Riad wälzt Öl-Risiken auf Anleger ab

Versiegende Quellen, Preisverfall und Krieg – Anteile des Staatskonzerns Saudi-Aramco werden verkauft

05.11.19
Von Huthis durch Anschlag beschädigt: Saudische Ölförderanlage in Abqaiq

Es soll einer der größten Börsengänge der Geschichte werden. Schon mehrfach wurde er verschoben, nun sieht es so aus, als würde die staatliche saudische Erdölfirma Saudi-Aramco erst im kommenden Jahr den Gang auf das Handelsparkett wagen.

Die Fundamentaldaten scheinen zu stimmen. Das am Persischen Golf in Dhahran ansässige Unternehmen beschäftigt weltweit rund 65000 Mitarbeiter und erzielte zuletzt einen Umsatz von über 350 Milliarden Dollar. Betrachtet man nur den Gewinn, so verdiente Saudi-Aramco mit über 111 Milliarden Dollar im Jahr 2018 so viel wie Apple, Google und Exxon Mobile zusammen und ist damit das ertragreichste Unternehmen der Erde. Profitieren können mögliche Anleger auch von den niedrigen Steuern innerhalb des wahhabitischen Königreiches. Sie gelten als vergleichsweise moderat, hatte sich der saudische Staat doch bislang überwiegend mit seinen Einnahmen aus dem Erdölgeschäft finanziert. Doch in den vergangenen Jahren ist es zu einer Erhöhung staatlicher Abgaben gekommen.
2018 hatten die Saudis erstmals eine Mehrwertsteuer eingeführt. Auch ist der Erdölpreis bereits seit Längerem unter Druck. Im Fünf-Jahres-Vergleich hat das Barrel fast ein Drittel an Wert verloren. Die militärischen Konflikte, in welche das Königreich verstrickt ist, belasten den Haushalt zusätzlich. Dennoch stellt sich die Frage, warum die Saudis ein auf den ersten Blick immer noch ausgesprochen profitables Unternehmen so einfach teilprivatisieren wollen, um ihre Gewinne dann mit Investoren aus aller Welt zu teilen.
Angaben zu den verbliebenen Erdölreserven des Landes sind intransparent und werden manipuliert. Vereinzelt wird angenommen, Saudi-Arabien habe den Zenit seiner Förderung bereits überschritten und die Menge des aus dem Wüstensand gepumpten Öls werde sich bereits in den kommenden Jahren drastisch reduzieren. Insoweit liegt die Vermutung durchaus nahe, dass hier zuvor noch einmal Kasse gemacht werden soll, um das Risiko der sich erschöpfenden Quellen auf andere Anleger abzuwälzen. Hierfür spricht der enorme Druck, den die Geschäftsführung von Saudi-Aramco auf die am Börsengang beteiligten Finanzinstitute ausübt. Sie sollen das Unternehmen möglichst hoch bewerten.
Auch reiche saudische Familien werden genötigt, Aktien für den geplanten Börsengang zu zeichnen. Als kürzlich bekannt wurde, dass die in der jemenitischen Provinz al-Dschauf liegenden Erdölvorkommen zu den größten der Welt gehören könnten, frisierte die saudische Führung ihre Fördermengen kurzerhand nach oben. Zwar liegen 95 Prozent des dortigen Ölfeldes auf dem Territorium des Jemen, auf den verbleibenden, zu Saudi-Arabien gehörenden, fünf Prozent bohren die Saudis unter Mithilfe des französischen Total-Konzerns aber schon heute nach dem schwarzen Gold. Dabei werden auch die auf jemenitischer Seite liegenden Vorkommen in dem umstrittenen Grenzgebiet angezapft.
Die reichen jemenitischen Erdölvorkommen dürften zudem der Grund für die seit 2015 andauernde Militärintervention der Saudis im Nachbarland sein. Nach außen hin wird der Bürgerkrieg im Süden der arabischen Halbinsel gerne als religiös begründeter Konflikt dargestellt. Dies ist nicht falsch, jedoch nur ein Teil der Wahrheit. Neben geopolitischen Aspekten dürfte der Kampf um das Öl des Jemen ein wichtiger Grund für das Eingreifen fremder Mächte sein. Offiziell legitimiert Saudi-Arabien seine Intervention hingegen mit der Unterstützung des früheren jemenitischen Präsidenten Hadi. Dieser war aufgrund gewalttätiger Proteste innerhalb seines Landes im Januar 2015 von seinem Amt zurück-getreten und nach Aden geflohen. Dort nahm er seinen Rücktritt zurück. Nachdem er sich auch dort nicht halten konnte, setzte er sich zunächst nach Saudi-Arabien ab. Heute ist Hadi nurmehr eine Marionette, die den Saudis und den sie unterstützenden Staaten, zu denen auch die USA und Frankreich gehören, als Rechtfertigung für ihren Zugriff auf das jemenitische Öl dient.
Der Eingriff der von Saudi-Arabien geführten Militärkoalition blieb weitestgehend erfolglos. Trotz massiven Einsatzes konnten die schiitischen Huthi kaum zurückgedrängt werden. Teilweise gelang es ihnen sogar, auf saudisches Hoheitsgebiet vorzudringen. Obwohl die saudische Armee mit 600000 aktiven Soldaten relativ groß und gut ausgerüstet ist, gelang ihr kein nennenswerter Geländegewinn. Der Angriff der Huthi auf zwei Erdölförderanlagen von Saudi-Aramco im vergangenen September hat das Vorhaben einer raschen Teilprivatisierung weiter zurückgeworfen. Trotz der ansehnlichen Fundamentaldaten dürfte ein Investment in das arabische Erdölunternehmen für Anleger mit erheblichen Risiken behaftet sein. Dirk Pelster


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