Führungsprobleme

SPD und CDU plagen Sorgen mit ihrem Spitzenpersonal

21.08.19
Sie rüttelten mit ihrer Kandidatur ihre Genossen wach: SPD-Politiker Ralf Stegner und Gesine Schwan Bild: Imago images/Rainer Unkel

Je kleiner die verbliebenen ehemaligen Volksparteien werden, umso schwerer, scheint es, sind sie zu lenken. Das liegt entweder an den Parteien selbst oder an ihrem Spitzenpersonal.

Letzteres ließ die SPD vermuten, die sich vor Kurzem noch in einer Lage befand, die in keinem Handbuch für Parteienwesen beschrieben wird: Der Sessel der Nummer eins wird vakant, und niemand findet sich, der darauf Anspruch erhebt. Das gab es noch nie. Denn jede Partei setzt in ihrer Konstruktion stillschweigend den Ehrgeiz der Tüchtigen voraus, so, wie es jeder Verband tut oder auch die Wirtschaft. Will niemand, dann ist etwas gründlich schiefgelaufen.
Doch immerhin hat diese sonderbare Gegebenheit eines ins Bewusstsein gerückt, was schon lange klar war: Mit der Überzeugungskraft, dem Umfang und dem Einfluss ist auch das Spitzenpersonal der einstigen Volksparteien geschwunden. Formate wie vor 30 Jahren sucht man heute vergebens.
Immerhin ist es der SPD gelungen, in der Personalfrage eine Wende herbeizuführen, wenn auch durch einen denkbar brutalen Vorgang. Die Vorstellung, dass Gesine Schwan und Ralf Stegner die Genossen anführen könnten, hat diese, soweit sie wenigstens im 20., wenn auch nicht im 21. Jahrhundert angekommen sind, erbleichen lassen. So ist das Gegenteil der Verweigerung eingetreten, und Aspiranten aller Schattierungen und jeglichen Herkommens drängen sich zur Wahl. Doch auch diese Wende hat kein Spitzenpersonal hervorgebracht; der Einzige, der sich so verstehen dürfte, ohne lächerlich zu wirken, ist Olaf Scholz.
Im Gegensatz zur SPD hat die CDU mit Annegret Kramp-Karrenbauer bereits einen Bundesvorsitzenden, aber was für einen. Sein Kaliber zeigt sich im Umgang mit dem Präsidenten des Bundesamtes für Verfassungsschutz vom August 2012 bis zu dessen Versetzung in den einstweiligen Ruhestand im November 2018, Hans-Georg Maaßen. Kramp-Karrenbauer ließ den Verdacht unwidersprochen, sie wolle den ver- dienten, hochangesehenen und erfolgreichen Mann aus der Partei werfen. Er habe mit ihr nichts mehr gemein, so sinngemäß.
Nun steht es außer Frage, dass Maaßen in allen Dingen das darstellt, was in der Vor-Merkel-Ära Kern und Mitte der CDU war, damals, als sie sich noch um die 40 Prozent bewegte. Alle Hoffnungen, Kramp-Karrenbauer  würde ihrer Partei nach Angela Merkel eine Periode der Besinnung und Erholung, der Selbstfindung gönnen, sind verflogen. Was einst ihr Kern war, gilt heute als „rechter Rand“. Die heutige Mitte der CDU bewegt sich auf abschüssiger Ebene, auf ideologisch verbrannter Erde, welche die SPD auf ihrem Marsch nach links hinterlassen hat.
Allein die Grünen erhoben sich zu einem Steilflug. Doch sie versäumen es, sich bei Angela Merkel dafür zu bedanken.        
    Florian Stumfall


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