Der lange Arm der Stasi

Stecken ehemalige DDR-Kader hinter der Absetzung von Hubertus Knabe?

13.03.19
Abserviert: Hubertus Knabe, hier vor der Gerichtsverhandlung über seinen Verbleib am Arbeitsplatz Bild: pa

Seit die DDR von ihren Bürgern abgeschafft wurde, arbeiten alte SED-Kader und ehemalige Mitarbeiter des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS) daran, eine breite Revision des DDR-Geschichtsbildes zu erreichen. Mit der umstrittenen Absetzung von Hubertus Knabe als Leiter der Gedenkstätte Berlin-Hohenschönhausen scheinen sie realistische Möglichkeiten zu sehen, ihrem Ziel näher zu kommen.

Weil es dem letzten SED-Chef Gregor Gysi, der die Parteiführung im Dezember 1989 übernahm, gelang, die Auflösung der Partei zu verhindern – das Hauptargument war, dass dann das Vermögen verloren gehe – stand der Partei, die sich nach viermaligem Namenswechsel heute Die Linke nennt,  ihr gesamter riesiger Apparat nebst einem geschätzten Vermögen von 24 Milliarden Mark weiter zur Verfügung. Diese umfangreichen Ressourcen konnten im Vereinigungsprozess und danach erfolgreich für ideologische Kampagnen eingesetzt werden. Eine Schlüsselrolle kam dabei von Anfang an dem „Kampf gegen rechts“ zu. In diesem Zusammenhang spielt die Amadeu Antonio Stiftung unter ihrer Vorsitzenden Anetta Kahane, alias Stasi-IM „Victoria“, eine Hauptrolle.
Ihr jüngstes Projekt war eine Fachtagung über den angeblichen „rechten Rand der DDR-Aufklärung“. Es ging bei dieser Tagung, die praktisch unter Ausschluss der Öffentlichkeit stattfand, auch um die Gedenkstätte in der ehemaligen Zentralen Untersuchungshaftanstalt des MfS in Berlin-Hohenschönhausen. Die Absetzung Knabes wurde begrüßt als Chance, das Gedenkstättenkonzept zu verändern. Es scheint sogar eine von den alten Seilschaften der Stasi initiierte Aktion gewesen zu sein. Jedenfalls sieht es ein ehemaliger MfS-Führungsoffizier so.
Von einer Filmproduzentin, die aktuell an einem Film über den Untergang der DDR arbeitet, erfuhr die Verfasserin dieser Zeilen, dass sie während ihrer Recherche auch bei dem ehemaligen MfS-Führungsoffizier Schwanitz angerufen habe. Es handelt sich dabei nicht um irgendeinen Stasi-Kader, sondern um den Sohn von Wolfgang Schwanitz, der lange Jahre Chef der Stasi-Bezirksverwaltung Berlin und später als General im MfS sogar stellvertretender Minister war.
Schwanitz junior hielt die Anruferin für eine Sympathisantin und nahm daher kein Blatt vor den Mund. Er kam auf die Absetzung Knabes zu sprechen. Endlich sei es „uns“ gelungen, Knabe loszuwerden. „Wir“ würden nun nicht ruhen, bis der letzte Zeitzeuge aus Hohenschönhausen verschwunden sei. Endlich müsse wieder klargemacht werden, dass in Hohenschönhausen nur Lumpen und Verbrecher gesessen hätten.
Diese Worte lassen keinen Zweifel daran, dass die Stasi-Seilschaften bei der Kaltstellung Knabes ihre Finger im Spiel hatten und sich auf gutem Weg sehen, ihre Geschichtsfälschungen mithilfe der Amadeu Antonio Stiftung nachhaltig verbreiten zu können.
    Vera Lengsfeld


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Kommentare

Dietmar Fürste:
13.03.2019, 10:49 Uhr

Vielleicht wird spätere Geschichtsschreibung einmal aufarbeiten können, wie Mielkes Kader in Ost (und West!) nach dem Ende der DDR und der Vereinigung mit dem Westen zur heutigen Bundesrepublik ihren 'Kampf für den Sieg des Sozialismus' weiter führen konnten. Auch in hohen und höchsten Ämtern.

Abgesehen von den "Wendehälsen" ist der Bestand an "Roten Socken", überzeugten Alt-Kommunisten und zugehörigen Netzwerken noch immer existent, wie man sich anhand der Kahane-Aktivitäten klarmachen sollte.

Konspirative Arbeit war ja stets das Geschäft dieser Leute, die sich etwas Besseres und Fortschrittlicheres dünken. Und sobald jemand wie Rudolf Bahro oder Jürgen Fuchs den Schleier lüften wollten, war ihnen ein schnelles Ableben gewiss.

Mein Eindruck ist, dass noch zu viele solcher 'Kader' daran mitwirken, jede vollständige Aufklärung zu verhindern. Und Demokratie und Offenheit sind deren größte Feindbilder. Kommunistische Herrschaft als Ziel eben.


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