Christian Friedrich von Blankenburg

Pommerscher Adelsspross analysierte Goethes „Werther“ und Lessings Faustplan - Zum 275. Geburtstag

09.01.19
Christian Friedrich von Blanckenburg, Gemälde von Ernst Gottlob, 1790, Gleimhaus Halberstadt

Christian Friedrich von Blankenburg entstammte einem seit Mitte des 13. Jahrhunderts nachgewiesenen pommerschen Adelsgeschlecht, das mehrere namhafte Persönlichkeiten hervorbrachte. Er machte zunächst als Offizier in preußischen Diensten Karriere, interessierte sich nebenbei besonders für die Kunst und Literatur und begann schon vor seiner Pensionierung seine zweite Laufbahn als Schriftsteller. Der Ex-Offizier ließ sich in Leipzig nieder, intensivierte seinen vorherigen Kontakt zu bekannten deutschen Geistesgrößen wie Johann Wilhelm Ludwig Gleim, Christian Felix Weiße und Christoph Martin Wieland und erreichte mit seinen eigenen Veröffentlichungen deutschlandweite Bekanntheit und auch über seinen Tod hinaus eine literaturwissenschaftliche Nachwirkung, die bis in die Gegenwart anhält. Zahlreiche Literaturwissenschaftler beschäftigten sich in den vergangenen 200 Jahren mit seinem Wirken und seiner Bedeutung. Gelobt wird dabei auch stets Blankenburgs treffliche Analyse des „Werther“ von Johann Wolfgang Goethe. In entsprechenden Lexika sind ihm Beiträge gewidmet. Das 1790 entstandene  Porträt des Gleimfreundes gehört im Rahmen der „Freundesgalerie“ zum Bestand des Halberstädter „Gleimhauses“.

Blankenburg wurde am 24. Januar 1744 in Moitzlin bei Kolberg in Hinterpommern geboren. Der Geburtsort liegt etwa 15 Kilometer südöstlich von Kolberg, entstand ab dem 12. Jahrhundert im Umfeld eines Ordenshauses der Johanniter, ist auf der Lubinschen „Pommernkarte“ von 1618 aufgeführt und gehört heute zum polnischen Powiat Kolobrzeski. Die Blankenburgs besaßen in Moitzlin ein Gut und waren mit der bekannten Adelsfamilie von Kleist verwandt. Mutter Blankenburg war eine Cousine von Ewald Christian von Kleist, der als Freund Gleims sowie Lessings, Offizier und herausragender Dichter überliefert ist und Lessing als Vorbild für dessen „Tellheim- Figur“ diente. Der Vater wirkte als Gutsherr und schickte den literaturverliebten Sprössling früh auf die Berliner Militärschule. Blankenburg wurde schon 1759 in ein Dragonerregiment übernommen, bewährte sich schnell als fähiger Offizier und betrieb seine literarische Neigung nebenbei weiter. Sein erklärtes Vorbild war Onkel Ewald von Kleist. Wahrscheinlich kam er über den bewunderten Onkel auch in Kontakt zum Dichtervater Gleim, der von Halberstadt aus zahlreiche Nachwuchsdichter förderte. 

Blankenburg nahm am „Siebenjährigen Krieg“ teil, betrieb, wann immer es die Zeit erlaubte, seine weiterführenden Literaturstudien und besaß in seiner Garnisonsstadt Bunzlau eine Privatbibliothek mit über 6000 Bänden, die allerdings einem Brand zum Opfer fiel. Er galt als „hochgebildet“, erschloss sich vor allem die Vielfalt der Aufklärungsliteratur und vertrat selbst aufgeklärte Überlegungen. Schon als Offizier brachte er nach intensiven Romanstudien sein erstes eigenes Werk auf den Weg: „Versuch über den Roman“, wobei der Autor auch Goethes berühmten Bestseller „Werther“ untersuchte. Sein Erstlingswerk gilt bis heute als das „erste deutsche Werk des 18. Jahrhunderts, das sich eingehend mit der Theorie der Gattung befasste“. Das trug Blankenburg vielgestaltige Lobeshymnen ein, bewog ihn als preußischer Oberstleutnant zur Beendigung der Offizierslaufbahn und 1778 zum Wechsel als freiberuflicher Schriftsteller nach Leipzig.

Fortan zog er in der Messestadt seine Kreise. Der aufgeklärte Autor gehörte jetzt zum Freundeskreis von Weiße, der als Verfasser von Lust- sowie Trauerspielen, als Initiator der deutschen Jugendprosa, Herausgeber der „Neuen Bibliothek der schönen Wissenschaften...“ und als ein Hauptfreund von Ewald von Kleist bis zu dessen Tod in der Schlacht bei Kunersdorf überliefert ist. Dazu kam der rege Kontakt nach Weimar zu Wieland, der den Leipziger Kollegen als „einen der trefflichsten Menschen“ mit einer „allumfassenden Gelehrsamkeit“ lobte. Blankenburg ließ weitere Veröffentlichungen folgen. Das reichte von „Beyträgen zur Geschichte des deutschen Reiches“ über „Literarische Zusätze zu J. G. Sulzers allgemeiner Theorie der schönen Wissenschaften“ und die Veröffentlichung des zweiten Teils der „Vermischten Schriften“ Sulzers bis zu Übersetzungen aus der englischen Aufklärungsliteratur und der Ausgabe des Werkes „Von der preußischen Monarchie unter Friedrich d. Großen“ aus der Feder der Autoren Mirabeau und Mauvillon. Besonders interessant sind aus heutiger Sicht auch die von ihm überlieferten Überlegungen Lessings zu einer Faustdichtung. 

Blankenburg blieb ledig und starb in der Nacht vom 3. auf den 4. Mai 1796 in Leipzig. 

Martin Stolzenau


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