Arm trotz lebenslanger Beitragszahlung

Mehr als die Hälfte der Empfänger von Grundsicherung ist im Rentenalter

20.04.17

Der „5. Armuts- und Reichtumsbericht der Bundesregierung“ ist aktuell in der Ressortabstimmung und wird danach im Kabinett beschlossen, bevor er im Bundestag beraten wird. Darin heißt es: „Die breite Akzeptanz der sozialen Marktwirtschaft in Deutschland fußt auf zwei Perspektiven: Erstens, dass für jede und jeden durch Anstrengung und Leistung ein Aufstieg möglich ist, und zweitens, dass jede und jeder Anteil am gesellschaftlichen Wohlstand hat.“ Die Verfasser der Studie kommen zwar zu dem Schluss, dass die Deutschen „solide dastehen“, dass es aber Verunsicherung bei den Bürgern gebe, ob sie und ihre Kinder den erreichten sozialen Status verbessern oder wenigstens erhalten können. Für die Beschäftigten im Niedriglohnsektor ist das mittlerweile problematisch geworden. „Die unteren 40 Prozent der Beschäftigten haben beim Bruttostundenlohn seit Mitte der 1990er Jahre real weniger auf dem Gehaltszettel“, heißt es dazu in dem Bericht.
Prekär ist zudem die Lage vieler Rentner. Oftmals arbeiten Menschen ein Leben lang, um sich ihren Lebensunterhalt für das Alter zu sichern – um dann festzustellen, dass es dafür doch nicht reicht. Denn es gibt es immer mehr arme Rentner in Deutschland. Da diese ihren Lebensunterhalt von der einkommenden Rente nur knapp bestreiten können, beziehen sie oft Hilfe vom Staat. Die Grundsicherung soll jedem Rentner trotz niedriger Rentenzahlung ein würdevolles Leben ermöglichen. Doch nicht jeder, der wenig Geld zur Verfügung hat, leidet laut Definition der EU auch unter Altersarmut. Als arm gilt demnach derjenige, dem maximal 60 Prozent des Medianeinkommens des entsprechenden Landes zur Verfügung stehen. Dabei wird oft eine pauschale Einkommensgrenze von 900 Euro genannt. Sollte die Altersarmut also eine bestimmte Grenze erreichen, so dass der Betroffene seinen Lebensunterhalt nicht mehr durch sein eigenes Einkommen bestreiten kann, hat dieser Anspruch auf Grundsicherung vom Staat. Besonders häufig sind Frauen von der Altersarmut betroffen. Grund dafür sind die Lohnunterschiede zwischen Frau und Mann. Hinzu kommen Ausfälle durch Schwangerschaften, welche die Rentenzahlungen verringern können.
Eine weitere allgemeine Ursache für Altersarmut sind niedrige Löhne. Aufgrund dieser muss ein Arbeitgeber einen geringeren Beitrag in die gesetzliche Rentenversicherung des Arbeitnehmers einzahlen. Auch länger andauernde Krankheiten während einer Beschäftigung können dazu führen, dass sich die Rentenzahlungen verringern. Hinzu kommt eine weitere Risikogruppe, die der Langzeitarbeitslosen. Da Personen dieser Gruppe oft als Minijobber und Teilzeiterwerbstätige beschäftigt sind, bekommen diese im Alter weniger Rente. Die Finanzierung der aktuellen Rente übernehmen die Beitragszahler, also die Erwerbstätigen. Das Problem: Aufgrund des demografischen Wandels gibt es davon immer weniger. Das derzeitige Beschäftigungshoch ist nur vorübergehend und hauptsächlich auf die explodierende Zahl von zeitlich befristeten Arbeitsverträgen zurückzuführen.
Im Jahr 2016 waren mehr als 50 Prozent der Empfänger von Grundsicherung im Rentenalter. Höhere Löhne sowie die Aufstockung von Niedriglöhnen sollen der Altersarmut vorbeugen. Daher wurde der Mindestlohn eingeführt, wodurch Dumpinglöhne vermieden werden sollen. Der Mindestlohn hilft bereits im Voraus, spätere unzureichende Rentenzahlungen zu umgehen. Doch auch privat kann für das Alter vorgesorgt werden. Das kann unter anderem durch eine private Rentenversicherung, eine Lebensversicherung oder eine betriebliche Altersvorsorge geschehen. Die private Rentenversicherung sowie die Lebensversicherung dienen im Rentenalter als zusätzliche Rentenzahlung. Die Altersvorsorge hingegen sorgt dafür, dass ein Teil des Bruttolohns durch den Arbeitgeber direkt in die private Rentenversicherung einfließt. Für die meisten Beschäftigten im Niedriglohnsektor ist diese Form der Altersvorsorge allerdings nur Theorie. Sie sind gar nicht in der Lage, Beitragszahlungen in der für eine sinnvolle Altersvorsorge erforderlichen Höhe zu leisten
Also bleibt für viele im Alter nur die Inanspruchnahme der Grundsicherung. Wem sie gezahlt wird, der erhält in der Regel eine Zahlung wie beim Empfang von Hartz IV beziehungsweise Arbeitslosengeld II. Das bedeutet, dass der Betroffene einen Regelbedarf sowie einen eventuellen Mehrbedarf zur Verfügung gestellt bekommt. Neben den Kranken- und Pflegeversicherungsbeiträgen werden auch die Kosten für die Unterkunft und Heizung übernommen. Der Regelbedarf beträgt für Alleinstehende 409 Euro, Partner oder Eheleute erhalten jeweils 368 Euro. Zusätzlich ist, wie auch bei Hartz IV, eine Erstausstattung einer Wohnung durch Möbel möglich. Die Bewilligung der Grundsicherung erfolgt in der Regel für zwölf Monate. Der Anspruch verlängert sich danach automatisch, sofern sich die Voraussetzungen zum Auslaufen des Bewilligungsgesetzes nicht geändert haben. Ist das doch der Fall, muss ein neuer Antrag auf Grundsicherung gestellt werden.
Mit der Zunahme der Altersarmut steigt bei den betroffenen auch der Beratungsbedarf. Umfangreiche Informationen und Ratschläge unter anderem zu den Themen Hartz IV-Finanzen, Jobcenter und Hartz IV-Leistungen bietet unter anderem das kostenlose Ratgeberportal www.hartz4hilfthartz4.de.
    Isabel Frankenberg/J.H.


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