Den Weckruf hören

Bürgerliche Mehrheit in Sachsen, doch Kretschmer übergeht den Wählerwillen

04.09.19
Jubel in Dresden: Sachsens AfD-Chef Jörg Urban feiert mit Bundessprecher Jörg Meuthen den Wahlsieg Bild: imago images/xcitepress

In Brandenburg hat der Flirt mit linker Politik viele CDU-Wähler bereits verschreckt. Das könnte sich in Sachsen wiederholen.

Das Aufatmen, mit dem die Spitzenleute von SPD (in Brandenburg) und CDU (in Sachsen) ihre Landtagswahlergebnisse quittiert haben, war offenkundig gespielt. Auch wenn beide Parteien ihre jeweilige Stellung als stärkste Kraft im Lande gerade noch verteidigen konnten, bleiben ihre Resultate eine Ohrfeige.
Besonders problematisch stellt sich die Lage nach der Wahl für Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer und dessen CDU dar. Kretschmer hat jedwede Zusammenarbeit mit dem strahlenden Wahlsieger AfD ausgeschlossen. Daher bleibt ihm nun nur noch ein Dreierbündnis mit den Grünen und der pulverisierten Sieben-Prozent-SPD. Gerade in Sachsen aber stoßen die Grünen mit ihren Positionen wie der Forderung nach einem baldigen Kohleausstieg auf massiven Widerstand im bürgerlichen Lager von CDU- und AfD-Wählern.
Kretschmer konnte das Schlimmste abwenden, weil er seiner Sachsen-CDU ein konservatives Antlitz verlieh. Im Gegensatz zum brandenburgischen CDU-Kollegen Ingo Senftleben, dessen Schielen zur Linkspartei als möglichem Partner  in ein Wahldesaster sondergleichen mündete.
Ein Dresdner Bündnis unter Einschluss der im Bundesvergleich sehr stark nach links tendierenden sächsischen Grünen aber dürfte viele CDU-Wähler gerade deshalb bitter enttäuschen, weil sie auf das konservative Auftreten von Michael Kretschmer vertraut hatten.
Der tatsächliche Wählerwillen der Sachsen legt etwas anderes als Schwarz-Grün-Rot nahe: Zusammengenommen haben 60 Prozent Schwarz oder Blau gewählt und damit die Grundlage für ein starkes bürgerliches Bündnis geschaffen. Eine unionsgeführte Regierung mit den Grünen widerspricht dem fundamental.
Wie gefährlich ein Linkspakt für die CDU werden kann, zeigte die Bürgermeisterwahl in Görlitz vergangenen Juni. Dort war die „Alle gegen die AfD“-Strategie beinahe gescheitert. Der AfD-Kandidat errang gegen eine Front von CDU bis Linkspartei stolze 45 Prozent. Zum Vergleich: Das beste AfD-Wahlkreis-Resultat bei den jüngsten Landtagswahlen lag rund fünf Prozentpunkte darunter.
Hier zeigt sich: Die brachiale Ausgrenzung der AfD beginnt sich in ihrer Wirkung zu erschöpfen, selbst wenn alle anderen Parteien − gestützt von Medien, Kirchen, Gewerkschaften sowie Arbeitgeberverbänden und wem noch alles − die Reihen noch so fest schließen. Das Kalkül, die AfD durch Verteufelung kleinzukriegen, verfängt bei immer weniger Bürgern.
Mehr noch: Wenn CDU-Wähler den Eindruck gewinnen, ihre Stimmen würden von der Union nach links „entführt“ statt für bürgerliche Politik genutzt, droht der Union weitere Erosion. Die CDU sollte die Wahlen vom Sonntag als Weckruf verstehen.      Hans Heckel


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Chris Benthe:
5.09.2019, 21:57 Uhr

Die CDU mit Kretschmer in Sachsen wird in wenigen Jahren am Ende sein, wenn sie mit den Volksverrätern der Grünen ins Bett steigt. Eine selbstgestellte Falle, aus der es kein Entrinnen gibt. Man lehne sich also entspannt zurück. Der Countdown läuft, Herr Ex-Ministerpräsident...


Andreas Walter:
4.09.2019, 19:05 Uhr

Die " CDU " hat mit bürgerlichkeit nichts mehr zu tun. Sie ist eine ebenso linke und antideutsche Gruppe wie die " Grünen " , Dunkelroten und Roten.Abgehoben schwebend über den deutschen Bürgern, Landsleuten.
Ich finde es gut das sie mit den " Grünen " und Roten ins Bett steigt und deren politischen Vorstellungen eilfertig umsetzen wird. Da sie nunmal ALLE EINES Sinnes sind. Mit Volldampf in den bunten Sozialismus. Und es werden sich noch mehr Deutsche angewiedert abwenden.


Kim Peter:
4.09.2019, 18:22 Uhr

Die CDU wurde vom System Merkel, seit Jahren, konsequent nach links/grün geführt, dazu noch noch unter Bruch der Gesetze und Maastrich Regeln. Nur der CDU Wähler hat das noch nicht kapiert!?
70/80 % des Volkes sind gegen die diese Handhabung. Inwieweit ist die Demokratie und Wahl, da, vertrauenswürdig!? Ist die AfD nicht imstande dies zu hinterfragen oder wollen die das, eigentlich, auch nicht!? GG 20 ff. - bitte lesen.


Siegfried Hermann:
4.09.2019, 11:20 Uhr

Ich sach nur :
Kasperle-Theater vom Feinsten mit "sozialistischen" Ergebnissen.

Mahlzeit!


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.