein generelles Problem: „Statt die nicht fertiggestellte Anlagen gemäß der erteilten Baugenehmigung fertigzustellen und zu testen, wurden genehmigungspflichtige Umbauten vorgenommen.“ Damit aber gebe es bei der umgebauten Entrauchungsanlage keine durchgängige Systemarchitektur, eine notwendig Voraussetzung für deren Funktionalität, so der Architekt, der weltweit Flughäfen projektiert hat.
Sollte sich die brutale Prognose bewahrheiten, dass der BER generell nie fertiggestellt werden kann, wird dies weitreichende Folgen haben. Der BER gilt im internationalen Vergleich schon jetzt als außergewöhnlich teures Flughafenprojekt, in das längst Milliarden an Steuergeldern geflossen sind. Noch recht wenig beachtet ist ein weiterer Aspekt: Im Herbst 2017 läuft die Ausnahmegenehmigung aus, die den Flughafen Berlin-Tegel bislang von strengen Lärmschutzauflagen verschont hat. Den betroffenen Anwohnern stehen dann juristische Wege offen, sich gegen den Fluglärm aus Tegel zu wehren.  
Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller könnte allerdings schon vorher unter Druck geraten. Wenige Monate vor den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus befindet sich Müller in einer Lage, in der er kaum mehr punkten kann. So reicht es den Fluggesellschaften eigentlich aus, wenn sie erst im kommenden Oktober Gewissheit haben, ob sie ab Herbst 2017 weiterhin vom alten Flughafen Berlin-Tegel operieren werden oder ob zum Winterflugplan 2017 ein Umzug zum BER ansteht. Verkündet Müller erst nach dem 18. September, also nach der Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus, dass es mit der Flughafeneröffnung wieder nichts wird, ist die Reaktion der Öffentlichkeit absehbar: Müller wird sich dem Vorwurf ausgesetzt sehen, aus wahl­taktischen Gründen die schlechte Nachricht verschwiegen zu haben. Nicht besser sieht es aus, wenn er vor dem Wahltag verkünden muss, dass der BER eine kostspielige Dauerbaustelle bleibt oder gar als fehlgeplante Investitionsruine abzuschreiben ist.     Norman Hanert


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Kommentare

simone meistring:
11.05.2016, 18:42 Uhr

Ich kann mir solch ein Disaster nun nicht mehr anders erklären als den nie erwänten Grund der nie Eröffnung. Wurde eventuell doch, durch das stänkern mit den Russen und der amerikanisch gesteuerten Politik vergessen bei den Russen einen Antrag auf die Überflugrechte zu stellen, welche unter den gegebenen Umständen denke ich mal nicht erteilt werden ?! Denn soviel angeblichen Baufusch, bei soviel Gremien bei denen man beantragen muss und prüfen lassen muss!!!! Unglaubwürdig !


Holger Schmidt:
9.05.2016, 10:33 Uhr

Als selbständiger Sachse habe ich gelegentlich in Berlin zu tun und lästere natürlich auch mal gern über BER. Von den betreffendenden Personen meiner Partnerfirmen, vom Wachschutzmann bis zum Abteilungsleiter, höre ich dann unisono unaufgeregt die Meinung, dass BER niemals fertig wird und der Bau sang- und klanglos eingestellt werden wird. Bleibt eine Weile stehn und dann macht man eben einen Gewerbepark draus oder es kommt ein "Großinvestor", der das für einen Euro übernimmt.
Gründe: eine "Tegellobby" und besagtes Konkurrenzdenken des Frankfurter Flughafens.
Es ist schade (wenn nicht kriminell) und es fehlt bez. Flughafen eine Art...hm..."Vision" für Deutschland.


Christian R.:
8.05.2016, 22:16 Uhr

Deutschland steht für viele Leute im Ausland immer noch für qualitativ hochwertiges kompetentes Ingenieurwesen und solides und gutes Design.

Was ist hier bloss passiert ? Ein Schildbürgerstreich erster Klasse !

Ist dies bereits ein Hinweiss auf eine schleichende Erosion unseres Bildungswesens und Bildungsstandards ? Sind es egoistische Dilettanten welche sich mehr und mehr wie Maden in der Politik ausbreiten, sich fett bezahlen lassen und natürlich immer mit goldenem Fallschirm abzusichern vermögen ? Ist es die schon lange stattfindende Erosion von Tugenden wie Integrität und Übernahme von Verantwortung ?

Was hier vor allem von Seiten der Politik zu fehlen scheint: Die Verantwortlichen gründlichst zur Rechenschaft zu ziehen. Doch wen wundert es ? Selbstgefälligkeit, Arroganz der Macht, Vetternwirtschaft haben Vorrang vor dem Wohle des Volkes. Nähern wir uns langsam italienisch-mafiösen Verhältnissen ?

So mancher Chinese, der Deutschland bislang in hohem Ansehen hielt, wird sich wundern und uns bemitleiden. Dort würden sie einen 20 x grösseren Flughafen in 3-4 Jahren hochziehen. Samt funktionierendem Brandschutz. Allerdings sicherlich auch u.A. unter Einbezug einiger Deutscher Firmen. Doch wie lange noch ?

Man blicke nur warnend auf die USA. Die USA haben sich jahrzehntelang auf ihrem Lorbeeren ausgeruht. Sie spielen immer noch dieselbe Platte vom "we are number one", aber ohne Substanz. Von den 30er bis 60er Jahren gehörten sie in sachen Infrastruktur und Grossprojekten mit zur Weltspitze. Man blicke auf die Golden Gate Bridge, futuristische Airport Terminals der 60er Jahre am JFK airport, Hoover Dam, die Intercity-zuege der 30er Jahre, die Interstate highways, ja auch die Mondlandung.

Jetzt sind die USA nur noch Zweitliga. Man schaue sich nur die Infrastruktur dort an. Entweder total marode oder irgendwie uninspiriert mit irgendwie unkoordiniertem Design.

Hängt es eventuell damit zusammen dass die USA zunehmend innerlich auseinanderdriften ? Haben sie sich mit Einwanderung aus zunehmend armen Ländern übernommen und werden innerlich immer mehr gespalten ? Warum schaffen es dieser Zeit homogenere oder etwas straffere Gesellschaften wie China oder Japan (Seikan-Tunnel) oder auch gar die Schweiz (St. Gotthard Basistunnel zu Beispiel) eher Grossprojekte erfolgreich zu vollenden ?

Ich glaube die Misere am BER könnte auch ein Zeichen des voranschreitenden Zerfalls unserer Gesellschaft sein. Gesellschaften in denen es mehr Zusammenhalt gibt werden besser mit Grossprojekten fertig.
Das erscheint mir schlüssig.


Andreas Müller:
8.05.2016, 14:37 Uhr

Wäre der SPD zu gönnen, deutlich unter 20%, am besten gleich Linke und GRÜNE mit.
obwohl die Schwarzen kein Deut besser sind.
Das wäre die Quittung für diese unsäglich arrogante und zerstörerische Politik, die seit wowie praktiziert wird.
btw
Das war NIE ein Flughafenbau
und
wird mit diesen unfähigen und verlogenen Politikern auch nie einer werden,
sondern war von vornherein als Investitionsruine und Geldquelle für allen möglichen politischen Helfershelfer gedacht. Dazu muss man man sich tief in die Besatzungsverträge und Statuten reinknien.
Die Wahrheit wird erschreckend und für die etablierten Parteien vernichtend sein.
Und keiner kann blöd kommen und behaupten: "sie hättn nix gewusst.."


Michel Deutsch:
8.05.2016, 09:22 Uhr

Das ist kein Desaster, herbeigeführt von unfähigen Politikern, die sich aus Mangel an Sachverstand, in Bauvorhaben einmischen, SONDERN geplante und beabsichtigte Sabotage, einen Großflughafen in der Nähe von Berlin zu verhindern. Auftraggeber? Das sind die, welche FRAPORT und andere Westflughäfen nicht durch einen Ost-Flughafen geschwächt sehen wollen. Der "Ossi" würde einfach sagen, das sind die "Wessis"!


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