Elefantenhochzeit bei Autobauern?

Fiat Chrysler und Renault streben eine Fusion an – Widerstand aus Frankreich droht

11.06.19
Der amerikanisch-italienische Konzern FCA präsentiert sich auf dem diesjährigen Genfer Autosalon: Mit Renault im Bestand könnte er zu einem der größten Autobauer der Welt aufsteigen Bild: Alexander Migl

Die Autohersteller Fiat Chrysler und Renault tragen sich mit Plänen zu einer Fusion. Auch andere Autobauer werden in den kommenden Jahren Bündnisse schmieden müssen. Die Entwicklung der Elektromobilität und des autonomen Fahrens verursacht hohe Kosten:

Mit den Fusionsplänen von Fiat Chrysler Automobiles (FCA) und Renault könnte einer der größten Autobauer der Welt entstehen, der sich sogar mit den beiden Autoriesen Toyota und Volkswagen vergleichen kann. Beide Konzerne gehen davon aus, ihre Kosten nach einem Zusammenschluss um jährlich fünf Milliarden Euro senken zu können. Zusammenkommen würden zudem Unternehmen, die sich gut ergänzen: Fiat Chrysler ist in Nordamerika gut vertreten. In Europa steht der italienisch-amerikanische Autobauer derzeit allerdings unter Druck.
Renault ist wiederum in Europa, Russland und auch in Afrika stark. Für Renault bietet ein Zusammengehen mit Fiat Chrysler zudem auch eine Entwicklungsperspektive. Der französische Autobauer Renault ist bereits in einer Allianz mit den japanischen Herstellern Nissan und Mitsubishi verbunden. Allerdings steckt dieses Bündnis derzeit in einer Krise. Carlos Ghosn, der langjährige Chef beim französisch-japanischen Autobündnis, sieht sich in Japan unter anderem Vorwürfen ausgesetzt, er hätte gegen Börsenauflagen verstoßen. Zudem hat auch Nissan-Chef Hiroto Saikawa auf ein Fusionsangebot von Renault kühl reagiert.
Allerdings sind auch bei dem Vorhaben, Fiat Chrysler und Renault zu verschmelzen, noch einige Hürden zu nehmen. Mit am Verhandlungstisch wird nämlich auch der französische Staat sitzen, der mit 15 Prozent größter Aktionär von Renault ist. Aus Frankreich werden inzwischen auch schon Forderungen nach einer Arbeitsplatzgarantie für die Renault-Standorte laut. Auch der italienische Vize-Premier Matteo Salvini sagte, es sei „fundamental“, dass Arbeitsplätze geschützt würden. Auch die französische Staatsbeteiligung bei Renault birgt ein hohes Potenzial für Streit zwischen Rom und Paris. Claudio Borghi, Wirtschaftsexperte der Lega, brachte als Gegengewicht zum französischen Staatsanteil inzwischen sogar eine Beteiligung des italienischen Staates ins Gespräch.
Eine wichtige Triebkraft hinter solchen Fusionsplänen unter den Autobauern sind die immensen Kosten, die mit der Entwicklung neuer Antriebsarten und dem Zukunftsthema autonomes Fahren verbunden sind. Allein der Volkswagen-Konzern will bis zum Jahr 2023 etwa 44 Milliarden Euro in die Bereiche Elektromobilität, autonomes Fahren und Digitalisierung investieren. Die Megafusionen stellen allerdings auch keine Garantie für einen Erfolg dar.
Als Daimler und Chrysler zusammengingen, wurde dies zunächst als „Hochzeit im Himmel“  gefeiert. Daimler kostete die Scheidung von Chrysler am Ende einen Betrag, der auf rund 40 Milliarden Euro geschätzt wird.
Einige Autobauer setzten deshalb auch verstärkt auf Kooperationen mit Wettbewerbern und bleiben dabei aber selbstständig. Schon im Jahr 2017 kündigten die japanischen Hersteller Toyota und Suzuki an, enger kooperieren zu wollen.
Volkswagen und der amerikanische Hersteller Ford einigten sich Anfang dieses Jahres auf eine Zusammenarbeit bei leichten Nutzfahrzeugen. Beide Konzerne wollen dabei selbstständig bleiben. Eine gegenseitige Kapitalbeteiligung der beiden Unternehmen ist derzeit nicht vorgesehen.
Auch die beiden deutschen Premiumhersteller BMW und Daimler haben ihre Carsharing-Dienste in einem neuen Gemeinschaftsunternehmen zusammengelegt und wollen bei der Entwicklung von Roboterautos kooperieren.  Unter dem neuen Daimler-Chef Ola Källenius beginnt zudem auch ein tiefgreifender Umbau des Konzerns. Das Pkw- und Van-Geschäft, das Lkw- und Bus-Geschäft sowie die Sparte für Finanzdienstleistungen sollen in drei eigenständigen Aktiengesellschaften unter dem Dach einer Holding ausgegliedert werden. Der Zetsche-Nachfolger bereitet außerdem auch ein Sparprogramm vor, das mithelfen soll, die hohen Investitionskosten für die neuen Technologien zu stemmen
Tatsächlich steht die gesamte Automobilbranche vor einem tiefgreifenden Umbruch. Allein schon die Entwicklung neuer Antriebsarten ist eine kostspielige Angelegenheit. Beim Thema autonomes Fahren stoßen die Autobauer darüber hinaus noch auf starke Konkurrenz aus der IT-Branche. Das Unternehmen Waymo, das zum Google-Mutterkonzern Alphabet gehört, gilt zum Beispiel weltweit führend auf dem Gebiet eigenständig fahrender Autos. Obendrein können große Technik-Konzerne wie Alphabet (Google) oder Apple auf hohe Finanzreserven zurückgreifen. Die Marktkapitalisierung vieler Autohersteller hat dagegen in den letzten Jahren deutlich abgenommen.
Vor diesem Hintergrund prognostizierte KPMG in der Analyse „Global Automotive Executive Survey 2018“, dass die Autohersteller in der Zukunft Kooperationen mit den Technologiekonzernen schließen müssen, wenn sie nicht abgehängt werden wollen. Es ist nicht einmal ausgeschlossen, dass die Autobauer langfristig zu Zulieferern großer Technologiekonzerne herabsinken.    Norman Hanert


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Kommentare

Siegfried Hermann:
14.06.2019, 13:01 Uhr

Aus betriebs-wirtschaftlicher Sicht mag da für beide Konzerne (für die Aktionäre und Boni-Helden) Vorteile zu winken.
In Anbetracht der globalen Produktionsüberkapazitäten sieht das eher wie eine Notoperation aus.

Als jetzt, vorgestern wars glaub, durch "insider" bekannt wurde, dass ausschließlich in Italien tausende Arbeitsplätze wegfallen sollen und die Konzernzentrale Richtung Paris entschwindet, hat es sich ausgeträumt und wurde mit "kommt zur Unzeit (vor Wahlen)." kommentiert.
Bei den Italienern stößt seit langem das arrogante Auftreten des Napoleon-Marcönchens sauer auf. Das bringt mit derlei Besserwisserei-Geschwafel die Volksseele der Tifosi erst recht zum kochen.
Und wie die Vergangenheit gezeigt hat, hat es mit franz. Staatskonzerne und ihr Streben auf Chefetage, immer Probleme der Fusion gegeben.
Ergo:
Das wird noch viel Wasser den Rhein runter laufen, bis so was wie eine Fusion auf Augenhöhe stattfinden wird.


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