CDU am Abgrund

Ein Anbändeln mit der Linkspartei wäre das Ende von Adenauers Union

30.10.19
Die Mitte, ganz links: Thüringens CDU-Spitzenkandidat Mike Mohring am Abend der Wahlniederlage Bild: pa

Thüringens CDU-Chef Mohring will mit der einstigen SED „reden“. Er führt seine Partei damit in eine tödliche Zerreißprobe.

Für die arg geschrumpfte Zahl der Thüringer CDU-Wähler folgte auf den Schreck der Schock: Kaum waren die für seine Partei ruinösen Wahlresultate bekannt, begann Unionschef Mike Mohring vom ehernen Versprechen abzurücken, niemals mit der Linkspartei zu kollaborieren.
Für die CDU hätte eine wie auch immer geartete Kooperation mit der früher SED genannten Partei verheerende Auswirkungen. Es würde sie vermutlich zerreißen, denn der historische Bruch mit der eigenen Tradition und (einstigen?) Identität wäre durch kein noch so kunstvolles Phrasengewölk mehr zu vertuschen. Besonnene Kreise in der CDU laufen entsprechend Sturm gegen solche Planspiele. Vorerst scheinen sie Mohring gestoppt zu haben. Doch Misstrauen bleibt berechtigt.
Dass die „politische Mitte“ in Thüringen erstmals unter den Wählern in die Minderheit geraten sei, wie allenthalben düster diagnostiziert wird, erweist sich bei näherem Hinsehen als eitle Legende der etablierten Parteien.
Der Zuwachs bei der Linkspartei ist einzig und allein auf die Popularität ihres Spitzenkandidaten zurückzuführen. Welchen Anteil Ministerpräsident Bodo Ramelow am Sieg hatte, zeigt schon ein kurzer Blick auf das erbärmliche Scheitern seiner Genossen in Sachsen und Brandenburg vor wenigen Wochen.
Die Masse der Thüringer Linkswähler hat Ramelow gewählt, nicht seine Partei. Es waren durchaus Wähler aus der „Mitte“.
Die AfD wiederum versteht sich selbst als die verfassungstreueste Partei überhaupt, was sie für viele Demokraten zur Alternative hat reifen lassen. Und diese Partei war der eigentliche Sieger. Mit dem Gerede von der Niederlage der „Mitte“ wollen die etablierten Parteien nur ihren Alleinvertretungsanspruch als Repräsentanten dieses nach wie vor dominierenden Lagers verteidigen.
Eine ZDF-Umfrage relativiert den AfD-Erfolg indes etwas. Danach waren 33 Prozent der Thüringer der Meinung, dass die AfD die einzige Partei sei, die bestimmte Probleme beim Namen nenne. Gewählt haben die Partei jedoch fast zehn Prozentpunkte weniger.
Es steht daher die Vermutung im Raum, dass die AfD ohne einen als sehr rechts wahrgenommenen Spitzenkandidaten wie Björn Höcke sogar noch besser hätte abschneiden können. Für diese These spricht, dass die Partei im benachbarten Sachsen unter ihrem merklich konzilianter auftretenden Spitzenmann Jörg Urban gegenüber 2014 um satte fünf Prozentpunkte mehr zugelegt hat als in Thüringen (von 9,7 auf 27,5 Prozent gegenüber 10,6 auf 23,4 Prozent).
Die Berliner Groko-Führung scheint dem Verfall der sie tragenden Parteien fast gleichgültig zuzusehen. Es greift insbesondere der Eindruck um sich, dass der Niedergang der CDU Angela Merkel völlig kalt lässt. Hans Heckel


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Kommentare

Arnt Veritass:
30.10.2019, 18:35 Uhr

"Es steht daher die Vermutung im Raum, dass die AfD ohne einen als sehr rechts wahrgenommenen Spitzenkandidaten wie Björn Höcke sogar noch besser hätte abschneiden können". Nein, es ist anzunehmen, dass Höcke viele Nichtwähler mobilisieren konnte. Was sollen eigentlich die ständigen Seitenhiebe auf Höcke. Hören oder lesen Sie doch einmal die Reden von Franz J. Strauß. Strauß hat man nie als Faschisten bezeichnet,war er natürlich auch nicht,und Höcke auch nicht. Nur Heute leben wir im linken Universum.


Hans Meier:
30.10.2019, 14:53 Uhr

Siegfried Hermann, dem gibt´s nicht´s hinzuzufügen! Genau meine Meinung!


Heiner Kühl:
30.10.2019, 14:04 Uhr

"Es greift insbesondere der Eindruck um sich, dass der Niedergang der CDU Angela Merkel völlig kalt lässt".

Das ist doch sonnenklar. Als Pfarrerstochter kennt sie vielleicht das Neue Testament Matthäus 7,20:"an ihren Früchten werdet ihr sie erkennen".

Was hat Merkel in den 14 Jahren ihrer Kanzlerschaft Produktives für Deutschland und Europa geleistet?

Mir fällt da leider gar nichts ein.
Alle ihre Großprojekte von Energiewende über Atomausstieg bis Öffnung der Grenzen und jetzt aktuell die Deindustrialisierung - genannt Klimarettung - wirken sich katastrophal aus. Dass sie dabei auch die CDU zerstört macht das Bild rund.

Das kann unmöglich Unvermögen sein oder ideologische Verblendung. Dahinter steckt ein Plan, denn in der Politik geschieht nichts zufällig.

Unsere "Eliten" in Politik, Qualitätsmedien und zum Teil in den großen Konzernen sind genauso korrupt wie in den USA.

Wir haben leider keinen Trump, der diesen Sumpf austrocknet.

Die Deutschen dürfen sich schon auf einen gigantischen Wohlstandsverlust einstellen.


Siegfried Hermann:
30.10.2019, 13:14 Uhr

PAZ:
Ein Anbändeln mit der Linkspartei wäre das Ende von Adenauers Union

Das ist absolut richtig!
Aber seit Merkel ihr Unwesen treibt, ist weder noch was von Adenauers Erbe vorhanden, noch Vernunft anwesend.
Mit der AfD ist Deutschland wesentlich besser und vor allem ehrlicher aufgestellt!
Also weder Mitleid, und eher noch guten Wünsche zum gierigen Machterhalt, damit der Bürger endlich aufwacht.

Mahlzeit!


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