Zu Ostern, wenn die Palmen blühen …

24.04.19
Ostereier am Forsythienbusch Bild: Brigitte Stramm

Zwölf Ostereier

 

Der Osterhase hat über Nacht

Zwölf Eier in unsern Garten gebracht.

Eins legte er unter die Rasenbank,

drei zwischen das grüne Efeugerank,

vier lagen im Hyazinthenbeet,

drei, wo die weiße Narzisse steht,

eins oben auf dem Apfelbaumast:

Da hat sicher die Katze mit angefasst!

 

In den letzten Tagen vor den Osterferien wird auch heute noch in der Grundschule der Frühling besungen, werden Ostereier bemalt oder auch eine Osterhasengeschichte in der 1. Klasse gelesen.

 

Meine Schulzeit begann vor 80 Jahren zu Ostern im Gegensatz zu heute, wo der Schulanfang nach den Sommerferien liegt. Ich kann mich noch erinnern, dass wir am ersten Schultag Ostereier auf die Schiefertafel malen und dabei in den Linien bleiben sollten. Das war schon eine gute Vorübung für den Buchstaben „O“, was wir natürlich nicht merkten.

Im Reprint der Pommerschen Heimatfibel fand ich das Gedicht von der Hasenwäsche. Wir haben dazu Bilder am Ende des ersten Schuljahres angefertigt, und den entsprechenden Vers dazu vorgelesen. Das Gedicht von den 12 Ostereiern kann ich heute noch aufsagen. Und die Bemerkung meines Vaters: „Mehr wollt ihr nicht suchen;“ ist mir auch noch im Gedächtnis geblieben.

Eins meiner ersten Bücher, das ich selbst gelesen habe, war die Häschenschule. Ich habe sie geliebt, und darum auch später meinen Kindern geschenkt. In diesem Jahr war ich erstaunt, als ich sie in verschiedenen Ausgaben in den Braunschweiger Buchhandlungen im März vorfand. Obwohl der Bilderbuchklassiker heute pädagogisch gesehen autoritär erscheinen mag, da Haseneltern und Hasenlehrer sehr unerbittlich auftreten, erlebte er besonders nach 1989 einen neuen Höhenflug. Albert Sixtus, ein Lehrer aus Sachsen, schrieb dieses Kinderbuch für seinen Sohn. Es wurde 1924 vom Alfred Hahn’s Verlag herausgegeben. Fritz Koch-Gotha illustrierte es.

Bis 1942 wurde in Deutschland nach Ostern eingeschult und vor Ostern die Volksschule mit 14 bis 15 Jahren verlassen. Ab 1943 begann das Schulleben jedoch im Herbst und endete vor den Sommerferien. Nach dem Krieg wurde der Schulanfang zurück auf Ostern verlegt. Seit 1967 beginnt das Schulleben wieder im Herbst.

Während meiner Volksschulzeit in Stettin-Hökendorf kreisten eifrig  die Poesiealben, in denen besonders dieser Vers sehr beliebt war:

 

Zu Ostern, wenn die Palmen blühn,

Wirst du einst vorm Altar knien.

Oh weine sehr, oh weine sehr,

die Schulzeit kehrt nie wieder her.

 

Zum Schulabschluss gehörte für die meisten pommerschen Volksschüler die Konfirmation, in der sie für „kirchenwürdig“ erklärt wurden. Die Mädchen traten in schwarzen oder dunkelblauen Kleidern mit einem besonders schönen weißen Kragen, die Jungen zum ersten Mal in langen Hosen vor den Altar.

Es begann die Berufsausbildung, das Berufsleben, das oft für die Dorfschüler mit einem Ortswechsel verbunden war. Es begann der Ernst des Lebens.

Brigitte Klesczewski


Hat Ihnen dieser Artikel gefallen? Dann unterstützen Sie die PAZ mit einer Anerkennungszahlung.


Drucken


Kommentare

Keine Kommentare


Kommentar hinzufügen

* - Pflichtfeld
*
*
*

CAPTCHA-Bild zum Spam-Schutz


*
 

Da Kommentare manuell freigeschaltet werden müssen, erscheint Ihr Kommentar möglicherweise erst am folgenden Werktag.
Sollte der Kommentar nach längerer Zeit nicht erscheinen, laden Sie bitte in Ihrem Browser diese Seite neu!

 
 

Die Preußische Allgemeine Zeitung – die deutsche Wochenzeitung für Politik, Kultur und Wirtschaft. Die PAZ spricht eine geschichtsbewusste Leserschaft an und vertritt den Gedanken einer deutschen Leitkultur. Preußisch korrekt statt politisch korrekt – die PAZ berichtet über Themen, die andere Wochenzeitungen lieber verschweigen. Unsere preußisch-wertkonservative Berichterstattung bietet Ihnen einen ungeschönten Blick auf das Zeitgeschehen und Woche für Woche Orientierung in der Flut oft belangloser Nachrichten. In ihren Kommentaren legt die PAZ den Maßstab preußischer Tugenden im besten Sinne an. Abonnieren auch Sie die Preußische Allgemeine Zeitung und lesen Sie wöchentlich tiefgründige Berichte von A wie Ahnenforschung, über B wie Bismarck, O wie Ostpreußen in Geschichte und Gegenwart, W wie Wochenrückblick bis Z wie Zweiter Weltkrieg. Kritisch. Konstruktiv. Klartext für Deutschland.