Deutschland als Beute

Erdogan-Kontroverse: Wie fremde Mächte unser nationales Vakuum füllen

08.03.17
Abschied von der Integration: Kundgebung in Köln nach dem gescheiterten Putsch im Sommer 2016 Bild: SZ photo

Der respektlose Umgang der Türkei mit der Souveränität Deutschlands hat ihren Ursprung in deutscher Ideologie.

Die Reaktionen Berlins auf die massiven Provokationen aus Ankara sind von tiefer Desorientierung geprägt. Das liegt daran, dass Machthaber Erdogan letztlich nur die ideologischen Signale, die Deutschlands Elite seit Jahrzehnten aussendet, schlüssig zu Ende gedacht hat und seine Politik konsequent daran ausrichtet.
Diese Signale hat Kanzlerin Merkel erst vor wenigen Tagen in ihrer neuartigen Definition von „Volk“ (siehe PAZ von vergangener Woche) auf den Punkt gebracht: Damit ist Deutschland eben nicht mehr das Land, in dem die Deutschen als Souverän das Sagen haben, sondern eine offene Zone, in der jeder zum „Volk“ zählt, der hier lebt. Die deutsche Staatsbürgerschaft wird, gern auch als Zweitpass, so  billig wie möglich feilgeboten, Grenzkontrollen wurden monatelang ganz aufgegeben.
Immigrantenverbände haben das Ziel der Integration oder gar Assimilierung längst verabschiedet und klagen stattdessen vielsagend „Teilhabe“ ein. „Teilhabe“ an einem Land, das theoretisch allen Erdenbürgern gehören soll, die dies wünschen und „hier leben“ wollen.
Doch die Erfahrung lehrt: Was allen gehört, gehört niemandem. Und was niemandem gehört, kann jeder in Besitz nehmen, der nur beherzt genug zulangt. So erging es Afrika und der „Neuen Welt“, die einst in den Augen europäischer Eroberer als besitzerloser Raum vor ihnen lagen. Mit den dortigen Herrschern schloss man höchstens taktisch motivierte Verträge, um ihnen die Hoheit über ihre Länder konfliktfreier entwinden zu können.
Wenn sich die Eingeborenen-Führer widerborstig zeigten, stießen die Europäer Drohungen aus oder führten Strafaktionen durch. Erdogan droht damit, in Deutschland einen Aufstand auszulösen, falls seiner Forderung, dort als Aufpeitscher und Wahlkämpfer frei schalten und walten zu können wie auf eigenem Hoheitsgebiet, nicht entsprochen werde. Dass sein Anspruch vom Grundgesetz gedeckt sei, ist übrigens falsch: Artikel 8 reserviert die Versammlungsfreiheit ausdrücklich nur für Deutsche.
Was aber macht Berlin? Kanzlerin Merkel versteckt sich hinter Bürgermeistern, die Auftritte türkischer Spitzenpolitiker wegen Sicherheitsbedenken untersagen. Innenminister Maas sagt, er wäre sogar nach Gaggenau hinterhergereist, um einen türkischen Minister sprechen zu dürfen, selbst wenn er über dessen Reisepläne erst aus der Presse erfahren habe, woraus allein schon die krasse Geringschätzung Ankaras gegenüber der deutschen Regierung spricht.
Unterwürfigkeit und nationale wie staatliche Selbstaufgabe fordern nun erbarmungslos ihren Preis. Deutschland trudelt zum wahren Kern von „Multikulti“, die „bunte“ Republik der nationalen Beliebigkeit enthüllt, was sie ist: ein Nichts im Gefüge selbstbewusster Nationen.     Hans Heckel


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Kommentare

Hans.Joachim Dr. Dr. Kucharski:
15.03.2017, 10:22 Uhr

Unser Problem mit Erdogan ist, daß er einige Länder Europas bereits als Teil der Türkei betrachtet, die nach seiner Regie zu funktionieren haben. Durch sukzessives Eindringen haben die Türken erreicht, was ihnen 1683 mit Krieg und Belagerung nicht gelungen ist. Dieses Problem ist so weit vorangeschritten, daß Erdogan den europäischen Ländern mit Erfolg drohen kann, wenn sie nicht seinen Intentionen entsprechen. Er kann sich dabei, wie sich gerade in den Niederlanden gezeigt hat, auf seine nur noch zu mobilisierende fünfte Kolonne verlassen. Am Sonntag wurde schon die niederländische Flagge durch eine türkische ersetzt – ist das nicht ein überzeugendes Symbol für eine vollzogene Machtübernahme? Noch war jemand dagegen eingeschritten – aber wie lange wird das noch geschehen? Wer nicht für seine Ernennung zum GröKaZ (größter Kalif aller Zeiten) votiert, ist eben ein Terrorist – so einfach ist das. Natürlich wendet er sich dem Vernehmen nach damit, zumindest vorzugsweise, an schlichte Gemüter; aber die sind doch dafür bestens geeignet und außerdem für uns eine Bereicherung; das haben nur die politisch nicht Korrekten noch nicht kapiert. Was für eine Bananenrepublik sind wir eigentlich schon geworden, wenn wir sehen müssen, daß unsere Politiker (zugegebenermaßen nicht alle) den totalen Souveränitätsverlust unseres Landes seelenruhig hinnehmen, indem sie meinen, der Deeskalation den Vorzug geben und nur zur Mäßigung anzuhalten zu müssen. Für wie dumm hält eigentlich die Politik ihre Wähler, sie unter diesen Umständen noch zu wählen? Daß die als populistisch verschrienen Parteien einen solchen Zulauf haben, liegt weniger an ihrer überzeugenden Argumentation, als vielmehr am völligen Versagen der etablierten Parteien bei der Lösung unserer Probleme und der Verhinderung von Fehlentwicklungen. Sie haben bei ihrem Zulauf ein ganz leichtes Spiel.
Natürlich muß man unterscheiden zwischen Menschen und ihrer Masse. Während gegen Menschen, die sich hier redlich um ein geordnetes Zusammenleben und die Einhaltung unserer Rechte bemühen, nichts einzuwenden ist, hat sich deren Masse in unserem Land längst zu einem Krebsgeschwür entwickelt. Jetzt fängt es an sich zu rächen, daß wir solche Leute unkritisch in unkontrollierter Menge in unser Land gelassen haben. Es beantragen sogar diejenigen Asyl und Schutz, die auf der Flucht oder bei uns Christen verfolgt haben bzw. verfolgen. Die Christen müssen sich fragen, warum sie die Flucht auf sich genommen haben, wenn sie ihre Verfolgung nicht beendet. Wir schützen die Verfolger unserer eigenen Religion; haben nicht auch die Massenmörder zuvor Asyl beantragt?
Übrigens sollten wir nicht dem Irrtum verfallen, daß sich das Problem lösen läßt, indem sich Merkel mit Erdogan auf einen Deal einläßt. Wenn das Visaproplem für die Türken gelöst ist, kommen nicht nur noch mehr Türken, sondern auch die, die durch den Deal abgewendet werden sollten – Erdogan wird das schon irgendwie regeln (eine Wahl zwischen Pest und Cholera). Unsere Politiker lernen einfach nicht, daß mit so unzuverlässigen Leuten wie Erdogan kein Deal zu machen ist.


Jan Kerzel:
8.03.2017, 23:41 Uhr

Die Türken sind ein erheblicher Teil der hiesigen Bevölkerung. Es versteht sich von selbst , dass sie den politischen Raum mitgestalten und ihren Einfluss geltend machen. Wenn türkische Minister zu ihren Landsleuten sprechen wollen, dann ist dies normal, zumal sie in der Türkei ein Stimmrecht besitzen. So geht Demokratie. Deutsche Interessen werden dadurch nicht berührt. Welche sollten dies sein? Die türkische Achse wird für Deutschland in Zukunft noch wichtiger werden und in die allgemeine Staatsräson einfließen. Das Deutsche als solches ist weitgehend erledigt. Reanimieren kann man das nicht mehr.Die jetzige Regierung hat den Sack zugemacht.


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