Politik beherrscht das Spielfeld

»Politische Korrektheit« greift auch im Fußball immer weiter um sich – Harmlose Vorkommnisse aufgebauscht

15.08.19
Vom Sturm gespielter Entrüstung erfasst: Unternehmer und Fußballfunktionär Clemens Tönnies Bild: ddp images

Der Fußball gilt als des Deutschen liebste Nebensache. Doch auch dieser wird zunehmend politisiert, die „Politische Korrektheit“ greift um sich.

Clemens Tönnies gilt als ein mit allen Wassern gewaschener Mann. Der Fleischhändler dirigiert ein Milliarden-Imperium, zudem zieht er seit Jahren beim Fußball-Bundesligisten Schalke 04 die Fäden. In seiner westfälischen Heimat ist er ein gefragter Mann. Vor einigen Wochen trat er vor Mittelständlern auf, dort ging es auch um das Zusammenspiel von Klimaschutz und wirtschaftlicher Entwicklung. Tönnies ist ein Mann fürs Grobe, ein hemdsärmeliger Macher, kein rhetorisches Supertalent. Statt im Kampf gegen den Klimawandel die Steuern zu erhöhen, sagte er, solle man lieber jährlich zwanzig Kraftwerke in Afrika finanzieren. „Dann würden die Afrikaner aufhören, Bäume zu fällen, und sie hören auf, wenn’s dunkel ist, Kinder zu produzieren.“ Anwesend war eine Lokalreporterin, das Unheil nahm seinen Lauf.
Bundesjustizministerin Christine Lambrecht sprach von „dumpfem Rassismus“, die DFB-Ethikkommission und der eigene Verein berieten über Konsequenzen. Vorerst muss Tönnies seine Ämter „auf Schalke“ drei Monate lang ruhen lassen. Ob die Affäre damit ausgestanden ist, bleibt offen. War die Tonlage seiner Äußerungen vielleicht missverständlich, in der Sache lag er durchaus nicht daneben. „Die von Tönnies angesprochenen Probleme wie das Verschwinden des Regenwalds und das Bevölkerungswachstum auf dem afrikanischen Kontinent sind real und darüber muss gesprochen und gegebenenfalls kontrovers diskutiert werden“, sagte der Afrika-Beauftragte der Bundesregierung, Günter Nooke. „Wir müssen uns alle um eine angemessene Sprache bemühen. Jeder sollte sich mit Respekt behandelt fühlen“, sagte der CDU-Politiker an die Adresse Tönnies’ gerichtet.
Auch der FDP-Vize Wolfgang Kubicki störte sich allenfalls am Ton, nicht aber am Inhalt: „Die ziemlich drastische Aussage von Clemens Tönnies war nicht nur zulässig, sondern vielleicht auch notwendig, um auf ein Riesendilemma der selbst ernannten Klimaaktivisten hinzuweisen. Wenn es nicht gelingt – und dies geht nur über Bildung und wirtschaftliche Perspektive –, das Bevölkerungswachstum in den Griff zu kriegen, können wir uns alle Überlegungen zum Erreichen der Weltklimaziele in die Haare schmieren“, sagte der Vizepräsident des Deutschen Bundestags.
Doch das mediale Säbelrasseln brachte dies nicht zum Verstummen. „Trotz aller gegenteiliger Beschwerden ist heute vieles wieder sagbar, auch im Fußball. So wurde Mesut Özil wegen der Erdogan-Fotos nicht nur zu Recht kritisiert, sondern auch rassistisch angefeindet. Und in manchen Stadien hört man schon wieder mal ‚Kanake‘ und anderes Herrenrassevokabular. Wie man nun weiß, sitzt das Problem auch in den VIP-Logen“, lamentierte die linksliberale Wochenzeitung „Die Zeit“ in einer Kolumne.
Während Tönnies noch darum bemüht war, seine Ämter zu retten, folgten gleich zwei mehr oder minder aufgebauschte Skandale. Borussia Dortmund, Erzrivale und Dauerkonkurrent der Schalker, hatte im italienischen Trainingslager ein Testspiel gegen Udinese Calcio durchgeführt. Am Mikrofon des Fan-TV: Stadion-sprecher Norbert Dickel, ein Ex-Profi, der seit Jahren sein Gesicht für Antidiskriminierungskampagnen des Vereins hinhielt und der frühere Nationalspieler Patrick Owomoyela. Während der Übertragung fiel der Klassiker des antiitalienischen Beschimpfungswortschatzes, „Itaker“, genauso, wie ausgerechnet Owomoyela im Tonfall von Adolf Hitler ins Mikro schnarrte: „Große Schlachten, die hier geschlagen werden.”
Beide, so räumten sie hinterher ein, seien „neben der Spur gewesen“, hatten im Vorfeld des Spiels offenbar regionalen Spezialitäten zugesprochen. Obwohl es geradezu grotesk ist, dem farbigen Owomoyela rassistische Tendenzen zu unterstellen, knickte die Vereinsführung ein und zog die Moderatoren vorübergehend aus dem Verkehr. Wohl auch, weil Vereinschef Reinhard Rauball zuvor seine Empörung im Fall Tönnies nicht verbergen konnte.
Empört waren auch die Verantwortlichen des Chemnitzer FC. Kapitän Daniel Frahn wurde Anfang der Woche fristlos gefeuert. Der Angreifer konnte wegen einer Verletzung nicht spielen und sah sich das Auswärtsspiel seiner Mannschaft gegen Halle im Gästeblock an. Nach Angaben des CFC stand der Spieler dort Seite an Seite mit „führenden Köpfen“ der rechten Gruppierung und der aufgelösten Gruppe NS-Boys und habe seine Sympathie zu diesen „offenkundig zur Schau gestellt“. Dies sei „massiv vereinsschädigend“, heißt es in einer Erklärung des Vereins.
Der Klub hatte sich nach den Ereignissen in Chemnitz im Sommer 2018 nach eigenen Angaben dazu verpflichtet, „ein Bollwerk gegen Rechtsradikalismus zu sein“. Seitdem wird eine Null-Toleranz-Politik gefahren. Verantwortlich hierfür ist der Insolvenzverwalter des maroden Vereins, Rechtsanwalt Klaus Siemon, der in Sozialen Netzwerken schon mal dazu aufruft, auf keinen Fall die AfD zu wählen. Mehr als 2000 Facebook-Kommentatoren solidarisierten sich mit Frahn. Einer schrieb: „Hätte er neben einer antifaschistischen Gruppe gestanden, hätten ihn die Medien gefeiert.“    
    Peter Entinger


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Kommentare

egon samu:
16.08.2019, 11:17 Uhr

Der Sport wird schon lange mißbraucht, um die linke Gesinnungsdiktatur in Merkelistan zu festigen. Der Fall der Ruderin Drygalla ist auch noch in Erinnerung. Die ehemalige sozialistische Stasi-Aktivistin Angela-Dorothea hat GEGEN Deutschland ganze Arbeit geleistet .


Michael Kritikus:
16.08.2019, 11:13 Uhr

Prince Andrew hat minderjährige Zwangsprostituierte auf Epsteins Anwesen vergewaltigt. Der kommt davon, kein Rechtsverfahren und keine gesellschaftliche Ächtung.

Aber eine spitze satirische Bemerkung, in die man eine rassistische Note hineininterpretieren kann aber nicht muss, und der Mann muss um seine berufliche Zukunft fürchten und wird für drei Monate sozial ausgegrenzt.

Der Vergewaltiger von zwangsprostituierten Minderjährien kommt davon.
Der rhetorische Klotz wird öffentlich ans Kreuz genagelt.

Deutsche Eliten und deutsche Presse: ich weigere mich, euch ernst zu nehmen.


Arnold Schacht:
15.08.2019, 20:03 Uhr

Wenn Tönnies sein Geld aus Schalke zurückziehen sollte, fiele der Verein an einem Stück in die Regionalliga. Das sollten die Verantwortlichen bedenken.

Bis vor kurzem noch haben die Linken dem Papst (nicht dem jetzigen) noch vorgeworfen, durch sein Ablehnen der Verhütung, an der Überbevölkerung schuld zu sein. War das nicht auch Rassismus? Man hat damit den Afrikanern die Fähigkeit angesprochen, selbst zu denken und Worte des Papstes zu hinterfragen.

Wieso muss jeder mit Respekt behandelt werden? Respekt muss man sich verdienen. Wenn jemand Unsinn macht, muss man das auch sagen dürfen - auch mit harten Worten."If no one is hurt, nothing is improving" (Stefan Molyneux). Hätte man in den USA die Sklavenhalter oder Sklavenhändler mit "Respekt" behandelt und vonseiten der Gegner nicht kritisieren dürfen, gäbe es die Sklaverei noch heute.

Ich kritisiere auch diejenigen Pseudokonservativen, die selbst auf die Totschlagwörter "Rassismus", "Homophobie" oder auch "Antisemitismus" anspringen und sich damit die Regeln des Gegners diktieren lassen. Gewaltaufrufe oder gar -taten sollten sich gegenüber allen Menschen verbieten. Das ist klar, aber jede der betroffenen Gruppen darf (sogar hart oder überzogen) kritisiert werden. Ansonsten wird die Meinungsfreiheit Stück um Stück durch sein Unkritisierbare eingeschränkt. Als letzte kritisierbare Gruppe bleibt dann nur noch der heterosexuelle weiße Mann übrig, der dann an allem schuld ist - innerhalb dieser Gruppe besonders der Deutsche und innerhalb diesen besonders der Sachse.


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