Analyse eines Andersdenkenden – Fragen zu Nation und Immigration

17.01.18

Das Buch „Flucht und Schuld – Zur Architektonik und Tiefenstruktur der Willkommenskultur“ ist keine leichte Lektüre, sondern gräbt tief, und das erfordert hohe Konzentration, die sich allerdings lohnt. Was steckt hinter der Reaktion der Politik auf die „Flüchtlingskrise“ des Jahres 2015 und hinter der so verzerrten Darstellung der Ereignisse durch die Massenmedien? Wilfried Grießer geht Fragen nach, die in Deutschland politisch nicht korrekt sind und daher einer Antwort harren. Wie kommt es, dass so viele vorgeblich „kritische Geister“ den Nationalstaat aufzugeben bereit sind und die Massenzuwanderung überwiegend unqualifizierter junger wehrfähiger Männer, die keine Konventionsflüchtlinge sind, aus dem arabisch-nordafrikanischen Raum frenetisch bejubelten? Um dem nachzuspüren, begibt sich die Studie über das Feld der Zeitgeschichte hinaus tief in die Gefilde der Theologie, von Schuld, Sühne und Sexualität.
Das Buch ist methodisch klar gegliedert in vier Gedankenkreise. Es beginnt mit einer umfassenden Situationsanalyse und wechselt dann in den Bereich „Der Mensch und dessen Bildung“. Im dritten Gedankenkreis geht es um „Theologie und Politik“. Schließlich konzentrieren sich die Gedanken um Nation und Immigration. Es geht um Themen wie Rückkehr zum Nationalstaat, Europa als Nation, Multikulturalität und Interkulturalität, Vielseitigkeit und Auflösung aller Kulturen, um Ethnopluralismus, Islamismus, Transkulturalität, Leitkultur wie die Aufforderung „Auf nach Deutschland!“ Es endet mit einem Epilog, der Frage nach Flucht und Schuld wie „Wohngemeinschaft EU?“
Eine Textprobe zur Frage der Bildung und Qualifikation der Einwandernden: „Der Glaube an die ,Bildung‘ scheint grenzenlos. Mangelnde Sprachkenntnisse, importierte ethnisch-religiöse Konflikte, Vorurteile, Extremismen – immer ist ,Bildung‘ die Antwort, die alle Probleme löst. ,Wir schaffen das‘, weil wir alle bilden. ... Ausbildung wird in den Rang der ,Bildung‘ erhoben, und Bildung hierdurch nur unbestimmter. Sie wird zum Modewort, zur
Zierde von Politikern, die mediengerecht Bildungsreformen verkünden. Ob der Staplerfahrer auch Arbeit findet, ist sekundär. Hauptsache wir bilden ihn. ... Der Mensch ist gut und gleich! Wir haben nicht nach Qualifikationen zu fragen, wenn ,Schutzsuchende‘ ins Land kommen, nicht nach deren politischer und kultureller Sozialisation, nicht nach deren Zahl und auch nicht nach der Geschwindigkeit des Zuzugs.“
Es seien Menschen, die kommen, und was sei schon die Zahl und die Qualifikation gegen den Menschen? Einen Grenzzaun niederzutreten sei nicht länger ein krimineller Akt einer Sachbeschädigung, sondern nachgerade ein Menschenrecht, worin der Mensch sich als Mensch manifestiere. Und wiederum: „Schlicht, weil ich Mensch bin, habe ich, in Deutschland angelangt, das Recht auf ein Haus, auf ein Auto, auf kostenlose Gesundheits- und sonstige soziale Versorgung.“
Nach dieser Theorie sei der Mensch kein Vernunft- und Geistwesen, sondern er werde ein Stück „Materie“, nicht Bürger eines States, sondern ohne jeglichen Inhalt, der ihn tragen würde. Der einzelne Mensch werde austauschbar und überall hin verpflanzbar. Der individualisierte und atomisierte Mensch werde zu einem „Bündel von Kompetenzen“. Wenn der Mensch nur Mensch ist und der Mensch alles zähle, zähle er am Ende nichts. Wer um der Gleichheit aller Menschen willen in ihrem Menschsein die völlige Gleichheit auch aller Kulturen, Religionen, sexuellen Orientierungen und so weiter behaupte, der ignoriere die Dualität des mit Verstand ausgestatteten Menschen, Leib und Geist in einem zu sein.
Ein inhaltsreiches und gescheites Buch, das in die Hände aller „Bildungsbürger“ gehört, aber mehr noch aller „Politiker“, und zwar auf allen Ebenen, von der Kommune bis zum Bund. Sie alle haben per Eid geschworen, „dem Wohle des deutschen Volkes“ zu dienen und von ihm Schaden abzuwehren.
    Wolfgang Thüne

Wilfried Griesser: „Flucht und Schuld – Zur Architektonik und Tiefenstruktur der ,Willkommenskultur‘ – Refugees Welcome!“, Ares Verlag, Graz 2017, 160 Seiten, 16,95 Euro


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