Afrikas Motorisierung schreitet voran

Bei lauter chinesischen Lizenzproduktionen und auch Eigenentwicklungen hat der Westen das Nachsehen

13.06.17
Soll nächstes Jahr in Serie gehen: Die Hybrid-Limousine EV Smack des ugandischen Staatsunternehmens KMC Bild: Imago

Derzeit weist der Automarkt in Afrika, wo nur rund jeder 20. Bewohner ein Kraftfahrzeug besitzt, das weltweit größte Wachstumspotenzial auf. Die deutschen und anderen westlichen Hersteller werden davon jedoch wohl weniger profitieren als erhofft.

Aktuell sind Autokonzerne wie Volkswagen auf dem Schwarzen Kontinent noch gut im Geschäft. Deshalb unterhalten sie in Südafrika sowie Nigeria auch eigene Produktionsstätten – und im Falle von VW kommt nun sogar ein weiteres Werk in Kenia hinzu, in dem dieses Jahr bis zu 5000 Exemplare des auf dem Polo IV basierenden Polo Vivo vom Band rollen sollen. Südlich der Sahara regiert keineswegs bloß die Armut, wie die Immigrationslobby hierzulande permanent suggeriert. Vielmehr gibt es teilweise sogar einigen Wohlstand, der die Nachfrage nach Kraftfahrzeugen jeglicher Art wachsen lässt. Allerdings deuten sich in diesem Zusammenhang drei neue Trends an, die den Automobilherstellern aus Europa, Japan und den USA nachhaltig das Geschäft verderben könnten.
Zum Ersten versucht das ugandische Staatsunternehmen Kiira Motors Corporation, innovative Elektro- und Hybridmodelle auf den Markt zu bringen, die von Experten der Makerere University in Kampala unter Berück­sichtigung der besonderen Verhältnisse in Afrika entwickelt wurden. Dazu zählen der Elektro-Zweisitzer EV und die Hybrid-Limousine EV Smack. Letztere soll 2018 in Serie gehen und hat mittlerweile schon Liebhaber im Westen gefunden. Außerdem basteln die Ugander an dem solargetriebenen Bus Kayoola – wenn dieses Projekt wegen eines Unfalls auch vorzeitig auf Eis liegt.
Zum Zweiten beginnen afrikanische Firmen verstärkt mit der Produktion ultrabilliger selbstkonstruierter Fahrzeuge konventioneller Machart. So stellte Mobius Motors in Kenias zweitgrößter Stadt Mombasa bis 2016 den ebenso robusten wie primitiven achtsitzigen Geländewagen Mobius II her. Dem wird nun bald der Mobius III – wiederum ohne Klimaanlage und Servolenkung – folgen, der in etwa so viel kosten dürfte wie ein acht Jahre altes gebrauchtes Auto europäischer Herkunft. Die gleiche Strategie verfolgt das Unternehmen Le Relais auf der Insel Madagaskar, nur dass dessen jetzt lieferbarer Karenjy Mazana II zusätzlich eine offene Ladefläche besitzt und somit auch als Pritschenwagen auf Pkw-Basis, als sogenannter Pick-up, fungieren kann. Und dann wäre da noch die Kantanka Car Group in Ghana, die ebenfalls das Marktsegment der preiswerteren kleinen Nutzfahrzeuge bedient. Ausdruck dessen sind die Modelle K71, Omama und Onantefuor. Dabei werden aktuell oft nur geringe Stückzahlen hergestellt, weil es kaum automatisierte Arbeitsabläufe gibt und zudem häufig Stromausfälle die Werkstätten lahmlegen. Andererseits könnte das verbreitete staatliche Bestreben, die Infrastruktur zu verbessern sowie Polizei und Behörden mit Kraftfahrzeugen aus eigener Produktion auszustatten, hier relativ schnell Wunder wirken. Zumal einige afrikanische Regierungen auch ganz offen Protektionismus betreiben, indem sie hohe Einfuhrzölle bis zu 70 Prozent auf ausländische Autos erheben.
Zum Dritten werden in Staaten wie Nigeria oder Mosambik chinesische Fahrzeuge in Lizenz und deutlich größeren Mengen gefertigt. Zu diesem Zweck entstand unter anderem Matchedje Motors in Maputo, ein Gemeinschaftsunternehmen (Joint Venture) der  der Republik Mosambik und der China Tong Jian Investment Co. Ltd. aus Shanghai, das mit 150 Millionen US-Dollar Startkapital antrat und pro Jahr etwa 100000 Pick-ups des Typs F16 ausliefert, der auf dem chinesischen Modell Guangdong Foday Lion basiert. Dabei soll die Produktion bis 2020 verfünffacht und die Palette zudem noch um Busse, Laster, Limousinen und Geländewagen erweitert werden. In ähnlich großem Stil will die Innoson Vehicle Manufacturing Co. Ltd. (IVM) im nigerianischen Nnewi, die 2013 mit dem Nachbau chinesischer Fahrzeuge begann, den Automarkt erobern. Zum Portfolio des von Innocent Chukwuma gegründeten Unternehmens gehören neben Motorrädern auch die Personenkraftwagen Umu und Fox, ein Pick-up namens Carrier sowie der SUV G5 und der Minibus Uzo. 70 Prozent der Teile für die Wagen von IVM stammen von nigerianischen Zulieferern – importiert werden lediglich Motoren, Getriebe und Elektronik-Komponenten. Mit Hinweis darauf ruft Chukwuma seine Landsleute auf, verstärkt IVM-Autos zu kaufen. Luft nach oben ist noch vorhanden, denn derzeit kommen in dem bevölkerungsreichsten Staat Afrikas 131 ausländische Gefährte auf ein in Nigeria montiertes Kraftzfahrzeug. Nichtsdestotrotz plant der IVM-Eigner, mit den kostengünstigen chinesischen Lizenzmodellen über Nigeria hinaus auch den Rest des subsaharischen Afrikas zu überschwemmen.    Wolfgang Kaufmann


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